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Karl-Otto Saurs letztes Festival : Jetzt wird die Ernte eingebracht

Unprätentiöser Leiter des Fernsehfestivals Baden-Baden: Karl-Otto Saur Bild: privat

Mehr als ein Jahrzehnt lang hat Karl-Otto Saur das Fernsehfilm-Festival Baden-Baden betreut. Nun geht er, ganz ohne Pomp. Als Kritiker wie als Organisator hat er Maßstäbe gesetzt. 3sat zeigt alle Wettbewerbsfilme dieses Jahres.

          Zum dreizehnten und zugleich letzten Mal wird Karl-Otto Saur vom Montag, dem 19. November, an das Fernsehfilm-Festival in Baden-Baden leiten, 2013 folgt ihm die Berliner Kritikerin Klaudia Wick nach. Getragen wird das Festival von der in Darmstadt ansässigen Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, deren jeweilige Präsidenten mithin Saurs Vorgesetzte waren.

          Jochen Hieber

          Redakteur im Feuilleton.

          Vier von ihnen hat er erlebt, drei ließen ihm bei der Organisation, der Finanzierung und der Durchführung vertrauensvoll freie Hand, 2009 aber führte der heftige Konflikt mit dem gerade in Darmstadt gewählten Theatermacher Klaus Pierwoß gleich zu einem Rücktritt - dem des neuen Präsidenten.

          An Konflikten ist Saurs Berufsleben ohnehin nicht arm. Nach mehr als siebzehn Jahren bei der „Süddeutschen Zeitung“, vierzehn davon als Leiter der Redaktion „Fernsehen und Hörfunk“, kündigte er 1989 wegen der Dauerquerelen mit dem damaligen Chefredakteur Dieter Schröder - „aus Selbstachtung“, wie er im Rückblick sagt.

          Vom Journalisten zum Unternehmer

          Nach einem Intermezzo als Kulturchef bei der Münchner „Abendzeitung“ ging Saur als Ressortleiter für Kultur zum „Spiegel“ nach Hamburg, war „das ständige Vermitteln und Durchlavieren“ zwischen Redaktion und Chefredaktion indes bald leid - und machte sich 1992 als Medienunternehmer selbständig.

          Bis zu zehn Mitarbeiter beschäftigte sein „Kontor für Kultur und Kommunikation“ in Ebenhausen bei München in den besten Zeiten - aus dem Journalisten Saur war ein Dienstleister geworden, der etwa für den Bayerischen Rundfunk Programme produzierte, Service-Aufträge von „Stern“ und „Burda Media“ erhielt oder für die Verlage Ullstein und Weltbild komplette Buchreihen konzipierte und herstellte. Kontinuierlich hat er das Kontor in der jüngeren Vergangenheit verkleinert, nun löst es der inzwischen achtundsechzig Jahre alte Saur ganz auf.

          Den Konflikten jedoch, denen er nie aus dem Weg ging, war und ist er im Grunde abhold. Karl-Otto Saur muss man sich als einen bedächtigen, konzilianten, stets höflichen, eher zurückhaltenden, sein Urteil wohlabwägenden Menschen vorstellen - und als einen uneitlen obendrein.

          Seine Redaktion „Fernsehen und Hörfunk“ war eine ganze Zeit lang ziemlich konkurrenzlos - andere überregionale Zeitungen räumten den neuen Medien erst signifikant später eigene Seiten mit Ressortstatus ein. Und Saur nutzte seinen Spielraum. Den nicht eben seltenen Übergriffen der CSU-Granden um Franz Josef Strauß auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk setzte er sich mit entschiedenen Kommentaren entgegen, zur gerade in München mächtigen Film- und Fernsehlobby hielt er souverän Distanz, regelmäßig ließ er auch über Fernsehen und Radio in der DDR berichten.

          Die amerikanische Serie „Holocaust“

          Als Saur Anfang 1979, nur eine Woche vor der Ausstrahlung in der ARD, die vier Folgen der amerikanischen Fernsehserie „Holocaust“ vorab sehen konnte, revidierte er seine Vorurteile in Sachen Kitsch und Soap sofort, schrieb selbst eine Eloge auf die Miniserie und forderte die Leser auf, nach jeder Folge ihre Eindrücke und Empfindungen festzuhalten, um sie auf seiner Seite dann zu dokumentieren.

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