https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/katrin-vernau-vom-wdr-ist-kandidatin-fuer-die-rbb-intendantenwahl-18296657.html

Katrin Vernau vom WDR : Beim RBB soll eine Anti-Schlesinger Chefin werden

Katrin Vernau Bild: WDR/Annika Fußwinkel

Die WDR-Verwaltungsdirektorin Katrin Vernau ist als Kandidatin für die Intendantenwahl im RBB gesetzt. Wird sie gewählt, hat das ganz besonderen ARD-Charme. Aber warum steht nur sie zur Wahl?

          4 Min.

          Folgt man den in dieser Causa für gewöhnlich gut unterrichteten Berliner Kreisen, bekommt der Krisensender RBB nach der fristlos entlassenen Intendantin Patricia Schlesinger eine – Intendantin. Die Findungskommission hat Katrin Vernau als Kan­didatin ausgeguckt und wird diese dem Rundfunkrat zur Wahl vorschlagen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Katrin Vernau, 49 Jahre alt, ist seit 2015 Verwaltungsdirektorin des Westdeutschen Rundfunks. Zuvor war sie Partnerin bei der Unternehmensberatung Roland Berger und Kanzlerin an den Universitäten Ulm und Hamburg. Der da­malige SPD-Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg, Nils Schmid, hatte sie 2011 als Aspirantin für das Forschungsministerium in sein Schattenkabinett aufgenommen.

          Sie kommt ausgerechnet vom WDR

          Mit Vernau als Interimsintendantin für ein Jahr schlüge der Rundfunkrat die Empfehlung aus, jemanden von außen mit den Aufräumarbeiten beim RBB zu betrauen. Dass sie die ARD gut kennt, gereicht Katrin Vernau freilich zum Vorteil. Ein wenig pikant ist, dass sie vom WDR zum RBB wechselt. Der WDR-Intendant und amtierende ARD-Vorsitzende Tom Buhrow war derjenige, der namens der übrigen Intendantinnen und Intendanten verkündet hatte, man habe in die Geschäftsleitung des RBB kein Vertrauen mehr. Das war eine in­direkte Aufforderung zum Rücktritt an die Senderspitze, die, wie man inzwischen weiß, samt und sonders von dem umstrittenen, unter Schlesinger verfeinerten Bonussystem profitierte. Insgesamt 40 Mitarbeiter mit Gehältern jenseits der Tarifbindung finden sich beim RBB, der bei freien Mitarbeitern, mehr noch als andere ARD-Sender, radikal sparte, während in den oberen Etagen das Füllhorn ausgeschüttet wurde.

          Patricia Schlesinger, Ex-Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB).
          Patricia Schlesinger, Ex-Intendantin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB). : Bild: dpa

          Für Katrin Vernau dürfte aber vor allem sprechen, dass sie sich ARD-intern als An­tipodin von Patricia Schlesinger einen Na­men gemacht hat. Schlesingers Finanzaspirationen waren nämlich, wie es aus gut unterrichteten Kreisen heißt, nicht auf den RBB beschränkt. In ihrer Eigenschaft als ARD-Vorsitzende wollte Schlesinger an­geblich an für Gemeinschaftsaufgaben vorgesehene Positionen und an das Geld an­derer ARD-Sender heran. Die Finanz- und Verwaltungschefs stieß sie damit massiv vor den Kopf. Insbesondere bei Katrin Vernau biss Schlesinger auf Granit. Würde Vernau nun zur Interimsintendantin des RBB gewählt, hätte das ganz besonderen – fachlichen und ARD-internen – Charme.

          Warum nicht mehrere Kandidaten?

          Die Wahl findet am Mittwoch von 16 Uhr an unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Das behagt dem Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbands Berlin – JVBB, Steffen Grimberg, nicht. „Aufgrund der besonderen Lage beim RBB“ unterstütze man „den von Po­litik, Gremien und den Vertretungen der Mitarbeitenden beschrittenen Weg, über eine Findungskommission geeignete Persönlichkeiten vorzuschlagen“. Doch sei die Findungskommission „nur Mittel zum Zweck. Wichtigstes Gremium ist und bleibt der Rundfunkrat, der die Intendantin beziehungsweise den Intendanten auf Zeit wählt“. Aus dem Rundfunkrat sei „verstärkt Kritik an dem Verfahren“ zu hören, vor allem am Um­gang mit den aus dem Rundfunkrat stammenden Vorschlägen für Kandidatinnen und Kandidaten. „Wenn von der Findungskommission nur eine Person vorgeschlagen werden soll, müssen wir uns schon die Frage stellen, was das für eine ‚Wahl‘ ist“, so Grimberg. Die Vertretung der Redakteure und der Freien im RBB übt ebenfalls Kritik. Vonnöten sei eine echte Wahl mit mehreren Kandidaten. Rundfunkratschef Dieter Pienkny sagte, man halte am Verfahren fest. Am Dienstagabend sollte es eine Videoschalte mit den Rundfunkräten geben, um den Meinungsbildungsprozess zu intensivieren. Der Findungskommission gehören Pienkny, die Vorsitzende des Verwaltungsrats, Dorette König, die Personalratsvorsitzende Sabine Jauer und die Vorsitzende der Freienvertretung, Dagmar Bednarek, an. Letztere kritisierte sich gewissermaßen selbst. Sie stoße sich an dem Verfahren, stelle sich aber nicht ge­gen die Kandidatin, so Bednarek.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Umgang mit Krisen : Wie wir in düsteren Zeiten Hoffnung finden

          Krieg, Klimawandel, Pandemie, Inflation, Energiekrise – und nun kommt die schwerste Jahreszeit. Wie hält man das durch? Wir haben Menschen gesprochen, die das schaffen, trotz allem.
          Putin mit den Müttern von Kämpfern

          Putin trifft Mütter : Lieber Heldentod als Verkehrsunfall

          Um auf Kritik zu reagieren, arrangiert der Kreml ein Treffen mit ausgewählten Müttern von Kämpfern. Ihnen erzählt der Präsident, wie gut es sei, für die Heimat zu sterben statt durch Alkohol oder einen Unfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.