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Appell an Bundesregierung : Kinofilm retten!

Filmriss: Keine Filmvorführungen vorerst mehr. Bild: dpa

109 namhafte Regisseurinnen, Regisseure, Autorinnen und Autoren appellieren an die Bundesregierung, den deutschen Kinofilm vor dem Untergang zu bewahren. Denn es gibt keine Versicherung, die das Covid-19-Risiko bei Dreharbeiten abdeckt. Die Filmemacher haben aber eine Idee.

          2 Min.

          Eine Gruppe unabhängiger Drehbuchautoren und Regisseure ist mit einem offenen Brief an die Bundesregierung herangetreten, um den deutschen Kinofilm zu retten. In dem Schreiben, das am Freitag an Monika Grütters, die Kulturbeauftragte der Bundesregierung, und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ging, heißt es, der deutsche Kinofilm sei „in höchster Gefahr“. Durch die Corona-Krise seien „sämtliche deutsche Kino-Produktionen zum Stillstand gekommen“. Für Kinofilme, deren Produktion abgebrochen werden musste, hätten die Filmförderungen einen Nothilfefonds ins Leben gerufen. Für bevorstehende Filme jedoch fehle „jede Absicherung der Produzenten für das Risiko eines Drehstopps durch einen Covid-19-Fall“.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Ohne Absicherung aber würden vor allem unabhängige Produzenten „das Wagnis, zu drehen, nicht länger eingehen können“. In den nächsten Monaten sei deshalb ein „massives Produzentensterben“ zu erwarten, „Arbeitslosigkeit für Filmschaffende und die Vernichtung großer Teile des deutschen Kinos. Die Gesellschaft verlöre damit auf nicht absehbare Zeit einen essenziellen Teil ihres kulturellen Nährbodens.“

          Die Drehbuchautoren und Regisseure dringen auf „Sofortmaßnahmen“. Dabei denken sie vor allem an den fehlenden Versicherungsschutz. Versicherungen und Rückversicherungen träten für das Risiko der Corona-Pandemie nicht ein und böten keine „Lösungsvorschläge für die Filmbranche“, heißt es in dem offenen Brief. Damit sei „jeder Kinofilmdreh eine tickende Zeitbombe“.

          Wie eine Lösung aussehen könnte, erläuterte der Produzent Uli Aselmann, Gründer der in Hamburg ansässigen Firma „die film gmbh“ und stellvertretender Vorsitzender der Produzentenallianz, im Gespräch mit dieser Zeitung. Denkbar sei, so Aselmann, ein „Rettungsschirm“ in Form eines Fonds, in den Bundeskulturbeauftragte und Bundeswirtschaftsministerium, abgesichert durch einen Kredit der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), einzahlen. Doch nicht nur diese seien als Gewährsträger denkbar, sondern auch die Bundesländer, die sich besonders in der Filmförderung engagieren, die zum Bertelsmann-Konzern gehörenden Sender der RTL-Gruppe, Pro Sieben Sat 1 und selbstverständlich auch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF.

          Unterzeichnet ist der Brief an Monika Grütters und Peter Altmaier von 109 Regisseurinnen, Regisseuren, Autorinnen und Autoren, angefangen bei Züli Aladag über Emily Atef, Hans-Christoph Blumenberg, Detlev Buck, Andreas Dresen, Aelrun Goette, Dominik Graf, Nina Grosse, Hermine Huntgeburth, Caroline Link, Vivian Naefe, den Hauptinitiator Kilian Riedhof, Volker Schlöndorff, Til Schweiger, Margarethe von Trotta, Wim Wenders bis zu Soleen Yusef (um nur einige zu nennen).

          Der offene Brief im Wortlaut

          Staatsministerin Professor Monika Grütters
          Platz der Republik 1
          11011 Berlin

          Bundesminister Peter Altmaier
          Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
          11019 Berlin

          Offener Brief
          Zur Lage des deutschen Kinofilms

          Berlin, 08. Mai 2020

          Sehr geehrte Frau Staatsministerin Professor Grütters,
          sehr geehrter Herr Bundesminister Altmaier,

          der deutsche Kinofilm ist in höchster Gefahr!

