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Triell bei RTL : Der schöne Schein

Laschet, Baerbock und Scholz beim TV-Triell Bild: dpa

Das Triell bei RTL ist vorbei und der Sieger steht scheinbar fest. Er heißt Olaf Scholz. Ist das wirklich so? Und müssen wir dann überhaupt noch zur Wahl gehen?

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          Bis zum Morgen danach muss man nicht warten, um zu erfahren, wer das erste der drei großen Fernseh-Trielle in diesem Bundestagswahlkampf gewonnen hat. Das Umfrageinstitut Forsa weiß es schon wenige Minuten nach dem Ende der Sendung. Der Sieger heißt Olaf Scholz. 36 Prozent von 2500 angeblich repräsentativ ausgewählten Befragten sähen den Spitzenkandidaten der SPD vorn heißt es. Dreißig Prozent meinten dies von der Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock, 25 Prozent von Armin Laschet von der Union.

          So einfach ist das also: Mehr als anderthalb Stunden Debatte, mit ein wenig Kontroverse, viel Einmütigkeit und erkennbar einstudierten Rollen und am besten kommt derjenige weg, der, wie es der Journalist Nikolaus Blome in der Nachbesprechung von RTL sagte, so vor sich „hindieselt“.

          Das würde heißen: Die Deutschen haben nach sechzehn Jahren Angela Merkel von ihrem Regierungsstil noch immer nicht genug. Sie wollen vielmehr, dass es immer so weitergeht, Klimawandel hin, Afghanistan-Desaster her, sie folgen demjenigen, der sagt, es werde alles gut und das ist Olaf Scholz. Scholz ist die neue Merkel. Auf den Wahlplakaten mit ihm fehlt eigentlich nur der Spruch: „Sie kennen mich.“

          Wie gut das funktioniert, haben wir in den vergangenen Wochen gesehen und bekommen wir auch am Sonntagabend bei RTL bestätigt. Denn da befragt ein Reporter eine Familie nach ihren Eindrücken. Die Tochter sagt, sie wähle Olaf Scholz, der Vater sagt, ihn hätten die Schuldzuweisungen in der Afghanistan-Politik gestört. Er scheint also gar nicht wissen zu wollen, warum die Mission am Hindukusch gescheitert ist und wer für das Versagen vor allem in den letzten Tagen, Wochen und Monaten verantwortlich ist. Sich von der Welt abzuwenden, wird so zur politischen Tugend, zumindest verspricht es Wahlerfolg.

          Dass Scholz beim Publikum angeblich so gut ankam, überraschte auch die Plauderrunde, die RTL nach dem Triell aufbot, um das der Sender im Rahmen seiner „Informationsoffensive“ so sehr gekämpft hatte. Wobei man sagen muss, dass die fünf „Promi-Experten“ ihre Rolle ganz unterschiedlich interpretierten. Günther Jauch und Nikolaus Blome analysierten das Dargebotene mit einer gewissen Distanz, während die drei anderen – die Bloggerin Louisa Dellert, die Tanzlehrerin und „Let‘s Dance“-Jurorin Motsi Mabuse und der Moderator Micky Beisenherz –, vornehmlich durchblicken ließen, wen sie wählen würden. Motsi Mabuse konnte sich vor Begeisterung für Annalena Baerbock und Abscheu gegenüber Armin Laschet gar nicht mehr einbekommen.

          Laschets Körpersprache gefiel ihr nicht, sie fand ihn zu aggressiv. Eine oberflächlichere Betrachtung würde uns an dieser Stelle kaum einfallen. Was besonders apart wirkt, wenn zugleich immer wieder, aber auch schön vage, von dem großen Aufbruch die Rede ist. Und dann wieder von dem Bild des lachenden Laschet bei einem Termin mit dem Bundespräsidenten nach der Flutkatastrophe. Was man nicht überbewerten solle, aber dann doch wieder schon. Eine Gewichtung politischer Standpunkte sieht anders aus.

          Aber der Vergleich mit „Let‘s Dance“ passt zu einer solchen Veranstaltung und ihrer prompten Live-Auswertung vielleicht ganz gut: Hier geht es um Schritte auf der Bühne, ums Auftreten, um Eindrücke. Und es geht um eine große Suggestion. Die Trielle, früher Duelle, huldigen nämlich dem Gedanken, wir lebten in einer Kanzler- oder Kanzlerinnendemokratie. Das mag der Eindruck nach sechzehn Jahren Angela Merkel im Bundeskanzleramt sein – die mit ihrer Partei offenbar vollständig abgeschlossen und ihren Teil, um es vorsichtig zu sagen, zu deren Problemen beigetragen hat.

          Es hat mit dem, worüber die Bürgerinnen und Bürger am 26. September abstimmen, aber nichts zu tun. Da geht es um Direktmandate und Stimmen für die Parteien, nicht um die Wahl eines neuen Konrad Adenauer. Der im Augenblick so erfolgreiche wirkende Olaf Scholz zum Beispiel wäre ein Bundeskanzler, dem nicht einmal seine eigene Partei folgt, geschweige denn eine wie auch immer geartete Koalition. Aber an einem solchen Abend bei RTL spielt das selbstverständlich keine Rolle, vielleicht nicht einmal im gesamten Wahlkampf. Was für ein schöner Schein.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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