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Katja Riemann : Alle sind verrückt geworden

  • -Aktualisiert am

Ein blonder Lockenkopf bringt alles durcheinander: Katja Riemann in „DAS!“ Bild: NDR

Katja Riemanns angeblich skandalöser Auftritt in der NDR-Sendung „DAS!“ zeigt nur, welch stumpfe Freundlichkeit wir inzwischen von Stars im Fernsehen erwarten.

          So. Katja Riemann war also in dieser Sendung namens „DAS!“, die jedem beim ganz schnell Weiterzappen schon mal untergekommen sein dürfte. Da wird das gefühlt stundenlange Programm damit bestritten, dass irgendein prominenter Gast neben dem Moderator oder der Moderatorin sitzen muss und, so ist das wahrscheinlich gedacht, freundlich die ganzen bescheuerten Einspielfilmchen über sich ergehen lässt, die, weil es eine NDR-Sendung ist, alle verkrampft etwas mit dem Norden Deutschlands zu tun haben, um in den Pausen zwischen den Einspielfilmchen dann Werbung machen zu dürfen, für was auch immer er gerade zu bewerben hat. Das ist die Vereinbarung. Und so hat es der Zuschauer gelernt: „DAS!“, das ist diese unfassbar langweilige Sendung, zu der es sich so faszinierend bügeln lässt. Oder irgendwie so.

          Einmal wurde die Ruhe gestört, als Jenny Elvers ausgerechnet in dieser Sendung so sternhagelvoll auf dem unausweichlichen roten Sofa saß, dass es nicht einmal die Moderatorin vertuschen konnte, obwohl sie stur weiter vor sich hin moderierte, als sei nichts Besonderes los. Aber auch dieser Auftritt hatte sich bald versendet im ewig gleichen Fernseh-Einheitsbrei, und „DAS!“ lief genauso stumpf weiter wie vorher.

          Mit demonstrativ verschränkten Armen saß sie da

          Und nun also Katja Riemann. Angeblich, das hat man überall so lesen können, hat sie sich schlimm danebenbenommen. Ein „bizarrer Auftritt“ sei das gewesen, ein „Nörgel-Interview“, sie sei „gelangweilt“ gewesen, habe sich „spektakulär danebenbenommen“. Einhellig, wie neuerdings so oft, schrie Deutschland auf: Skandal!

          Ich habe mir die Sendung, da ich diese Sendung nicht gucke, nur in einem elfminütigen Zusammenschnitt im Internet angesehen, das allein aus Riemanns Redebeiträgen bestand. Ich habe dort nicht gesehen, dass sich Katja Riemann in irgendeiner Form danebenbenommen hätte. Sie hat sich nur nicht an die Vereinbarung gehalten, die da lautet: Wir bei „DAS!“ (und bestimmt nicht nur hier) machen vollverblödetes Fernsehen für all die vollverblödeten Leute, die sich das ansehen. Sie hat allen Ernstes versucht, dem Moderator als Mensch zu begegnen, stillschweigend voraussetzend, dass er sein Gehirn nicht an der NDR-Garderobe abgegeben hat. Dass das in der Außenwirkung wahrgenommen wird, als habe sie sich eben „spektakulär danebenbenommen“, zeigt nur, wie abgestumpft wir alle inzwischen geworden sind, die wir finden, jaja, ein „Star“, oder was wir dafür halten, habe sich gleichbleibend freundlich und möglichst stets lächelnd all diesen absurden Situationen auszusetzen, denen die Medien sie aussetzen.

          Während eines Fernsehinterviews die Arme zu verschränken etwa, wie Katja Riemann es sträflicherweise während ihres „DAS!“-Gesprächs tat, wird als „demonstrativ verschränkte Arme“ gewertet und damit als schwerer und mit kollektivem Hass zu ahndender Regelverstoß.

          Die Unfassbarkeit natürlicher Haare

          Dabei gäbe es ja Gründe für Zorn. Allerdings müsste der sich in diesem speziellen Fall, wenn alle noch klar denken könnten, gegen den Moderator dieser Sendung richten, einen mir bis dahin vollkommen unbekannten Mann namens Hinnerk Baumgarten. Entweder dieser ist von Natur aus selten dämlich, was natürlich bedauernswert, aber zumindest entschuldbar wäre, oder aber er ist bereits komplett deformiert von seiner Arbeit als Moderator im deutschen Fernsehen.

          Das Einzige, was ihn an seinem Gast zu interessieren schien, wo er einmal eine fast menschliche Regung zeigte, waren die „blonden Locken“ der Schauspielerin. Selten jemand gesehen, der so erleichtert war, dass jemand wieder seine Naturhaarfarbe hatte, wie Riemann bei ihrem Studiobesuch, und nicht weiterhin, wie im zu bewerbenden Film, braunhaarig war, was sich der blonde Baumgarten gar nicht erklären konnte, wie das denn eigentlich gemacht worden sei. Riemanns Antwort, es sei eine Perücke gewesen, relativ normal für ihren Beruf (fällt in den Arbeitsbereich „Maske“, Herr Baumgarten), schien ihn gleichzeitig zu irritieren und außerhalb seiner Vorstellungskraft zu liegen, weshalb er sofort tapfer weitermoderierte, als gelte es, angesichts dieser Unglaublichkeit nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

          Als Nächstes konfrontierte er Riemann mit der Nachricht, dass deren Kollegin Rosemarie Fendel gestorben sei. Riemann schien das erst da erfahren zu haben, schien mitgenommen, rang um Worte. Darauf konnte Baumgarten aber nicht eingehen, denn er kann offensichtlich auf gar nichts eingehen: Hat man ihn einmal eingeschaltet, dann läuft er. Und läuft und läuft und läuft.

          Ein Einspielfilm, in dem eine ehemalige Lehrerin von Riemann erzählte, wie der „blonde Lockenkopf“ als Kind gewesen sei, war der davon überraschten Riemann auf Nachfrage „wahnsinnig peinlich“. Verständlicherweise! Doch Baumgarten konnte das nicht verstehen. Denn er kann offensichtlich nichts verstehen. Außer, dass er auf Sendung ist, was heißt, dass er mit einem Gast ein Gespräch zu simulieren hat, in dem alles, was menschlich oder ehrlich ist, stört.

          Vielleicht sollte „DAS!“ in Zukunft zwischen den Einspielfilmchen besser einen Zimmerspringbrunnen laufen lassen.

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