https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/keine-pressefreiheit-beim-finale-der-europa-league-in-baku-16203026.html

Europa-League-Endspiel : Die Presse im Abseits

Der falsche Ort für das Endspiel? Aserbaidschans Hauptstadt Baku. Bild: EPA

Die Europäische Fußball-Union nimmt zum Endspiel der Europa League in Aserbaidschans Hauptstadt Baku die Unterdrückung der Pressefreiheit einfach hin. Hat die Uefa den falschen Ort für das Finale gewählt?

          2 Min.

          Die Europäische Fußball-Union Uefa passt sich bei der Vorbereitung auf das am kommenden Mittwoch in Aserbaidschans Hauptstadt Baku stattfindende Finale ihrer Europa League den örtlichen Usancen im Umgang mit der Pressefreiheit an. Für das am ölreichen Kaspischen Meer ausgetragene Londoner Derby zwischen Arsenal und Chelsea hatte sich auch der Fotojournalist Aziz Karimow akkreditiert im Namen der Nachrichtenagentur Turan. Eine entsprechende Bestätigung verschickte die Uefa am 15. Mai, wie Karimow der FAZ in einer E-Mail bestätigte.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Danach kamen die Sicherheitsbehörden ins Spiel, die der 1990 im Zuge der Liberalisierung der späten Sowjetjahre gegründeten Turan News Agency seit Jahren die Arbeit erschweren. Turan, dessen Direktor Mehman Alijew, nicht verwandt mit Präsident Ilham Alijew, 2017 verhaftet wurde, rühmt sich, die letzte unabhängige Nachrichtenagentur im seit Jahrzehnten vom Alijew-Clan regierten Aserbaidschan zu sein. Dessen Umgang mit Journalisten ist berüchtigt. Die massive Gängelung der Medien und zahlreiche Verhaftungen von Dissidenten, Oppositionellen und Journalisten haben dazu geführt, dass sich das Land im Pressefreiheitsranking von „Reporter ohne Grenzen“ mittlerweile auf Platz 166 von 180 aufgeführten Staaten findet. Kein anderes Land im Zuständigkeitsbereich der Uefa steht schlechter da.

          Aziz Karimow bekam am 18. Mai weitere Post von der Uefa, nunmehr unerfreulicher Art. Eine Überprüfung der Akkreditierung durch die örtliche Polizei habe zur Ablehnung seines Akkreditierungsbegehrs geführt. „Wir kennen die Begründung für die Entscheidung nicht, und es gibt nichts, was wir tun können, um einzuschreiten. Wir danken für Ihr Verständnis“, heißt es im Schreiben der Uefa.

          Die Uefa hätte gewarnt sein können

          Aziz Karimow schreibt, er sei wenig überrascht, ähnlich – erteilte Akkreditierung von den Behörden gestrichen – sei es ihm auch schon mit der Formel 1 ergangen. Die tritt seit 2016 in Baku an, auch unter den Augen der Mitarbeiter der Staatssicherheit an den Zugangsschranken. 2015 bereits hatte Baku die Premiere der European Games ausgetragen, milliardenteures Kontinental-Olympia von überschaubarem sportlichen Wert, dessen Wettkämpfe nur spärlich besucht wurden.

          Gleichwohl wurde Owen Gibson vom Londoner „Guardian“ die Einreise verweigert, nachdem er die Ausrichtung der Sportveranstaltung als Befriedigung persönlicher Eitel- wie Begehrlichkeiten der Elite – Machthaber Ilham Alijew ist zugleich Präsident des aserbaidschanischen olympischen Komitees – dargestellt und das frappierende Missverhältnis zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten vieler Aserbaidschaner aufgezeigt hatte. Das Europäische Olympische Komitee nahm den Umgang mit Gibson bedauernd zur Kenntnis und verlieh einige Monate später der Präsidentengattin Mehriban Alijewa einen Verdienstorden.

          Die Uefa hätte also gewarnt sein können. Die Frage, wie sie sich auf die bekannte Unterdrückung der Pressefreiheit in Aserbaidschan eingestellt habe, sowie alle weiteren Fragen dieser Zeitung zum Fall Karimow hat der Fußballverband bislang nicht beantwortet. Im kommenden Jahr finden drei Gruppenspiele und ein Viertelfinale der Fußball-Europameisterschaft in Baku statt. Hauptsponsor der EM ist die staatliche aserbaidschanische Ölgesellschaft Socar.

          Weitere Themen

          Ein Baum von Hitler

          Für Gold bei Olympia 1936 : Ein Baum von Hitler

          Als Cornelius Johnson 1936 in Berlin eine Goldmedaille gewann, schenkten ihm die Nazis eine Eiche. Sie steht noch heute in Los Angeles und ist ein Symbolort des Triumphs über weißen Rassenhass. Ein Besuch.

          Topmeldungen

          Armes reiches Sylt : Die da oben

          Komisch, wenn das, was mal Heimat war, auf einmal Luxus ist. Zum Beispiel auf Sylt. Ein Tag am nördlichsten Punkt Deutschlands.
          Blick auf den Rhein bei Orsoy

          Not durch tiefe Pegelstände : „Wir sind der system­relevante Riese“

          Die Rheinpegel sind mittlerweile so gefallen, dass mitten in der Energiekrise weniger Kohle verschifft werden kann. Das Niedrigwasser legt auch die jahrzehntelangen Versäumnisse im Wasserstraßenbau offen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.