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Ehemaliger „Bild“-Chef : Julian Reichelt macht was Eigenes

  • Aktualisiert am

Julian Reichelt bei Servus TV. Bild: dpa

Der ehemalige „Bild“-Chefredakteur Julian Reichelt schmiedet Pläne für einen eigenen Plattformauftritt. Die von Springer genannten Gründe für seinen Rauswurf bezeichnet er als falsch. Und er sieht für sich eine Marktlücke.

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          Der ehemalige „Bild„-Chefredakteur Julian Reichelt hat sich in einer TV-Talkshow zu seinen beruflichen Plänen geäußert. „Ich arbeite derzeit an etwas Neuem und spreche da mit sehr vielen, sehr spannenden jungen Kolleginnen und Kollegen“, sagte der 41-Jährige am Sonntag in der Talkrunde „Links. Rechts. Mitte - Das Duell der Meinungsmacher“ im Fernsehsender Servus TV aus Österreich. Es war Reichelts erster Fernsehauftritt, nachdem ihn der Medienkonzern Axel Springer in Berlin im Oktober von seinen Aufgaben entbunden hatte.

          Reichelt sprach von einer „Marktlücke“: Journalismus, der nach den Fakten suche und sage, was ist und nicht das sage, was Regierende gerne gesagt hätten. „Ich hoffe, dass ich diese Marktlücke bald helfen darf zu füllen mit sehr vielen spannenden Menschen, mit denen ich gerade spreche.“ Konkreter wurde Reichelt nicht, er sprach lediglich von einer „neuen Plattform“.

          Er bekräftigte zugleich, dass er nicht bei dem TV-Sender aus Österreich beginnen werde: „Zu Servus TV komme ich nicht.“ Vor einiger Zeit war darüber im Netz spekuliert worden.

          Reichelt erneuerte in der Talkrunde, in der es unter anderem um die Corona-Pandemie und auch um Medien ging, seinen Unmut über die Entscheidung seines früheren Arbeitgebers Springer („Bild“, „Welt“), ihn im Oktober von seinen Aufgaben als Chefredakteur von Deutschlands größtem Boulevardblatt entbunden zu haben. Er finde die Entscheidung falsch, sagte er. Ähnlich hatte sich Reichelt bereits im Dezember in einem Interview der Wochenzeitung „Die Zeit“ geäußert.

          Reichelt stand mehrere Jahre an der Spitze von „Bild“. Monate vor dem Abgang hatte es ein internes Verfahren gegen den Journalisten und zuletzt weitere Presserecherchen gegeben. Nach Springer-Angaben standen im Kern der internen Untersuchung im Frühjahr 2021 die Vorwürfe des Machtmissbrauchs im Zusammenhang mit einvernehmlichen Beziehungen zu Mitarbeiterinnen sowie Drogenkonsum am Arbeitsplatz. Der Konzern kam zum Schluss, dass Reichelt eine zweite Chance bekommen sollte. Die US-Zeitung „New York Times“ hatte dann im Oktober einen Bericht über Reichelt und den Konzern veröffentlicht. Zudem hatte ein Investigativ-Team bei der Ippen Mediengruppe monatelang recherchiert. Die Ergebnisse flossen zum Teil in einen „Spiegel“-Bericht ein.

          Das Ende der Zusammenarbeit mit Reichelt hatte Springer im Oktober so begründet: „Als Folge von Presserecherchen hatte das Unternehmen in den letzten Tagen neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten von Julian Reichelt gewonnen. Diesen Informationen ist das Unternehmen nachgegangen. Dabei hat der Vorstand erfahren, dass Julian Reichelt auch nach Abschluss des Compliance-Verfahrens im Frühjahr 2021 Privates und Berufliches nicht klar getrennt und dem Vorstand darüber die Unwahrheit gesagt hat.“

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