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Klage gegen „Tagesschau“-App : Ureigene Aufgaben

Sieht so Fernsehen im Internet aus? „Tagesschau.de“ im App-Format Bild: dapd

Der Streit um die Internetauftritte der öffentlich-rechtlichen Sender ist noch immer nicht beigelegt. Dabei zeigt sich bei genauerem Hinsehen: ARD und ZDF sind im Netz nicht dasselbe.

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          Die Verlage haben im Streit mit ARD und ZDF um deren Auftritte im Internet, aufgehängt an der Klage von acht Verlagen gegen die „Tagesschau“-App, eine Solidaritätsadresse erhalten, die Verweischarakter haben könnte: Die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger stützt die Ansicht der Verleger. Nicht alles, was technisch möglich sei, müsse man mit Gebührenfinanzierung herstellen, sagte sie auf dem Medienforum NRW in Köln. „Deshalb teile ich ganz klar die Haltung derjenigen, die sagten: Es ist nicht Aufgabe öffentlich-rechtlicher Rundfunkanstalten, im Bereich Presseinformationen in Konkurrenz und Wettbewerb zu Presseverlagen zu treten.“ Im Internet seien Texte zu lesen, bei denen nur noch am Hintergrund erkennbar sei, ob es sich um Apps der Zeitungen oder solche der gebührenfinanzierten Sender handele. „Da sollte sich jeder auf die ureigenen Aufgaben und Kompetenzen konzentrieren.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wobei man in diesem Streit schon genau hinschauen und zwischen ARD und ZDF unterscheiden muss. Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, wie sehr sich das Erste und das Zweite im Internet unterscheiden: Das Internetangebot des ZDF hat sich unter dem neuen Intendanten Thomas Bellut fundamental gewandelt: Das bewegte Bild steht ganz eindeutig im Vordergrund, die Texte sind Beiwerk - so sieht Fernsehen im Internet aus. Bei der ARD ist es umgekehrt: Sie hat eine vielköpfige Textredaktion ins Leben gerufen, die Beiträge produziert, die, wenn überhaupt, eher lose mit dem Fernsehprogramm verbunden sind - so sieht eher Zeitung im Internet aus.

          Retrospektive und Gegenwart

          Darum geht es auch bei der Klage von acht Verlagen (darunter derjenige dieser Zeitung) gegen die „Tagesschau“-App, von der es zwischenzeitlich schien, als könne sie beigelegt werden. Doch kam die „gemeinsame Erklärung“, auf die sich Vertreter von Verlagen, ARD und ZDF so gut wie geeinigt hatten, dann doch nicht zustande. Der inzwischen emeritierte ZDF-Intendant Markus Schächter funkte semantisch dazwischen, inhaltlichen Widerstand aber gibt es vor allem in ARD-Kreisen, die hinter ihren Text-Status-quo nicht mehr zurückwollen.

          Daher hat der WAZ-Geschäftsführer und Vorsitzende der NRW-Verleger Christian Nienhaus zwar recht, wenn er auf dem Medienforum NRW ARD und ZDF ob deren Gesprächsführung kritisiert. (So ergäben „Verhandlungen keinen Sinn“.) Doch ist das die Retrospektive. Die Gegenwart spiegelt sich in den Online-Auftritten von heute.de und tagesschau.de, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

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