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Wechsel bei Springer : Ich bin dann mal „Bild“

Noch Chefredakteur, bald Herausgeber: Kai Diekmann. Bild: Polaris/Laif

Die „Bild“-Zeitung ohne Kai Diekmann - geht das? Es geht, denn der Chefredakteur wird Herausgeber und Oberboss von Europas größtem Boulevardblatt. Die neue Chefredakteurin Tanit Koch hatte nicht jeder auf dem Zettel.

          Deutschland größte Boulevardzeitung bekommt eine Chefredakteurin und der bisherige Redaktionschef wird befördert. Zum 1. Januar gibt Kai Diekmann seinen Job bei der „Bild“ an Tanit Koch ab, die bislang stellvertretende Chefredakteurin war. Während sie für die gedruckte Ausgabe der „Bild“-Zeitung zuständig ist, wird Diekmann fortan als Herausgeber fungieren und sämtlichen Chefredakteuren der „Bild“-Gruppe vorgesetzt sein. Er werde die „gesamte Markensteuerung aller ,Bild`-Angebote, die publizistische Ausrichtung sowie Weiterentwicklung der ,Bild`-Marken in den Mittelpunkt seiner Aufgaben stellen“, teilte Springer mit.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Diekmann hatte die Chefredaktion der „Bild“ im Januar 2001 übernommen. Beim Springer-Verlag wirkt er seit 1985 – mit einer zweijährigen Unterbrechung von 1989 bis 1991 beim Burda-Verlag als Chefreporter der „Bunte“. 1997 wurde es für Diekmann unter dem damaligen Vorstandschef Jürgen Richter kritisch, er legte eine Pause ein. 1998 wurde er Chefredakteur der „Welt am Sonntag“, von dort wechselte er 2001 zur „Bild“.

          Herausgeber des Boulevardblatts ist er formell schon seit 2004, doch wird die Position nun inhaltlich aufgewertet und es widerspiegelt sich in der Mannschaftsaufstellung, wie es in der „Bild“-Gruppe schon länger lief, für die Diekmann nicht nur im Tagesgeschäft, sondern strategisch wirkt. Springer richtet seine Titel für die digitale Zukunft aus und mit der Frage, wie die gedruckten Publikationen und die Online-Auftritte zusammenfinden und diese sich fortentwickeln, beschäftigt sich Diekmann seit langem, besonders intensiv, seit er 2012 im Auftrag des Verlages eine längere Zeit im Silicon Valley verbrachte. Das Konzept der „Bild“, sagte der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner, habe „sowohl digital als auch international spannende Entwicklungsperspektiven.“ Diese Potentiale werde Kai Diekmann „in seiner neuen, übergeordneten Rolle konkretisieren“. Als Herausgeber ist er nun Chef von vier Chefredakteuren: Tanit Koch als neuer „Bild“-Chefin, Marion Horn, die die Redaktion der „Bild am Sonntag“ leitet, Peter Huth, der für B.Z. und „Bild“ Berlin zuständig ist, sowie Julian Reichelt, der „Bild“-Digital leitet.

          Noch Stellvertreterin, bald Chefredakteurin der „BIld“: Tanit Koch.

          Reichelt, der sich zu Beginn seiner Karriere als Reporter in Krisengebieten einen Namen gemacht hat, hatte mancher als potentiellen Nachfolger Diekmanns auf dem Zettel. Doch war seit einiger Zeit unverkennbar, dass Tanit Koch, die auch Unterhaltungschefin der „Bild“ ist, die Pole-Position innehatte. Nach ihrem Volontariat bei der „Bild“ im Jahr 2005 wurde sie 2007 Büroleiterin des Chefredakteurs, 2009 wechselte sie in die Chefredaktion der „Welt“-Gruppe, 2011 ging sie zur „Bild“ zurück, zwei Jahre darauf wurde sie stellvertretende Chefredakteurin.

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