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Karola Wille MDR-Intendantin : Der Boss ist eine Dame

Neue MDR-Intendantin: Karola Wille Bild: dpa

Karola Wille ist zur Intendantin des MDR gewählt worden. Es stand viel auf dem Spiel, doch das ließen sich die Rundfunkräte nicht anmerken. Sie machten es kurz.

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          Der Rundfunkrat des Mitteldeutschen Rundfunks hat am Sonntag die Justitiarin des Senders, Karola Wille, zur neuen Intendantin des Senders gewählt. Sie erhielt 32 von 39 abgegebenen Stimmen und erreichte damit die notwendige Zweidrittelmehrheit, sieben Rundfunkräte votierten gegen sie. Ihr Amt tritt sie am 1. November an, der bisherige Intendant Udo Reiter hatte sein vorzeitiges Ausscheiden zum 31. Oktober angekündigt. Die Intendantenwahl glückte erst im zweiten Durchgang. Der vom Verwaltungsrat des MDR zunächst vorgeschlagene Kandidat Bernd Hilder, Chefredakteur der „Leipziger Volkszeitung“, war gescheitert, er hatte im September bei der Wahl im Rundfunkrat nur zwölf Stimmen erhalten. Karola Wille arbeitet seit Gründung des MDR im Sender, seit 1996 hatte sie die Juristische Direktion des MDR geleitet, seit 2003 fungierte sie als stellvertretende Intendantin.

          Es drohte eine Krise

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Nach dem gescheiterten Wahlgang vor vier Wochen war den Rundfunkräten des MDR klar, dass im zweiten Anlauf ein Intendant gefunden werden musste, sollte der ohnehin von Skandalen geplagte Sender nicht in eine schwere Krise geraten. Die Stimmung im Hotel Ramada im Luftkurort Friedrichroda war jedoch schon vor Beginn der Rundfunkratssitzung eher gelöst. Karola Wille hatte vor dem Wahlgang Gespräche mit den Landesgruppen des Rundfunkrats geführt, so hatte sich sämtliche Räte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ihr Urteil bilden können. Die meisten kannten sie aufgrund ihres langjährigen Wirkens im Sender ohnehin. Die Sache schien klar.

          So fiel für die überwiegende Mehrheit der Rundfunkräte auch nicht mehr die Karriere ins Gewicht, die Karola Wille als Juristin zu DDR-Zeiten gemacht hatte. Sie hatte unter anderem wissenschaftliche Aufsätze verfasst, die im Einklang mit der Staatsdoktrin der SED standen.

          Das große Vertrauen

          In Friedrichroda aber wurde der Blick nicht auf die Vergangenheit, sondern in die Zukunft gerichtet. Der Gründungsintendant Udo Reiter meinte, dass er wohl der Richtige für die Anfangsjahre gewesen sei, seine Nachfolgerin sei genau die Richtige für die nun folgende Periode. Karola Wille bedankte sich für das „große Vertrauen“, dass der Rundfunkrat ihr ausgesprochen habe, und sprach von der „großen Herausforderung“, vor der sie stehe. Sie wolle den begonnenen Aufklärungsprozess strikt fortsetzen, sagte sie und meinte damit den in den vergangenen Monaten publik gewordenen Skandal um den gekündigten Unterhaltungschef Udo Foht, der Produzenten zu dubiosen Geldzahlungen veranlasst hatte. Die Summen, die hin und her transferiert wurden, lagen zwischen 10 000 und 180 000 Euro, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

          Sie werde für eine „neue Verantwortungskultur“ einstehen, sagte Karola Wille und dies in Teamarbeit angehen. Der Rundfunkratsvorsitzende Johannes Jenichen war bei der Verkündung des Wahlergebnisses ein bisschen aufgeregt. Er musste erst einen Moment lang überlegen, bis ihm die Stimmenzahl wieder einfiel, mit der Karola Wille soeben zur Intendantin gewählt worden war. „Der Boss des MDR ist eine Dame“, die Losung können man nun verbreiten, sagte Jenichen und schickte hinterher, dass diese, wenn nötig, auch eine „eiserne Lady“ sein könne.

          Diesen Eindruck vermittelte Karola Wille am Wahlabend in den thüringischen Wäldern selbstverständlich noch nicht. Mit einem Strauß rosafarbener Rosen, den ihr der Rundfunkratschef in die Hand gedrückt hatte, machte sie sich auf zum ersten Interview nach der Wahl. Das gab sie natürlich Radio und Fernsehen des MDR. Danach ging es zum Empfang.

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