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Jugendkanal von ARD und ZDF : Öffentlich-online

Was ursprünglich im Fernsehen gezeigt werden sollte, wird es nun online geben: Der von ARD und ZDF geplante Jugendkanal wird nur im Netz abrufbar sein. Bild: dpa

Der geplante Jugendkanal von ARD und ZDF soll nun tatsächlich kommen - allerdings nur im Netz, nicht im Fernsehen. Dort wird das Programm vermutlich mit weniger Auflagen versehen sein als in der klassischen Mediathek.

          Na also, geht doch. Die Ministerpräsidenten der Länder haben einstimmig beschlossen, dass aus dem Jugendkanal von ARD und ZDF ein Angebot im Internet wird. Damit trägt die Politik zumindest schon einmal den Seh- und Informationsgewohnheiten der Jüngeren Rechnung, denen ein lineares Programm im Fernsehen nicht entgegenkäme.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Jacqueline Kraege, die Leiterin der rheinland-pfälzischen Staatskanzlei, drückt es auf Anfrage dieser Zeitung so aus: „Wir sind sehr froh, dass der Weg für ein zeitgemäßes Jugendangebot freigemacht wird. Wir sehen in der Ausrichtung auf ein online-basiertes Angebot großen Chancen, dass man die Zielgruppe junger Menschen auch wirklich erreicht.“ Kein Fernsehsender, dafür alles im Netz - grämen brauchen sich die öffentlich-rechtlichen Sender darüber wahrlich nicht, wird ihr Auftrag doch abermals ausgeweitet. Die ARD findet es trotzdem zum Nörgeln.

          Dass es kein eigenes Fernsehprogramm gebe, erschwere den Start, sagte der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor. Sein Kollege Peter Boudgoust, Intendant des SWR, ist richtig angesäuert: Der Beschluss der Ministerpräsidenten entspreche nicht „dem ursprünglichen Konzept eines crossmedialen Angebots“. ARD und ZDF hätten „auf die konsequente Verschmelzung von Hörfunk, Online und Fernsehen gesetzt, ein innovativer, multimedialer, durchdachter Ansatz.“ Das tat die ARD vielleicht, das ZDF, das mit seinem Ableger ZDFneo ganz gut dasteht, tat es aber ganz bestimmt nicht.

          Zeitlich unbegrenzte Mediathek

          Entsprechend positiv fällt das Votum des ZDF-Intendanten Thomas Bellut aus, in dem er sich einen Seitenhieb auf die Kollegen der ARD nicht verkneift: Der Beschluss der Ministerpräsidenten sei „ein Ansporn, noch mehr Angebote für junge Zuschauer zu machen“. Ein Internetportal stelle „eine perfekte Ergänzung zu ZDFneo und ZDFinfo“ dar, „die bereits mit Erfolg ein jüngeres Publikum erreichen.“

          Zu klagen haben die Sender wirklich nicht: Sie werden zwei überflüssige Digitalkanäle los (ZDFkultur, Einsplus), dürfen für das Jugendprogramm bis zu 45 Millionen Euro pro Jahr ausgeben, und sie dürfen damit rechnen, dass die zeitlichen Grenzen für ihre Stücke im Netz fallen. Manche aktuellen Sendungen dürfen bislang nur sieben Tage lang online stehen, andere viele Monate oder unbegrenzt. Die „Sieben-Tage-Regel“ wird aufgehoben, und auch der „Drei-Stufen-Test“, in dem ermittelt wird, ob ein öffentlich-rechtliches Angebot den Wettbewerb mit den Verlagen und Privatsendern verzerrt.

          Für diese hat das Online-Angebot der Öffentlich-Rechtlichen einen Pferdefuß, den der Privatsenderverband VPRT gleich bemerkt hat: ARD und ZDF denken künftig noch weniger darüber nach, ob sie irgendetwas (Textportale, wie sie die Presse anbietet) nicht anderen überlassen sollten. 2016 startet der Online-Jugendkanal von ARD und ZDF. Sie müssen nur noch zusehen, dass er inhaltlich etwas hermacht.

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