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Kika-Betrugsskandal : 8,2 Millionen Euro hinterzogen

Im Zentrum des Betrugs: Der Kinderkanal Bild: dapd

Es ist der wohl größte Betrugsskandal im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Jahrelang steckte der Produktionschef des Kinderkanals Geld in die eigene Tasche. Man machte es ihm leicht.

          Es ist der wahrscheinlich größte Betrugsskandal im öffentlich-rechtlichen Rundfunk: Über Jahre hat der Produktionsleiter des Kinderkanals Kika in die eigene Tasche gewirtschaftet, Aufträge für Leistungen abgerechnet, die es gar nicht gab. Ende des vergangenen Jahres flog die Sache auf (Millionenschaden für den Kinderkanal: Der Betrug war kinderleicht). Der entstandene Schaden ist noch höher als ursprünglich angenommen. Er beläuft sich auf 8,2 Millionen Euro, wie der Intendant des zuständigen Mitteldeutschen Rundfunks, Udo Reiter, nun sagte. Bis dato war man von einem Schaden von sieben Millionen Euro ausgegangen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Wieso fiel niemandem etwas auf?

          Nun werden personelle und inhaltliche Konsequenzen gezogen – es hatte sich von Beginn an die Frage gestellt, wie der Betrug unentdeckt bleiben konnte. Acht Jahre lang – von 2002 bis 2010 – fiel niemandem etwas auf, fünf Firmen sollen in den Betrug verwickelt gewesen sein.

          Der Intendant Reiter räumte ein, dass es Schwachstellen im Kontrollsystem und eine Mitverantwortung des MDR gebe. Der Verwaltungsdirektor Holger Tanhäuser stelle sein Amt zur Verfügung, ohne dass er ein eigenes Verschulden anerkenne. Der Programmgeschäftsführer des Kika, Steffen Kottkamp, werde wegen mangelnder Ausübung seiner Kontrollfunktion abgemahnt, Fernsehdirektor Wolfgang Vietze ermahnt. Begonnen hatte der Betrug zu Zeiten, zu denen der jetzige Kika-Chef Kottkamp nicht im Amt war, sein Vorgänger Frank Beckmann ist inzwischen NDR-Programmdirektor.

          Der Beschuldigte sitzt in U-Haft

          Gegen vier Mitarbeiter des Kika, teilte der MDR mit, gibt es Anhörungen wegen arbeitsrechtlicher Maßnahmen. Einer Mitarbeiterin soll fristlos gekündigt werden. Künftig soll der Kika organisatorisch enger an den MDR angebunden sein. Der Sender solle einer MDR-Hauptabteilung gleichgestellt werden.

          Der ehemalige Kika-Herstellungsleiter K. sitzt derweil in Untersuchungshaft. „Die enorme kriminelle Energie des Beschuldigten“, meinte MDR-Intendant Reiter, habe „letztlich dazu geführt, dass diese Allianz von Untreue und Betrug für Außenstehende ohne spezifische Fachkenntnisse offenbar kaum zu entlarven war.“ Die jetzige Organisationsreform spricht allerdings dafür, dass es dem Beschuldigten auch systematisch leichtgemacht wurde.

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