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„Unterleuten“ im ZDF : So sind sie, die Leute auf dem Land

Infoabend im Dorfgasthof: Rudolf (Thomas Thieme) und Elena Grombrowski (Christine Schorn, l) sowie Hilde (Dagmar Manzel) und Betty Kessler (Sarina Radomski, r) sind skeptisch. Bild: dpa

Zoff in Brandenburg: Juli Zehs erfolgreicher Dorfroman „Unterleuten“ war vielleicht schon immer ein Fernsehmehrteiler in Buchform. Das zeigt sich jetzt im ZDF.

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          Der Erfolg kam nicht von ungefähr: Der im Jahr 2016 erschienene Roman „Unterleuten“ von Juli Zeh ist ein Buch, bei dem man auch angeschickert im sommerlichen Liegestuhl noch gut mitkommt, weil es einem nicht viel abverlangt, es einen aber ganz gut unterhält. Die Figuren sind eher grob gezeichnet, vom idealistischen Vogelschützer Dr. Fließ (Ulrich Noethen) mit unproportional jugendlicher Gattin über den Ex-LPG-Leiter Gombrowski (Thomas Thieme) mit unproportional fieser Gattin bis hin zu der unternehmerisch ambitionierten Pferdeliebhaberin Linda Franzen (Miriam Stein) bekommen sich alle herrlich holzschnitthaft in die Wolle mit ihren grundsätzlich erst einmal verständlichen Eigeninteressen, die sich vor allem um Ponyhöfe, Windräder und die seltenen Kampfläufer – streng geschützte Schnepfenvögel der Paläarktis, wie man sich ergoogeln kann – drehen.

          „Unterleuten – Das zerrissene Dorf“ heißt der Dreiteiler, der nun im ZDF ausgestrahlt wird, in der Mediathek sind alle Folgen bereits abrufbar. Die Regie übernahm der Potsdamer Regisseur Matti Geschonneck, das Drehbuch schrieb Magnus Vattrodt. Und dann spielt natürlich ein großes Ensemble bekannter Fernsehgesichter diese sich gegenseitig misstrauenden Dorfbewohner – und man ahnt, dass der Stoff als Fernsehmehrteiler endlich seine natürliche Bestimmung gefunden hat und der Umweg über die Romanform eine künstlerisch gesehen eher überflüssige war. Denn wie so oft bei Juli Zeh treffen auch in „Unterleuten“ große gesellschaftliche Ambition, eher bescheidene sprachliche Mittel und null Humorkompetenz aufeinander.

          Dieser Zusammenhalt, von dem man so viel hört

          Die Geschichte ist jedoch gar nicht schlecht. In einem fiktiven brandenburgischen Dorf namens Unterleuten, dessen Bewohner reichlich geschichtliche Altlasten aus DDR-Zeiten mit sich herumschleppen, die Zugezogene und Nachgeborene wohl nie in Gänze werden verstehen können, taucht auf Einladung des Bürgermeisters eine Windkraftanlagenfirma in Gestalt ihrer Abgesandten Anne Pilz („wie der Champignon“, gespielt von Mina Tander) auf, möchte investieren und veranstaltet zu diesem Zweck einen Infoabend mit großem Powerpointanteil im Dorfgasthof. Auf wessen Land die Windräder gebaut würden, auf den gehe ein warmer Geldregen nieder, verspricht Frau Pilz. Allerdings benötige das Unternehmen für einen rentablen Windpark eine gewisse Mindestgröße an Land, woraufhin ein munteres Geschacher und Gefeilsche um die kleinteiligen Parzellen der Eignungsgebiete anhebt, bei dem neben finanziellen Interessen auch Baugenehmigungen, Arbeitsplätze und Pferdeweiden in den Topf geworfen werden.

          Verkompliziert wird die Geschichte durch Konrad Meiler (Alexander Held), einen Investor aus Ingolstadt, der durch die schöne bayerische Redewendung „a Hund is a scho“ hinreichend charakterisiert ist. Ihm gehören seit einer Auktion diverse verstreute Ländereien in Brandenburg, über die er nicht sonderlich viel Übersicht hat, aber durchaus ein Interesse, die spottbillig erworbenen Äcker zu Geld zu machen. Das wird möglich durch Linda Franzen, die nur allzu gerne die Wiese vor ihrem Haus zu einer Pferdekoppel machen möchte und ein weiteres Grundstück am Hang besitzt, das wiederum Meiler für seine Windparkpläne gebrauchen könnte.

          Ein weiteres Eignungsgebiet besitzt allerdings der Kron (Hermann Beyer), vornamenloser Erzfeind Gombrowskis seit jeher wegen der LPG, der Enteignung von Ländereien in sozialistischen Zeiten und Aufwiegelung der Arbeiter, ein Altkommunist und ein ziemlich zäher Knochen. Seine Tochter Kathrin (Bettina Lamprecht) wiederum, verheiratet mit dem erfolglosen, seine Schreibblockade auf dem Aufsitzrasenmäher kompensierenden Schriftsteller Wolf Hübschke (Bjarne Mädel, dem man nun wirklich auch einfach stundenlang beim Rasenmähen zuschauen kann), bemüht sich redlich um Neutralität. Außerdem gibt es eine einsame Katzenfreundin, einen grobschlächtigen Automechaniker, der üble Gerüche verbreitet und mehrere genervte Lebensgefährten, die ganz gerne ihre Ruhe hätten nebst Landluft und dem berühmten Zusammenhalt auf dem Dorf, von dem man immer so viel hört.

          Es ist also kompliziert, und der Mehrteiler entzaust die verworrenen Handlungsfäden des Buches gar nicht schlecht. Der ein oder andere der Schauspieler bringt sogar eine leichte ostdeutsche Sprachfärbung mit und darf sie auch anklingen lassen – für einen Dorfroman ja wohl das mindeste, aber mehr, als man sonst im deutschen Aufsagefernsehen erlaubt, in dem sonst immer alle sprechen wie gerade eben aus dem Sprechtraining entlassen. Sonderlich tiefgreifende Erkenntnisse über Stadt und Land, Ost und West sollte man lieber woanders suchen, aber gute Unterhaltung zum Fernsehabend liefert „Unterleuten“ allemal.

          Unterleuten – Das zerrissene Dorf läuft am 9. März, 11. März und 12. März jeweils um 20.15 Uhr im ZDF oder ab sofort in der Mediathek.

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