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Jugendserie „Druck“ bei „funk“ : Von eigenen Dummheiten und den fiesen Zügen der anderen

„Druck“ erzählt von Hanna (Mitte), deren Leben sich auf Instagram und Snapchat abspielt, bis sie eine Reihe von ungewöhnlichen Freundschaften schließt. Bild: ZDF/Bantry Bay/Gordon Muehle

Die Protagonisten von „Druck“, der deutschen Version der erfolgreichen norwegischen Jugendserie „Skam“, sind ungewohnt greifbar: Sie posten auf Instagram und stellen Videos ins Netz. Das hat Potenzial.

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          Hanna ist mitten unter uns. Gerade noch stand sie mit rotem Ranzen und Wollmütze auf dem Schulhof, ein paar Stunden später postet sie: „0,0 Bock auf Lernen. Nervt TOTAL!“ Auf Instagram findet sich ihr genervter Blick mit tausend Likes neben Fotos von der Kleinkind-Hanna, Urlaubsbildern und Selfies mit dem neuen Freund. Da präsentiert sich eine ganz normale Sechzehnjährige. Nur, dass Hanna gar nicht existiert.

          Elena Witzeck

          Redakteurin im Feuilleton.

          Spannender als das filmische Stilmittel der am rechten Bildschirmrand aufleuchtenden Nachrichten und Tweets, das hat sich inzwischen herumgesprochen, sind Experimente mit der digitalen Fortführung eines fiktiven Film- oder Seriencharakters. Wenn sich dann noch etwas an der Darreichungsform ändert, wenn Episoden in kleinen Videoschnipseln im Netz auftauchen, und zwar genau zu der Zeit, in der die Szene spielt, kann man sich vielleicht kurz an die allseits beliebten Fotostorys in Jugendmagazinen erinnern, muss aber anerkennen, dass es sich um eine innovative Erzählform handelt. Einem öffentlich-rechtlichen Programm jedenfalls würde man sie nicht zuordnen.

          Die Kölner Produktionsfirma Bantry Bay und die Regisseurin Pola Beck drehen „Druck“ aber für „Funk“, das Jugend-Angebot von ARD und ZDF im Netz. Erste Folgen sind bereits verfügbar, vier kurze Videosequenzen sind im Netz.

          Sie erzählen vom Alltag einer Gruppe Jugendlicher mit all seinen Prüfungen und Zwängen: von Problemen in der Schule, Freunden, die zu Widersachern werden, den eigenen Dummheiten und den fiesen Zügen der anderen. Aber eben auch von den Belastungen, die keine Generation vor ihnen hatte: Hanna, Protagonistin der ersten Folgen, hat ihren neuen, lässige Lederjacken und niedliche Locken tragenden Freund, der nur an sich denkt, ihrer besten Freundin ausgespannt. Jetzt steht sie ziemlich allein da, schaut zu Hause Katzenvideos und verfolgt die Cliquenaktivitäten ihrer ehemaligen Freundinnen live auf Instagram und Snapchat. Hashtag „Fühl den Druck“.

          Die Geschichte ist nicht neu, sondern die deutsche Version der norwegischen Serie „Skam“ („Scham“) über fünf Mädchen in Oslo, die weit über Europa hinaus Aufmerksamkeit erregte. Auch sie war im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen, auch hier wurden Hobbys und Lebenssituation der noch unbekannten Darsteller verwertet, um die Figuren möglichst authentisch darzustellen. In Alexander Lindhs Drehbuch für die deutsche Fassung gingen die Erfahrungen der jungen Schauspieler mit sozialen Netzwerken ein, gedreht wurde an einer Schule bei Berlin.

          Später wird auch Hanna vier ganz unterschiedliche Mädchen kennenlernen, die zunehmend in den Fokus rücken. Das Social-Media-Experiment mit den Identitäten hat sich „Druck“ geschickt von den Norwegern abgeschaut. Die auf Englisch übersetzten Online-Beiträge erreichten schon in den ersten Tagen Zuschauer in Brasilien und Nordamerika. Dass hierzulande niemandem eine solche Idee gekommen ist, mag schade sein. Aber während die makellosen norwegischen Mädchen vor allem mit ihren Reizen spielen, macht „Druck“ einen realistischen Eindruck von einer Jugend im Berliner Umland. Darauf ließe sich aufbauen.

          Die Clips finden sich unter druck-serie.de, die erste große Folge ist am 23. März um 21.30 Uhr bei funk.net zu sehen.

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