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Kerkelings TV-Geburtstag : Zu hurz geraten

  • -Aktualisiert am

Feierbiest: Hape Kerkeling hat sein eigenes Fernsehballett. Bild: ZDF/Oliver Vaccaro

Er wollte keine Geburtstagsshow zum Fünfzigsten. Aber das Nicht-Feiern nahm Hape Kerkeling dann doch selbst in die Hand – in einer fiktiven Show. Kann das gut gehen?

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          Du“, sagt Hape Kerkeling, der vor der lästigen Öffentlichkeit, die ihn zum 50.Geburtstag dauernd mit Anfragen behelligt, auf eine Kuhweide in Oberschöneweide geflohen ist, wo nur der Fernsehturm in der Ferne an die Nähe Berlins erinnert, „du, nicht dass die vom ZDF irgendso ’ne Gala für mich planen, und du bist der Lockvogel.“ – „Nein, Quatsch“, antwortet am anderen Ende der Telefonleitung Barbara Schöneberger, die im Friedrichsstadtpalast die Überraschungsgala für Kerkeling plant und der Lockvogel ist. „Wir machen hier heute die hässlichsten Deutschen. Mit Kerner. Also, der moderiert das.“

          Das ist die fiktive Rahmenhandlung für die Geburtstagsshow von Hape Kerkeling, die keine Geburtstagsshow sein soll. Kerkeling spielt nicht nur sich selbst, sondern auch seinen schmierigen, versoffenen Manager, den fiesen, überheblichen Regisseur der Show und eine sehr blonde, sehr patriciariekelhafte Boulevardjournalistinnentante, die im Umfeld der Sendung endlich mal herauskriegen will, wie Kerkeling privat so ist.

          Der Wink mit dem Vorschlaghammer

          Es passiert dann, was so passiert in solchen Nicht-Shows. Missverständnisse stapeln sich auf Katastrophen, der Regisseur beschimpft die Schöneberger („Himmel, da hat der Herrgott wirklich die ganze Arbeit ins Dekolleté gelegt“), die zwischenzeitlich in einem Rauschgoldengelkleid in der Luft hängend vergessen wird, zwei Dschungelkönige und Horst Schlämmer spielen halb selbstironisch sich selbst als traurige ungeliebte B-Promis. Die Boulevardjournalistinnentante fragt die Schöneberger, ob Kerkeling gar keinen „Dumbo“ gewinnen will, den Preis, den ihre Illustrierte vergibt, und die Schöneberger antwortet: „Ich dachte, dafür muss man Sektenführer sein oder Clanboss“, aber damit haben sich die schönen Boshaftigkeiten auch schon fast.

          Hape Kerkeling (mit Barbara Schönberger) als Hapes zwielichtiger Manager, der seine eigene Nicht-Geburtstagsshow organisiert.

          Micky Beisenherz hat das geschrieben, einer der RTL-Dschungelshow-Autoren, der auch selbst in einer Nebenrolle als Assistent auftritt. Das Problem ist nicht so sehr, dass die ganze Witzmechanik schon ziemlich ausgeleiert ist, sondern die Inszenierung: Jede Pointe kommt schon von weitem wild winkend ins Bild, nimmt dann Anlauf und bleibt am Ende sicherheitshalber noch eine Weile grimassierend stehen, bis sie auch ganz sicher von jedem erkannt wurde. Behäbig und betulich wirkt das Ganze.

          Weder Pauken noch Trompeten

          Dokumentarteile unterbrechen die Spielhandlung, in denen Gero von Boehm Kerkeling an wichtige Orte seines Lebens begleitet: zum Laden seiner Oma Änne, wo er die Kindheit verbrachte, in den Garten hinter dem Haus seiner Eltern, in seine zweite Heimat Italien, nach Santiago de Compostela ans Ende des Jakobswegs. Hier erzählt Kerkeling Boehm zumeist, was er schon viele Male erzählt hat, und man merkt, dass er es schon viele Male erzählt hat. Die Geschichten wirken nicht lebendig, sondern aufgesagt, wie eine Pflichtübung. Mit seiner Schwester und Stiefmutter blättert er brav im Fotoalbum. Er trifft nach 32 Jahren das erste Mal die Mitglieder seiner Theatergruppe wieder, alle freuen sich, dass er noch ihre Namen weiß, und er sagt, wie viel er damals gelernt habe, auch übers Regieführen, und der Zuschauer sitzt davor und denkt sich: aha.

          Als dritte Ebene in dieser Nicht-Geburtstagsshow gibt es dann natürlich noch einmal die falsche Beatrix vor dem Bellevue zu sehen, Kerkelings ersten Auftritt im „Talentschuppen“, seinen Siegfried Schwäbli als nervigen Gameshow-Kandidaten, die großen Momente als Glückshase neben Heinz Schenk in „Kein Pardon“.

          Was bleibt, ist das Gefühl, dass Kerkeling wirklich keine Lust hatte, seinen Geburtstag im Fernsehen zu feiern, und das fühlt sich besonders unglücklich an, weil er sich nach diesem Jubiläum ja weitgehend zurückziehen will aus dem Medium. Man wünschte sich, es wäre tatsächlich die große Gala geworden, die hier nur als Parodie angedeutet wird: mit großen, absurden Auftritten und dem legendären „Hurz“ in einer Version fürs Fernsehballett. Das wär’s gewesen. Das hätte es sein können. Schade.

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