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Videospiel „Battlefield V“ : Das sind keine Zinnsoldaten mehr

  • -Aktualisiert am

Himmelfahrtskommando: Als Teil einer deutschen Panzerbesatzung macht sich der Spieler im „Tiger“ auf den Weg ins sinnlose Gefecht. Bild: EA

In dieser Maschinerie hat der Mensch keine Chance: „Battlefield V“ ahmt die Schlachtfelder des Zweiten Weltkriegs nach, auch aus deutscher Perspektive.

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          Mit der Nächstenliebe ist es nicht weit her. Es herrscht Krieg. Gestern zum Beispiel, im Küstengebirge bei Narvik: Da lagen wir verletzt im Schnee, am Himmel dröhnten Flugzeuge, hinter den Felsen formierten sich die Gegner – aber trotz wiederholter Hilferufe, hielt es nicht einer unserer Kameraden für nötig, uns mit der Notfall-Spritze zu versorgen. Nicht beim ersten Mal, als die Kugeln uns trafen. Nicht beim zweiten, dritten, vierten und fünften Versuch, den der Mehrspieler-Modus des Kriegsspiels „Battlefield V“ gestattet. Erst nach einer ganzen Weile erhörte man unsere Bitte.

          Immerhin endlose Wiedergeburt, welchem echten Soldaten ist das schon vergönnt? Doch immer wieder führt sie hinein in das virtuelle Echo längst geschlagener Schlachten. Die jüngste Ausgabe des Videospiels „Battlefield“ liegt in den Konsolen: das ohrenbetäubende, von einem Heer tapferer Polygon-Kulissenbauer auf den Bildschirm projizierte Pendant zu Paintball- und Lasertag-Schlachten in Wäldern und Hallen.

          Hier kämpft der Couchkrieger, den der Computer einer von zwei verfeindeten Kriegsparteien zuteilt, im Multiplayer-Modus Online gegen andere Spieler. Im Modus „Eroberung“ etwa: Die eine Gruppe nimmt eine Fahnenstange ein, die andere erobert sie mit Gewehren, Granaten und Panzern wieder zurück, und zwar an mehreren Orten der virtuellen Karte gleichzeitig. Bis ein Team, zu dem eben theoretisch auch Sanitäter zählen, die Oberhand hat.

          Solche Shooter brachten das Computerspiel lange in Verruf

          Im Unterschied zum letzten „Battlefield“, das in den Ersten Weltkrieg führte, kehrt der Spieler nun wieder dorthin zurück, wo 2002 die von der schwedischen Firma Digital Illusion (DICE) entwickelte Kriegsspiel-Serie aus Ego-Perspektive auf historischen Schlachtfeldern begann – in den Zweiten Weltkrieg. Solche Shooter brachten das Computerspiel lange in Verruf. Noch dazu, wenn sie sich mit grausam-realen Ereignissen beschäftigen, deren Wunden noch lange nicht verheilt sind. Aber wie sind diese Spiele heute gestaltet?

          Einen echten Krieg möchte man danach noch viel weniger erleben. Auf den Schlachtfeldern – neben der vereisten Trasse der aus Schweden zum Atlantik gezogenen Erzbahn von Narvik zum Beispiel, in den Feldern bei Arras, in der Ödnis des Halfayapasses oder den Ruinen von Rotterdam – überlebt der mäßig erfahrene Spieler zunächst, wenn überhaupt, nur Minuten. Mal treffen die Kugeln aus dem Nichts. Mal läuft man dem Maschinengewehrfeuer entgegen. Man mag und kann sich die Wirklichkeit kaum ausmalen. Dieser Krieg mag eine Spielhölle sein, in der man teuflischen Spaß haben darf. Aber er bleibt eine Hölle.

          Das gilt auch für den Story-Modus des Spiels, der aus sogenannten „War Stories“ besteht. Anders als beim Wettbewerber „Call of Duty“, der 2017 die Geschichte eines amerikanischen Soldaten von der Landung in der Normandie bis zur Befreiung eines Außenlagers des KZ Buchenwald in Berga erzählte, handelt es sich nicht um eine durchgehende Erzählung, sondern wie bei „Battlefield 1“ um kleine, unverbundene, an Einzelschicksale im Schlachtengemälde erinnernde Kurzgeschichten. Man kennt das Format von den Anthologie-Serien im Fernsehen. Es passt hier. Denn die meisten Spieler schalten nicht wegen der Geschichten ein, sondern für den Mehrspieler-Modus. Dafür fehlt vielen die Geduld.

          Keine Angst vorm Fliegen: Auch als Kampfpilot ist der Spieler in „Battlefield“ unterwegs.

          In der ersten dieser Kurzgeschichten, in denen man gegen Computergegner antritt, schlüpfen wir in die Haut eines britischen Bankräubers. Ihm wird 1942 als Alternative zum Knast die Teilnahme an einem Himmelfahrtskommando in Nordafrika angeboten. Fast im Alleingang zerlegt er ein deutsches Flugzeugdepot, um danach noch rasch einige Flieger vom Himmel zu holen. Das könnte auch ein Action-Streifen aus den Neunzigern sein.

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