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Kindernachrichtensendung „logo!“ : Durchblicker vom Dienst

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Alle im Kasten: Die vier ersten „logo“! - Moderatoren Peter Hahne (l.) Barbara Biermann (M.), die heute die Hauptredaktion Kinder und Jugend im ZDF leitet, Dirk Chatelain und Ulrike Angermann Bild: ZDF

Wo kann man sehen, wie eine gute Nachrichtensendung gemacht wird? Im Kinderkanal Kika. „logo!“ macht Abstraktes verständlich und wird auch von Erwachsenen gern gesehen. Seit fünfundzwanzig Jahren.

          Zehn vor acht Uhr abends, „logo!“-Zeit im Kika, dem Kinderkanal von ARD und ZDF. Neujahrsausgabe. Die Kindernachrichtensendung startet übersichtlich und mit breitem Themenspektrum ins Jahr 2014. Wie haben die Menschen auf der ganzen Welt Silvester gefeiert? Feuerwerksbilder aus Berlin, Sydney, Hongkong, Moskau und Dubai. Wie steht es um Michael Schumacher? In vielen E-Mails an die Redaktion, so Moderator Tim, erkundigen sich Kinder, wie es dem einstigen Formel-1-Weltmeister nach seinem schweren Skiunfall gehe. Am Rand der Schumacher-Fotos steht klein „Bilder von früher“ statt „Archivbilder“, „logo!“ zeigt Fans, die Schumi die Treue halten.

          Lettland führt zum 1. Januar den Euro als Währung ein. Warum? Sind alle Letten dafür? Die Karte allerdings, die Lettlands geographische Position „im Osten der Ostsee“ neben Russland zeigen soll, erscheint nicht. Also beschreibt Tim die Lage. Das tägliche Hintergrund-Erklärstück läuft dann wieder wie geschmiert. Eine animierte Graphik zeigt, wie sich die Sowjetunion auflöste, dass Lettland seit 2004 Mitglied der EU ist, sich vom Euro Vorteile etwa beim Warenverkehr erhofft und manche Letten skeptisch bleiben.

          Lettische Kinder kommentieren. Vladislaus, elf, mag das alte Geld lieber. Da gab es Münzen mit Fischen, Lachs und Kühen, sagt er. Zwei Mädchen sind für den Euro. Zwischendurch der Hinweis, für weitere Infos auf logo.de zu klicken. Vierschanzentournee, ein Interview mit der Sängerin Madeline Juno („richtig tolle, gefühlvolle Musik“). Zum Schluss, vor der Wettergraphik, ein Hinweis in eigener Sache. „logo!“ wird am 9. Januar seit genau einem Vierteljahrhundert auf Sendung sein. Jetzt gratulieren jeden Tag Prominente. Dafür muss der Tierwitz nach dem Wetter weichen.

          Davon können sie sich eine Scheibe abschneiden

          Im Nachrichtenmix und -darstellung ist diese beliebig herausgegriffene Sendung ganz „logo!“-typisch. Das Wichtigste vom Tag, verständlich, einprägsam und ohne verstörende, aber auch ohne verharmlosende Bilder präsentiert, das weltpolitische Erklärstück, basal und dennoch so aussagekräftig, dass sich die Erwachsenennachrichten eine Scheibe davon abschneiden können. Sport, Musik, Wetter, am Ende üblicherweise ein Witz. Oft ist ein bisschen Eigen- oder Senderwerbung dabei. Was, wenn nicht einmal mehr die Zehnjährigen „Wetten, dass .. ?“ schauen würden? Also wird über die Kinderwette ausgiebig berichtet. Auch zur ZDF-Markenbindung wird „logo!“ eingesetzt, ein schöner Nebeneffekt für die Verantwortlichen, aber das ist nicht die Kernkompetenz der Sendung.

          Zehn Minuten „logo!“ täglich. Und die Ausgangsfrage: Interessieren sich Kinder für Politik? Nicht, wenn sie abstrakt bleibt. Sehr aber, wenn sie sehen und begreifen können, welche Auswirkungen Politik und Weltgeschehen auf ihre Lebenswirklichkeit haben. Kinder im „logo!“-Alter, also etwa zwischen acht und zwölf Jahren, werden stark bewegt durch Nachrichten von Kriegen und Konflikten, von Katastrophen und Unfällen.

          Die „logo!“-Redaktion und ihre Moderatoren (zurzeit Anja, Jennifer und zweimal Tim) sind sehr geschickt darin, komplexe Fragen in einfachere Teilprobleme zu zerlegen und diese zu veranschaulichen. Eindeutige Antworten gibt es nicht immer, auch das macht die Stärke von „logo!“ aus. Im Schnitt 320 000 Kinder bis zum Alter von dreizehn Jahren wollen die Sendung täglich sehen - während andere Kindersender mit Serien dagegenhalten.

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