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Fußballerin Kim Kulig : Dritte Halbzeit

  • -Aktualisiert am

Fernsehfrisiert: Kim Kulig moderiert die Fifa-Frauen-WM in Kanada für das ZDF Bild: foto2press

Einstieg ins zweite Berufsleben nach der Verletzung: Die Fußballerin Kim Kulig kommentiert die Frauen-WM fürs ZDF. Entwickelt sie vor der Kamera ein ähnliches Talent wie auf dem Platz?

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          Wenn sie über die deutsche Frauenfußballnationalmannschaft spricht, sagt sie immer noch „wir“. Dabei spielt Kim Kulig jetzt auf einer völlig anderen Position: Am Sonntagabend stieg sie bei der Fußball-Übertragung im ZDF als Expertin für die WM in Kanada in ihr zweites Berufsleben ein. Ihr erster Einsatz an der Seite des Moderators Sven Voss brachte den Deutschen Glück: 10:0 endete die Partie gegen die Elfenbeinküste. Ob es sie nicht schmerze, nur noch als Fernsehfrau und nicht mehr als Spielerin dabei zu sein? „Nein“, sagt die 25 Jahre alte Jungmoderatorin, „weil ich zu lange weg bin von diesem Fußballerdasein“.

          Vor vier Jahren wurde Kim Kulig mit ihrem Kreuzbandriss im Viertelfinale der Weltmeisterschaft im eigenen Land zum Sinnbild des deutschen Scheiterns. Deutschland musste sich dem späteren Weltmeister Japan geschlagen geben, und für die Schwäbin begannen quälende Jahre. Viermal wurde sie am rechten Knie operiert. Die Verletzung kostete sie auch die EM 2013 in Schweden. Nur als Touristin mit von der Partie gewesen zu sein, als die Kolleginnen den Titel holten, sei schwer zu schlucken gewesen, sagt sie.

          Ihren vorläufig letzten Comeback-Versuch unternahm die 33-fache Nationalspielerin vom 1. FFC Frankfurt im Januar. Doch nach einigen Testspielminuten wurde das Knie wieder dick. Ob sie überhaupt jemals zurückkehre aufs Feld? „Ich kann die Frage nicht beantworten, weil ich es selbst nicht weiß“, sagt Kim Kulig – und konzentriert sich vorerst auf ihre neue Aufgabe.

          Die Frau mit der zum markanten Knoten geschlungenen Lockenmähne muss erst beweisen, ob sie vor der Kamera ein ähnliches Talent entwickelt wie auf dem Fußballplatz. Ihre ersten Auftritte jedenfalls waren vielversprechend: Kim Kulig wirkt erfrischend. Und dass sie bei einem Besuch bei Rekordnationalspielerin Birgit Prinz das Eis nicht brechen konnte, lag an Birgit Prinz. Strenggenommen tritt Kim Kulig nicht als „Expertin“, sondern als eine „Fachberaterin“ auf, wie es offiziell vom ZDF heißt.

          So steht sie zwar auch neben Voss und analysiert den Spielverlauf, soll aber auch Runden alleine drehen: sich zu Fans schalten lassen etwa oder Spielerinnen treffen. Für Kim Kulig ist es ein Sich-Ausprobieren. Ihr Studium der Innenarchitektur in Darmstadt wartet, die Prüfungen zur Sportfachwirtin ebenfalls. Ihren Ausflug ins Fernsehen, aus dem sich – wer weiß – eine Laufbahn entwickeln könnte, geht sie locker an. Sie schaut, wie sie wirkt. „Ich bin eben keine ausgebildete Moderatorin, ich bin einfach ich.“

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