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„Killing Fields“ : Journalist Sydney Schanberg gestorben

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Sydney Schanberg mit Dith Pran, 1980 in der Redaktion der „New York Times“ Bild: AP

Das Terrorregime der Roten Khmer erlebte er in den Siebzigern aus nächster Nähe. Der Film „The Killinge Fields“ zeigte die Erlebnisse von Sydney Schanberg. Jetzt ist der Journalist im Alter von 82 Jahren gestorben.

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          Als die Roten Khmer im April 1975 Phnom Penh eroberten, hätten sich der „New York Times“-Korrespondent Sydney Schanberg und sein kambodschanischer Kollege, Fotograf und Übersetzer Dith Pran absetzen können. Doch sie blieben. Sie blieben in der Hoffnung, wie Schanberg später sagte, dass die Roten Khmer mit der Eroberung ganz Kambodschas erreicht hätten, was sie wollten, und die Gewalt an diesem fernöstlichen Kriegsschauplatz ein Ende nähme. Das Gegenteil trat ein. Die Roten Khmer errichteten unter Pol Pot ein Terrorregime und ermordeten innerhalb weniger Monate 1,7 bis zwei Millionen Menschen. „Killing Fields“ - mit diesem Begriff ist die Herrschaft der Roten Khmer und auch die Geschichte von Schanberg und Pran verbunden. So heißt der Film von Roland Joffe aus dem Jahr 1984, der auf Schanbergs Schilderungen basiert.

          Der Amerikaner wurde dann doch evakuiert, sein Freund Dith Pran konnte nur seine Familie außer Landes bringen, er selbst landete in einem der gefürchteten Umerziehungslager der Roten Khmer. Er konnte erst flüchten, als die Vietnamesen 1979 dem Regime des Pol Pot ein Ende machten. Schanberg schrieb darüber das Buch „The Death und Life of Dith Pran“, in dem er am Beispiel des Schicksals eines Mannes das Los eines ganzen Volkes schildert.

          1976 erhielt der 1955 in Clinton, Massachusetts geborene Schanberg den Pulitzer-Preis. 1985 verließ er die „New York Times“, weil man dort nach einer Meinungsverschiedenheit seine Kolumne gestrichen hatte, und arbeitete für verschiedene andere Medien. Seinem Freund und Kollegen Dith Pran, der wie vor ihm schon seine Familie nach Amerika auswandern konnte und dort im Jahr 2008 verstarb, hatte Schanberg einen Job bei der „Times“ verschafft. Die Zeitung würdigte Schanberg jetzt als den „fast idealen Korrespondenten“. Er habe mit der „Leidenschaft des Augenzeugen“ berichtet. Seiner Zeugenschaft ist zu verdanken, dass die Welt vom Ausmaß des von den Roten Khmer begangenen Völkermords erfuhr. Am vergangenen Samstag ist Sydney Schanberg im Alter von 82 Jahren in Poughkeepsie, im Bundesstaat New York gestorben.

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