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„Kidding“ mit Jim Carrey : Ein Clown kämpft gegen den Tod

Toast statt Trost: In der Serie „Kidding“ kämpft Jim Carrey als Kinderfernsehstar Jeff „Mr. Pickles“ Piccirillo mit existentiellen Problemen. Bild: Showtime

Jim Carrey ist zurück: In der Serie „Kidding“ spielt er einen Kindershowstar, der mit einer existentiellen Krise kämpft. Nah am Schauspieler fressen sich Komik, Trauer und Realität hier gegenseitig auf.

          Man kann sich hegen, pflegen und so achtsam sein, bis der Atem einem wie ein Sturm in den Ohren rauscht. Hilft alles nichts. Es macht die vermeintlich grundlose Wut oft noch viel schlimmer: Mittags hingesetzt, siebenundzwanzig Minuten im Diamantsitz gesessen und tief in den Bauch geatmet; eine Stunde später einen „dämlichen Pfosten“ an der Ampel über drei Spuren hinweg aus vollem Halse angebrüllt, weil er einem vor die Füße läuft. Das ist menschlich. Und doch für einen Teil der Menschheit nur schwer auszuhalten.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Diese Art von Persönlichkeitsdissonanz fasziniert gerade bei Menschen, die oft von Berufswegen Vorbild sein müssen: Politikern, Pfarrern, Ärzten, Lehrern und eben auch Show-Stars, speziell im Genre pädagogische Kinderunterhaltung. Letzterer hat sich der amerikanische Kabelsender „Showtime“ angenommen und eine Serie namens „Kidding“ mit zehn halbstündigen Episoden daraus gemacht. Der Clou: der seit 2011 nur noch sporadisch in abseitigen Filmen auftretende und enigmatisch verschlossene Jim Carrey spielt – wie schon im grandiosen „Vergiss mein nicht“ (2004) unter Regisseur Michel Gondry die Haupt- und seine erste Fernsehrolle seit „In Living Color“ (1990 bis 1994): den Star von „Mr. Pickles’ Puppet Time“, Jeff Piccirillo. Das ist ein anstrengend guter Typ, der kleinen Kindern Wissen und Geborgenheit vermitteln soll und doch selbst nicht mehr weiß, wie das Leben geht. Denn just ist Philip, einer seiner Zwilligssöhne, durch eine defekte Ampel bei einem Autounfall ums Lebens gekommen.

          Um den freundlichen „Mr. Rogers“, den Star der halbstündigen Kindersendung „Mister Rogers’ Neighborhood“, die von 1968 bis 2001 im amerikanischen Fernsehen lief und das reale Vorbild für „Kidding“ ist, ranken sich Gerüchte, die seine klavierbegleitete Strickjackenfreundlichkeit als Verschleierung finsterster Abgründe zu entlarven versuchen. Die Vorstellung des Bruchs mit dem Konstrukt auf dem Schirm ist ja auch zu schön: Der geliebte Kinderstar, ein tödlicher Scharfschütze im Vietnam-Krieg, der seine auf die Arme tätowierte Todesliste unter seinen langärmeligen Oberteilen versteckt.

          Das Gesicht ist zwar noch elastisch, aber merklich gezeichnet

          Nichts davon ist belegt. Doch existentielle Krisen dürfte auch Fred Rogers durchgemacht haben. Oft aber versuchte er den anderen durch ebensolche zu helfen: Als der Präsidentschaftskandidat Robert F. Kennedy im Juni 1968 erschossen wurde, gestaltete Rogers eine Spezialsendung, um seinen jungen Zuschauern beizustehen. Desgleichen tat er nach dem 11. September 2001. Er widmete sich Themen wie Krankheit, Rassismus und Scheidung.

          Mit all diesen Dingen – einige Gerüchte nimmt die Serie spielerisch auf – sieht sich auch Mr. Pickles konfrontiert: der große Schlaks, der im weißen Kurzarmhemd, in dunkelblauem Pullunder, mit dunkelgrüner Krawatte und dem schulterlangen braunen Schopf, der genauso hängt wie seine schmalen Schultern, daherkommt, wie ein depressiver Musiklehrer – mitsamt einem, also Carreys Gesicht, das zwar immer noch elastisch, aber merklich gezeichnet ist, nicht nur durch die Maske.

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