https://www.faz.net/-gqz-8pdcs

Klage gegen Satiriker : Unerhörter Witz

  • -Aktualisiert am

Serdar Somuncu, der für seine provozierenden Aussagen bekannt ist, muss rechtliche Konsequenzen fürchten. Bild: dpa

Eine Redakteurin des WDR verklagt den Satiriker Serdar Somuncu wegen „schwerer Beleidigung“. Somuncu hatte in Richtung des WDR von einer „Keimzelle des Faschismus“ gesprochen.

          1 Min.

          Serdar Somuncu, Kabarettist und Kanzlerkandidat der Satire-Partei „Die Partei“, wird von einer WDR-Redakteurin wegen „schwerer Beleidigung“ verklagt. Grund für die Klage sind Äußerungen Somuncus, die er während einer von der Körber-Stiftung organisierten Podiumsdiskussion im vorvergangenen Jahr getätigt hatte. So sagte er in dem Gespräch mit der Journalistin Mely Kiyak in Richtung der Redakteurin und WDR: „Diese Arschlöcher nehmen sich raus, im Namen der Gebührenzahler, uns zu zensieren. Und das war für mich die Keimzelle des Faschismus.“

          Sind Äußerungen eines Satirikers anders zu bewerten?

          Somuncu, der als Satiriker für Provokationen und derbe Ausführungen bekannt ist, reagierte auf die Klage per Facebook-Post: „Der WDR macht da weiter, wo er immer war. Entlarvend ist dabei, dass man nun Zitate sinnentstellt wiedergibt, um den eigentlichen Vorwurf der Zensur zu vertuschen.“ Der Streit zwischen Somuncu und dem WDR wirft die Frage auf, ob Äußerungen eines Satirikers kraft seiner Rolle als Witzemacher anders zu bewerten sind als, zum Beispiel, die eines Journalisten.

          Wer sich das komplette Video der Podiumsdiskussion in der Körber-Stiftung in Hamburg anschaut, dem wird auffallen, dass Somuncu durchgehend polemisiert und pöbelt, dass, was auch immer man davon halten mag, der Ton eindeutig zur Form seines Auftritts als Satiriker gehört. Somuncu ätzt in dem Video nicht nur gegen die namentlich genannte WDR-Redakteurin, sondern auch gegen andere Medienvertreter und Satire-Kollegen, welche die „Schnauze gehalten“ hätten, als er von öffentlich-rechtlichen Sendern „verboten“ und „zensiert“ worden sei.

          Er wird sich bestätigt fühlen

          Der Rundumschlag Somuncus wird rechtliche Konsequenzen haben. Der WDR betont in einer Mitteilung, dass er die Redakteurin in ihrer Klage unterstütze: „Wir dulden es nicht, dass unsere Mitarbeiterin öffentlich als ‚Keimzelle des Faschismus‘ oder ‚Arschloch‘ bezeichnet wird.“ 

          Die Körber-Stiftung zieht ihre eigenen Schlüsse: Das Video der Diskussion wurde mittlerweile so bearbeitet, dass die beleidigenden Stellen nicht mehr zu hören sind. Somuncu wird sich darin bestätigt sehen, er werde von öffentlich-rechtlichen Sendern zensiert.

          Weitere Themen

          Wenn die ganze Welt in Unordnung ist

          „The Man in the High Castle“ : Wenn die ganze Welt in Unordnung ist

          Historisch-philosophische Spekulationen, in einfache Bilder übersetzt: Wird es der Amazon-Serie „The Man in the High Castle“ gelingen, die Erzählung, die Nazis hätten den Krieg gewonnen und herrschten in Amerika, plausibel zu Ende zu bringen?

          Topmeldungen

          Bahn-Chef Richard Lutz (rechts) und der bisherige Finanzvorstand Alexander Doll

          Führungschaos bei der Bahn : Höchste Eisenbahn

          Zuletzt hatte es noch Hoffnung geben, die Bahn könnte ihre Probleme hinter sich lassen. Doch nun tobt ein Führungschaos in der Chefetage. Das erste Opfer: Finanzvorstand Alexander Doll. Aber der eigentliche Skandal liegt woanders.

          Parteitag der Grünen : Alles scheint möglich

          Die Grünen profitieren enorm von der Debatte über den Klimaschutz. Auf ihrem Parteitag in Bielefeld wollen sie sich inhaltlich trotzdem weiter öffnen. Und eine Frage schwebt über allem: Wird es einen grünen Kanzlerkandidaten geben?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.