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„Star Wars“ in Japan : Kabuki für den Wookiee

Bild: Youtube/Disney/Screenshot F.A.Z.

„Star Wars“ wird zum Theater: Kurz vor dem Start der 9. Episode kommt es zur einmaligen Aufführung einer Kabuki-Version des Sternenkriegerstoffes mit Schauspieler Ichikawa Ebizo XI.

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          Wenn die Macht mit ihm ist, kann der interessierte Leser vielleicht jetzt noch einschalten, wenn eine alte amerikanische Film- und Merchandise-Kunst auf eine noch ältere, japanische Theaterkunst trifft. An diesem Donnerstag, 28. November, ist der Tag, an dem Disney in Tokio einmalig sein Star-Wars-Kabuki-Stück „Rennosuke und die drei Lichtschwerter“ aufführen lässt; mit einem der bekanntesten Kabuki- und Filmschauspieler Japans, Ichikawa Ebizo XI als Bösewicht Kylo Ren. Der heißt so, weil man, um Kabuki spielen zu dürfen, in eine entsprechende Schauspieler-Dynastie geboren werden muss, in diesem Fall die der Ichikawa.

          Axel Weidemann

          Redakteur im Feuilleton.

          Für die Veranstaltung, die einerseits als origineller PR-Stunt für die am 18. Dezember anlaufende neunte Episode der „Star Wars“-Reihe, „The Rise of Skywalker“, dient, andererseits eine zu unrecht als verstaubt geltende Theater-Tradition für junges Publikum attraktiv machen soll, wurden auf Twitter fünfzig Eintrittskarten verlost. Wer leer ausgegangen ist, konnte sich die Vorstellung am Donnerstagvormittag von 10.30 Uhr an (18.30 Uhr Ortszeit) auf dem Youtube-Kanal des „Walt Disney Studios Japan“ ansehen.

          Haarigato: Ichikawa Ebizo XI und Chewbacca bei einer Pressekonferenz.

          Einst eine Kunst der Frauen

          Kabuki – einst ausschließlich von Frauen aufgeführt, die dann aufgrund von zu viel volksverwirrender Erotik vom Shogunat um 1630 Auftrittsverbot bekamen und ihre Kunst seither den Männern überlassen mussten – ist eine bunte, expressive und lebendige Form des japanischen Theaters. Charakteristisch ist der „Kumadori“ genannte Make-Up-Stil der weißgeschminkten Gesichter, die je nach Rolle mit unterschiedlichen Farbmustern – Held, rot; Bösewicht, blau – versehen werden. Hinzu kommen Musik und Tanzeinlagen, aufwendige und auf der Bühne stattfindende Kostümwechsel und Verwandlungen sowie Seil-Effekte. Ein Stück geht über mehrere Stunden, manche den ganzen Tag. Dafür gibt es erstens Pausen und zweitens es ist üblich, sich ein reichhaltiges Picknick in Form einer Bento-Box nebst Bier mit in den Zuschauerraum zu nehmen.

          Die Verbindung zwischen „Star Wars“ und Japan ist nicht neu: George Lucas war fasziniert von den Filmen des Regisseurs Akira Kurosawa. Figuren aus „Star Wars“ finden in Kurosawas Filmen oft ihre Vorbilder. Ursprünglich wollte Lucas sein Werk mit einem japanischen Ensemble besetzen. Der Schauspieler Toshiro Mifune war als Obi-Wan Kenobi vorgesehen, lehnte die Rolle aber ab. Zwar soll nun die Geschichte der jüngsten Trilogie (Episode 7 bis 9) um das für Kabuki typische Thema feudaler Clan-Rivalitäten ergänzt werden, doch dürfte Lucas nicht unglücklich darüber sein, dass mit Ebizo nun endlich ein Japaner die Hauptrolle in einer „Star Wars“-Adaption spielt.

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