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Studie „Generation What?“ : Was fürchtet die Jugend?

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Eine Generation beschreibt sich selbst: Bei der großen europaweiten Online-Umfrage des Projektes „Generation What?“ wurden junge Menschen aus 34 europäischen Ländern zu ihrem Leben befragt. Bild: obs

Eine Umfrage des Sinus-Instituts zeigt, wie der Terror die Einstellung junger Menschen in Europa verändert. Nach dem Anschlag von Nizza sehen viele das Leben anders.

          Die islamistischen Terroranschläge in Frankreich und Bayern hinterlassen in der Lebenswelt jüngerer Europäer Spuren. Das zeigt die europaweite Studie „Generation What?“ des Sinus-Instituts, die von der European Broadcast Union (EBU), dem Verband öffentlich-rechtlicher Sender in Europa, koordiniert wird. Das Institut befragte in 34 Ländern bislang 880 000 Menschen im Alter zwischen achtzehn und 34 Jahren. Eine repräsentative Stichprobe der Studie im Zusammenhang mit dem Terroranschlag vom 14. Juli in Nizza zeigt, dass junge Menschen in Deutschland Zuwanderung seit diesem Attentat, bei dem 85 Menschen starben, skeptischer betrachten und sich vor sozialen Unruhen fürchten, sie plädierten, so die Umfrage, dennoch mehrheitlich für offene Grenzen. Der Polizei schenken sie nach den Anschlägen sogar mehr Vertrauen als zuvor.

          Die Stichprobe berücksichtigt die Einstellung von rund 37 000 Befragten vor und von 10 000 Menschen nach dem Anschlag in Nizza. Neben diesem dürften die Axt-Attacke in einem Regionalzug in Würzburg, der Amoklauf von München und der Sprengstoffanschlag von Ansbach dafür verantwortlich sein, dass mehr als ein Drittel der jungen Menschen in Deutschland Angst vor Terror hat. Vor Nizza antworteten die Befragten auf die Erkundigung, welche drei Dinge, sie am meisten ängstigten, seltener mit „Terrorismus“.

          Die Gewalt verunsichert

          Besonders verunsichert, so das Sinus-Institut, seien „bildungsferne“ Befragte. Der Aussage „Zuwanderung von Menschen aus anderen Ländern bereichert unsere kulturelle Vielfalt“, stimmte bei den jüngsten Befragten im Alter von achtzehn und neunzehn Jahren bei der Umfrage nach dem Anschlag von Nizza 74 Prozent zu, vorher waren es 83 Prozent. Insgesamt verunsichere die Gewaltwelle aber nur fünf Prozent der Befragten, mehr als drei Viertel empfänden Zuwanderung als Bereicherung. 35 Prozent der Befragten meinten, die Grenzen sollten für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten offen sein, 34 Prozent meinten, dies solle für alle Zuwanderer gelten. 41 Prozent fürchten gleichwohl, es könne zu sozialen Unruhen kommen. „Besonders bemerkenswert“ sei, dass bei dieser Frage der Anstieg der Zustimmung „alters-, geschlechter- und bildungsübergreifend“ sei, sagt Maximilian von Schwartz, der Studienleiter für „Generation What?„ beim Sinus-Institut. Zugleich hätten 69 Prozent der Befragten bekundet, sie hätten Vertrauen in die Polizei.

          Die psychologische Belastung durch die fortwährenden Nachrichten über den Terror zeigt sich bei einer anderen Frage - ob man sich vorstellen könne, ohne aktuelle Nachrichten zufrieden zu sein. Vor dem Anschlag in Nizza meinten 41 Prozent der Befragten, sie könnten dies, nach dem Massenmord waren es fünfzig Prozent.

          Noch bis November können junge Menschen zwischen 18 und 34 Jahren auf www.generation-what.de an der Umfrage teilnehmen und 149 Fragen zu Politik, Religion, Sexualität, Lebensglück und anderen Dingen beantworten. Im November wird das Sinus-Institut in Kooperation mit Soziologen und der Europäischen Rundfunkunion das Endergebnis der Umfrage vorstellen. In Deutschland wird „Generation What?“ begleitet vom Bayrischen Rundfunk, Südwestrundfunk und dem ZDF.

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