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„Anonymous“ gegen IS : Kampf mit Masken im Schatten

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Die Dschihadisten lernten im Irak und in Afghanistan, dass viele, die als Person identifizierbar sind, auf den Tötungslisten landen und durch Drohnen oder Special-Forces-Operationen liquidiert werden. Die Techniken zur Aufdeckung von Organisationsstrukturen, Kommunikationswegen und Beziehungsgeflechten durch flächendeckende Überwachung und Analyse sind so hochentwickelt und effektiv geworden, dass die „traditionellen“, hierarchischen Wege der Organisation für die Gegner des Westens nicht mehr funktionieren. Die Antwort, die der IS darauf gefunden hat, folgt im Kern den gleichen Erkenntnissen, die zur Entstehung von Anonymous führten.

Gesichtsloser Kampf

Die Auseinandersetzung Anonymous vs. IS erinnert vor diesem Hintergrund in gewisser Weise an das antike griechische Theater und das japanische No-Theater, bei denen die Schauspieler symbolbeladene Masken tragen. Es ist der Konfliktstil der Zukunft. Die Reduktion der Akteure auf den Symbolgehalt der Masken, das Zurücktreten der Personen hinter die Ikonographie transzendiert die gewohnten Wahrnehmungen und Einordnungen der Parteien in Auseinandersetzungen. Dass sich jeder eine der Masken nehmen und unter ihr sein Stück auf der Bühne der Weltöffentlichkeit inszenieren kann, passt zum allgemeinen Verschwinden benennbarer Demarkationen und Protagonisten.

Anonymous selbst gibt schon in seiner Verlautbarung einen deutlichen Hinweis darauf, dass die eigentlichen Akteure auch ganz andere sein könnten, als es die einfache Geschichte in den Medien vermuten lässt: „We are hackers, crackers, hacktivists, phishers, agents, spies, or just the guy from next door.“ Stecken also Agenten und Spione der Geheimdienste oder vielleicht doch der nette Kerl von nebenan hinter der Aktion gegen den IS? Oder vielleicht alle zusammen? Man weiß es nicht, man kann es nicht mehr wissen.

Auch wer der IS eigentlich ist, bleibt weitgehend im Dunkeln. Die Informationen darüber stammen von Geheimdiensten, die oft genug ein Interesse daran haben, eine greifbare Geschichte in die Welt zu setzen, in deren Schatten sich frei und unbeschränkt agieren lässt. Die Verwirrung ist zum Konzept geworden, zum Mittel der Politik. Die Abwesenheit von Gewissheiten, das Ende der konsistenten Narrative ist die neue Normalität.

Angriff ohne Angreifer

Die Konfliktregularien der alten Welt hatten zum Ziel, klare Fronten zu schaffen, eine Wiedererkennbarkeit von Freund und Feind. Nach der Genfer Konvention müssen Kombattanten klar erkennbare Kennzeichen tragen, die ihre Zugehörigkeit zur jeweiligen Konfliktpartei zeigen. Irreguläre Bewaffnete, die gegen diese Regel verstoßen, genießen keine Schutzrechte und können ohne weiteres von allen bekämpft werden. Die Logik der Regelung geht davon aus, dass sich reguläre Armeen gegenüberstehen und irreguläre Kräfte eine Ausnahme sind. Dass große Gebiete, wie die Krim, mit unmarkierten Soldaten besetzt werden könnten, die der örtlichen regulären Armee weit überlegen sind, war nicht vorgesehen.

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