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Keine Einigung zwischen Youtube und Gema : Acht Prozent auf alles

  • -Aktualisiert am

Die andauernden Sperrungen von Videos verhindern auch, dass neue Geschäftsmodelle getestet werden können. Bild: dapd

Im Streit zwischen Youtube und Gema ist nach wie vor kein Konsens gefunden. Darunter leiden vor allem Künstler und Nutzer, aber eben auch Youtube selbst.

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          Im Streit zwischen der deutschen Rechteverwertungsgesellschaft Gema und der amerikanischen Videoplattform Youtube geht es nicht nur ums Geld. Der Konflikt hat darin nur seinen Anfang. So will Youtube nicht nur die von der Gema geforderten 0,375 Cent pro Videoabruf nicht zahlen, sondern verweigert grundsätzlich die Zahlung nach Anzahl der Aufrufe eines Videos. Stattdessen bietet Youtube der Gema eine Regelvergütung von acht Prozent des Werbeerlöses an.

          „Eine Zahlung pro View machen wir grundsätzlich nicht, weil es nicht unserem Geschäftsmodell entspricht“, heißt es auf Anfrage dieser Zeitung bei Youtube. Das Abrechnungsmodell, das die Gema vorschlägt, entspreche bestehenden Vereinbarungen mit Musikverkäufern wie dem iTunes-Store von Apple, der seinerseits per Klick Umsatz und Gewinn erwirtschaftet. Das auf Werbeeinblendungen basierende Modell von Youtube widerspreche aber diesem Prinzip. Die von Youtube angebotene Regelvergütung orientiere sich an Umsatz und Erlös in einer bestimmten Zeit, ohne dass die jeweilige Höhe vorausgesagt oder pauschal festgelegt werden könne. In vierzig Ländern habe man sich mit Rechteverwertungsgesellschaften, teilweise mit mehreren in einem Land, auf derartige Regelvergütungen geeinigt. Nur in Deutschland habe man sich gegen die Gema nicht durchsetzen können.

          Drei Verlierergruppen

          Die deswegen andauernden Sperrungen von Videos verhindern auch, dass neue Geschäftsmodelle getestet werden können. In einigen Ländern arbeitet Youtube mit dem Verfahren der Content-ID, mit dem Videos grundsätzlich freigegeben werden und bei dem die Künstler erst später entscheiden, wie sie mit möglicher Popularität einzelner Videos umgehen. So können Videos individuell gesperrt oder überall frei gezeigt werden, je nachdem, ob ein Anspruch auf Vergütung oder ein Wunsch nach Reichweite höher bewertet wird. In Deutschland hinterlässt die pauschale Sperrung der Videos derweil drei Verlierergruppen: Weder die Künstler und Youtube verdienen mit Musik bei Youtube Geld, noch können deutsche Internetnutzer per Youtube an der reichhaltigen neuen Kulturlandschaft teilhaben. Mehr als die Hälfte der tausend beliebtesten Internetvideos bleiben den deutschen Youtubenutzern derzeit verschlossen.

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