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Kennedy-Mord : Vor und nach dem Attentat: JFK, ein neuer Schmalfilm

  • -Aktualisiert am

Bild: The Sixth Floor Museum

Amerikas Verschwörungstheoretiker sind schon wieder schwerstbeschäftigt. Ein neu veröffentlichter Film, der kurz vor dem Attentat auf Präsident Kennedy in Dallas gedreht wurde, hat die Phantasien entfacht.

          Amerikas Verschwörungstheoretiker sind schon wieder schwerstbeschäftigt. Ein neu veröffentlichter Film, der kurz vor dem Kennedy-Attentat gedreht wurde, hat abermals Phantasien entfacht, die sich jetzt im Internet noch ungehemmter austoben als zu einer Zeit, als Abraham Zapruder oder Oliver Stone die Bilder lieferten. Was ist passiert? Aufgetaucht und auf der Website des Sixth Floor Museum in Dallas anzuklicken sind vierzig Sekunden Film, die weniger als neunzig Sekunden vor dem ersten Schuss und am folgenden Tag gedreht wurden. Das Attentat findet auf diesem Farbfilmschnipsel nicht statt.

          Zu sehen sind fröhlich wuselnde Menschen, der sich nähernde Präsidentenkonvoi, dann Jackie Kennedy, ganz nah, aber auch mit ihrem Strahlen und Winken hat sie nun nicht mehr Interesse erregt als der Secret-Service-Mann Clint Hill, der sich im Hintergrund reckt. Weitaus aufregender will der verschwörungsanfälligen Gemeinde das Jackett erscheinen, das sich im Nacken des Präsidenten sanft, aber unübersehbar bauscht. Was genügt, uralte Spekulationen über die Einschusswunden im Körper, die angeblich nicht mit den Kugellöchern in der Anzugsjacke übereinstimmen, neu zu beleben. Das bauschige Jackett wäre eine Erklärung für die Diskrepanz.

          Jeder Millimeter zählt

          Aufgenommen wurde der 8mm-Film von einem gewissen George Jefferies, der nicht glaubte, etwas Aufsehenerregendes im Kasten zu haben, bis ihn jetzt, fünf Jahrzehnte nach dem Attentat, sein Schwiegersohn Wayne Graham animierte, damit doch einmal im Sixth Floor Museum in Dallas vorzusprechen. Dort, im sechsten Stock des Texas School Book Depository, des längst notorischen Gebäudes, aus dem Lee Harvey Oswald am 22. November 1963 allein oder auch nicht allein die tödlichen Schüsse abgegeben hat, nahm man den Film dankbar entgegen und wartete auf einen möglichst günstigen Termin, ihn der Öffentlichkeit vorzustellen.

          Die Kennedys, gefilmt von George Jefferies

          Der President's Day, wenn Amerikaner zu Ehre ihrer Präsidenten einen Feiertag einlegen, schien den Museumsleuten offenbar ideal für die Filmpremiere. Gary Mack, Kurator des Museums und ausgewiesener Attentatsexperte, hat das 40-Sekunden-Ereignis obendrein zum Anlass genommen, alle Amateurfotografen und -filmer noch einmal inständig darauf hinzuweisen, dass jeder belichtete Zelluloidmillimeter von damals neue Einsichten bringen könnte. 150.000 Schaulustige, heißt es, hätten dem Präsidenten zugejubelt. Bis zur nächsten JFK-Schmalfilmentdeckung kann es also gar nicht mehr lange dauern.

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