          Durch die Corona-Krise sind sämtliche deutschen Kino-Produktionen zum Stillstand gekommen. Für die Kinofilmproduktionen, die abgebrochen werden mussten, haben alle Filmförderungen einen Nothilfefonds ins Leben gerufen.

          Für bevorstehende Filme fehlt jedoch jede Absicherung der Produzenten für das Risiko eines Drehstopps durch einen Covid19-Fall.

          Ohne diese Absicherung werden vor allem unabhängige Produzenten das Wagnis zu drehen nicht länger eingehen können. Das bedeutet bereits in den nächsten Monaten massives Produzentensterben, Arbeitslosigkeit für Filmschaffende und die Vernichtung großer Teile des deutschen Kinos. Die Gesellschaft verlöre damit auf nicht absehbare Zeit einen essenziellen Teil ihres kulturellen Nährbodens.

          Wir appellieren deshalb dringend an Sie, Sofortmaßnahmen zu ergreifen.

          Zuvorderst benötigen wir eine Lösung für den fehlenden Versicherungsschutz, um das Risiko zukünftiger Dreharbeiten abzusichern. Die Filmbranche braucht Ihre Unterstützung. Die klassischen Versicherungen und Rückversicherungen haben keine Lösungsvorschläge für die Filmbranche - und damit ist jeder Kinofilmdreh eine tickende Zeitbombe.

          Überzeugende Konzepte wurden seitens der Produzentenverbände entwickelt. Es ist höchste Zeit, diese jetzt umzusetzen.

          Die Pandemie wird uns noch lange begleiten. Auf einen Impfstoff zu warten, wäre fahrlässig. Wir müssen uns umgehend wappnen.
          Bitte handeln Sie jetzt!

          gez.
          Züli Aladag
          Christian Alvart
          Judith Angerbauer
          Anke Apelt
          Mo Asumang
          Emily Atef
          Tobi Baumann
          Martin Behnke
          Edward Berger
          Michel Bergmann
          Marc Blöbaum
          Hans-Christoph Blumenberg
          Bettina Börgerding
          Jan Braren
          Peter F. Bringmann
          Jutta Brückner
          Marc Brummund
          Natja Brunckhorst
          Franziska Buch
          Detlev Buck
          Alex Buresch
          Elisabeth Burghardt
          Ilker Catak
          Stefan Dähnert
          Pepe Danquart
          Christoph Darnstädt
          Matthias Dinter
          Andreas Dresen
          Theresa von Eltz
          Annette Ernst
          Jakob M. Erwa
          Karlheinz Freynik
          Felix Fuchssteiner
          Florian Gallenberger
          Dennis Gansel
          Katrin Gebbe
          Matthias Glasner
          Eberhard Görner
          Aelrun Goette
          Dominik Graf
          Gernot Gricksch
          Wolfgang Groos
          Nina Grosse
          Jörg Grünler
          Heinrich Hadding
          Henk Handloegten
          Felix Hassenfratz
          Jacob Hauptmann
          Julia von Heinz
          Hannes Held
          Kristina Magdalena Henn
          Oliver Hirschbiegel
          Dagmar Hirtz
          Kit Hopkins
          Hermine Huntgeburth
          Vanessa Jopp
          Anna Justice
          Fred Kelemen
          Peter Keller
          Günter Knarr
          Maria Knilli
          Dagmar Knöpfel
          Lutz Konermann
          Christopher Kraus
          Dirk Kummer
          Beate Langmaack
          Tom Lass
          Peter Lichtefeld
          Constantin Lieb
          Caroline Link
          Georg Maas
          Mike Marzuk
          Lars Montag
          Eoin Moore
          Visar Morina
          Vivian Naefe
          Hans Noever
          Hanno Olderdissen
          Zoltan Paul
          René Perraudin
          Esther von Peter
          Kathrin Richter
          Kilian Riedhof
          Julian Rosefeldt
          Stefan Ruzowitzky
          Yasemin Samdereli
          Lena von Saucken
          Anno Saul
          Angela Schanelec
          Volker Schlöndorff
          Hans-Christan Schmid
          Dorothee Schön
          Til Schweiger
          Christian Schwochow
          Ulrike Stephan
          Philipp Stölzl
          Laila Stieler
          Jens Christian Susa
          Peter Timm
          Ruth Toma
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