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Nach Fake-Vorwürfen : Klaas Heufer-Umlauf entschuldigt sich

  • -Aktualisiert am

Klaas Heufer-Umlauf in seiner Show. Bild: dpa

Zuerst tat Klaas-Heufer-Umlauf so, als seien die Fake-Vorwürfe gegen ihn nichts wert. Dann entschuldigt sich der Moderator doch und deutet an, dass er so manches ernst nimmt. Das stünde Pro Sieben auch gut an.

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          Vor einer Woche wurde durch Recherchen des Youtube-Formats „STRG_F“ bekannt, dass die Pro-Sieben-Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf die Zuschauer ihrer Sendungen getäuscht haben. Dafür hat sich Heufer-Umlauf in seiner Pro-Sieben-Show „Late Night Berlin“ nun entschuldigt.

          Nachdem er in seinem Podcast „Baywatch Berlin“ die Entdeckungen der NDR-Journalisten eher heruntergespielt hatte, widmete sich Heufer-Umlauf diesen zu Beginn seiner „Late Night Berlin“-Sendung am Montag auf ernsthaftere Weise. Zunächst erzählte er noch blumig, dass in ihrem „Quatschfernsehen“ bekanntermaßen vieles nur Show sei. „Das Publikum“, sagte er, „die klatschen auch, wenn sie einen Gast eigentlich Scheiße finden. Auf der Bühne wird manchmal Playback gesungen, meine Gags werden zum großen Teil von Autoren geschrieben“. Ziel sei es, zu unterhalten und die Menschen vor dem Fernseher aus ihrer Alltagswelt zu holen. Die Recherche von „STRG_F“ solle also niemanden verblüffen. „Vieles, was in Fernsehstudios passiert, und vieles, was in dieser Reportage aufgezählt wurde, ist völlig zurecht Teil einer Inszenierung namens Entertainment, die das Ziel verfolgt, Witze möglichst gut zu erzählen, Sie zu unterhalten und abzulenken. Und das ist auch genau gut so.“

          Dann aber wurde Heufer-Umlauf ernsthafter. Er räumte ein,  „in einzelnen Fällen über dieses Ziel hinausgeschossen“ zu sein. Das sei beim Fahrrad-Dieb-Einspielfilm der Fall gewesen. Mit mehr als vier Millionen Klicks auf Youtube handelt es sich um eines der beliebtesten Videos des „Late Night Berlin“-Kanals: In einem Baucontainer versteckt, lauert der Moderator einem vermeintlichen Fahrraddieb auf, der dann Protagonist eines skurrilen Schauspiels wird: Ein Feuerspucker und eine Stelzenfrau treten auf, der Musiker Adel Tawil gibt, begleitet von einem Chor, einen Song zum Besten. Der verdutzte Dieb flüchtet schließlich, als das Rapper-Duo „Die Atzen“ auftritt. Heufer-Umlauf gibt zu: „Alles war so schön geplant, so schön vorbereitet. Nur eines, das konnten wir wirklich nicht ahnen, dass ausgerechnet in dieser Nacht in Berlin keiner kommt, um ein Fahrrad zu klauen. Und unserer ist dann dummerweise nochmal zurückgelaufen, weil er vergessen hat, sich seine Gage abzuholen. Dumm.“

          „In dem Fall“, sagte Heufer-Umlauf, „haben wir etwas deutlich anders dargestellt, dass man es auch nicht so einfach mit einem ,Ist ja nur Unterhaltung' wegwischen kann. Ich kann auch jeden verstehen, der davon enttäuscht wurde. Dafür möchte ich mich ernst gemeint und ohne jede Ironie entschuldigen. Das war ohne Wenn und Aber ein Fehler und wird so auch nicht mehr vorkommen.“ Die Fernsehmacher hätten außer Acht gelassen, „dass die Realität weniger spannend ist als das, was wir gerne auf der Showbühne sehen.“

          Das Youtube-Format „STRG_F“, das die „Panorama“-Redaktion des NDR für das Onlineangebot „funk“ von ARD und ZDF produziert, hatte sich die Geschichte mit dem vermeintlichen Fahrraddieb (der ein Laiendarsteller war) vorgenommen und darauf hingedeutet, dass der Schauspieler Edin Hasanovic in einer Folge von „Duell um die Welt“ gar nicht allein in einem Heißluftballon unterwegs war und diesen landen musste. Sophia Thomalla fuhr auch nicht stundenlang mit verbundenen Augen von Nizza nach Budapest, und bei einem Tinder-Date, das mit Heufer-Umlaufs Hilfe zum unvergesslichen Moment werden sollte, wusste die Auserwählte von den Dreharbeiten für „Late Night Berlin“.

          Der Sender Pro Sieben und die Produktionsfirma Florida Entertainment hatten in einem Statement gewisse Verfehlungen eingeräumt. Pro Sieben tat dies jedoch recht spitzfindig und kritisierte die Recherchemethoden von „STRG_F“. Die Moderatoren, die am Tag der Veröffentlichung als Gewinner des Grimme-Preis für ihre Sendung „Joko & Klaas Live – 15 Minuten“ benannt worden waren, hatten sich zunächst nicht geäußert. Bei den Aktionen von Heufer-Umlauf und Winterscheidt, die wenigstens zum Teil wie Journalismus aussehen (sollen), werden die Zuschauer wohl künftig etwas genauer hinsehen.

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