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Karl-Günther von Hase ist tot : Der Diplomat vom Lerchenberg

Karl-Günther von Hase. Bild: dpa

Als Karl-Günther von Hase 1977 Intendant des ZDF wurde, verstand er vom Fernsehen wenig. Das machte aber gar nichts. Er war ein großer Vermittler. Nun ist er im Alter von 103 Jahren gestorben.

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          Als Karl-Günther von Hase im Jahr 1977 Intendant des Zweiten Deutschen Fernsehens wurde, brachte er vieles mit, nur eines nicht – Erfahrung mit diesem Medium. Selbst die Unterscheidung zwischen der „Tagesschau“ und den „heute“-Nachrichten sei ihm nicht geläufig gewesen, sagte er bei seiner Verabschiedung fünf Jahre später. Das rief an dieser Stelle sein Nachnachfolger Markus Schächter in Erinnerung, als er von Hase zum Hundertsten gratulierte. Doch Programmkenntnis musste ein Intendant damals auch nicht zwingend haben, viel wichtiger waren diplomatisches Geschick und ein klarer Blick in die Zukunft.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Beides wird von Hase zugeschrieben. Zur Kandidatur hatte er sich spontan entschlossen, als die politischen Freundeskreise im Fernsehrat des ZDF partout keine Mehrheit finden konnten, nicht für den damaligen Programmdirektor Dieter Stolte (der dann 1982 gewählt wurde und zwanzig Jahre lang Senderchef blieb) und auch nicht für den damaligen Chefredakteur Reinhard Appel. Den roten und den schwarzen Wahlleuten half von Hase aus der Patsche. Denn mit seinem Ansehen stand er über dem parteipolitischen Hickhack.

          Anerkennung hatte er sich vor seinem Amtsantritt auf dem Lerchenberg in Mainz als Botschafter in London erworben, als Vertreter der Bundesrepublik bei der Europäischen Gemeinschaft, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Chef des Bundespresseamts und Regierungssprecher der Bundeskanzler Adenauer, Erhard und Kiesinger. Begonnen hatte er 1950 als Beamter im Auswärtigen Amt. Ein Jahr zuvor war von Hase aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt. Geboren am 15. Dezember 1917 auf Gut Wangern im Landkreis Breslau, hatte von Hase als Berufsoffizier der Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teilgenommen. Ein Onkel von ihm, Generalleutnant Paul von Hase, zählte zum Kreis des Widerstands, der das gescheiterte Attentat auf Hitler verübte, und wurde hingerichtet; der Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer war ein Vetter von Hases. Ein „Zeuge des Jahrhunderts“ (Markus Schächter) war dieser Mann ohne jeden Zweifel.

          Bei seiner letzten großen beruflichen Station mehrte er die Reputation des ZDF und begleitete Programmneuerungen, die Markenzeichen wurden oder bis heute bestehen: „Wetten, dass..?“, das „heute-journal“ und das „Politbarometer“. Von Hase habe „für das ZDF die ersten Platzkarten für eine gelingende technologische Zukunft in einem neuen dualen System zu lösen gewusst“, schrieb Markus Schächter und spielte damit auf das Anfang der achtziger Jahre absehbare Aufkommen privater Sender an. Als „zukunftsweisenden Weichensteller“ lobt der amtierende ZDF-Intendant Thomas Bellut seinen Vorgänger: „Der versierte Diplomat“ von Hase habe sich „für eine Internationalisierung des Senders eingesetzt. Viele Beziehungen zu anderen Sendern und Institutionen in aller Welt reichen in seine Amtszeit zurück.“ Mit von Hase ist das ZDF, da gibt es keinen Widerspruch, gut gefahren. Am vergangenen Sonntag ist Karl-Günther von Hase im Alter von 103 Jahren gestorben.

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