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„Jugend schreibt 2021“ : „Ich wollte deren Geschichte teilen“

Julika Diener überzeugte die Jury bei der diesjährigen Preisvergabe von „Jugend schreibt“. Bild: Privat

Vier Preisträger stehen am Ende unseres Wettbewerbs „Jugend schreibt“. Ihre Geschichten faszinieren. An der Lese- und Schreibwerkstatt haben inzwischen fünfzigtausend Schülerinnen und Schüler teilgenommen.

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          Trotz Corona, trotz schwieriger Unterrichtsbedingungen und zeitweiser Schulschließungen haben die Teilnehmer des Projekts „Jugend schreibt“ im vergangenen Jahr viel Zeitung gelesen und ebenso viel für die Zeitung geschrieben. Vier Schülern ist das Schreiben so gut gelungen, dass sie gestern bei einer Online-Veranstaltung mit dem Preis der Fazit-Stiftung ausgezeichnet worden sind. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Fazit-Stiftung, Karl Dietrich Seikel, begrüßte die vier und beglückwünschte sie zu der mit jeweils 1.250 Euro dotierten Auszeichnung.

          Ursula Kals

          Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.

          Der zuständige F.A.Z.-Herausgeber Gerald Braunberger würdigte in seiner Laudatio die vier jungen Autoren und ihre Rechercheleistung unter schwierigen Bedingungen. Denn um gute Reportagen zu schreiben und aussagekräftige Interviews zu führen, sollen die jungen Autoren nichts ergoogeln, sondern Orte aufsuchen und sich ein Bild von Menschen und Ereignissen machen. Das ist gute Tradition bei „Jugend schreibt“ und gehört zum Alltag redlich arbeitender Journalisten. Und das war in den vergangenen Monaten nur unter erschwerten Bedingungen möglich. Aber junge Menschen sind zum Glück flexibel, und so wurden in diesem Jahr viele Gespräche am Telefon und via Skype geführt. Das ist keineswegs leichter, aber die Projektteilnehmer haben sich nicht abschrecken lassen und uns über ihre Lehrer viele spannende Artikel zugemailt.

          Das Engagement der Lehrerinnen und Lehrer – das betonten beide Redner – und ihr Einsatz für das Projekt konnten ganz besonders in diesem Jahr nicht hoch genug eingeschätzt werden. Denn damit steht und fällt der Erfolg der Lese- und Schreibwerkstatt, die jetzt im 34. Jahr besteht.

          David Bieber möchte eine Europareise unternehmen.
          David Bieber möchte eine Europareise unternehmen. : Bild: Privat

          Schule in Zeiten des Zweiten Weltkriegs

          Besonders positiv aufgefallen ist das Ludwigsgymnasium Saarbrücken mit seiner Lehrerin Andrea Schmidt. Ihr Kurs hat in Rekordtempo recherchiert und die Leser mit Momentaufnahmen aus dem Schulalltag in der ersten Corona-Welle versorgt. Preisträgerin Julika Diener nutzte den Standortvorteil und schrieb über Grenzgänger zwischen Deutschland und Frankreich in der Pandemie. Julika stellte sich die Frage, wie denn Unterricht zu anderen schwierigen Zeiten abgelaufen ist, und befragte Zeitzeugen. In ihrem Bericht „Unterirdischer Unterricht“ schreibt sie über Schule in Kriegszeiten. Ein spannender Artikel, der manches relativiert, was aktuell beklagt wird. Ein weiterer lesenswerter Text ist Julikas vor zwei Tagen erschienenes Porträt einer Galeristin; einer jungen Frau, die sich früher in Ausstellungen langweilte und nun ihr Geld mit Kunst verdient. Dass Julika fließend Französisch spricht, hat ihr beim Ausflug in den Journalismus geholfen. Neben ihren vielen Hobbys von Yoga bis zum Zeichnen hat sie, als das noch möglich war, als Servicekraft in der Gastronomie gearbeitet. Studieren möchte sie „Umwelttechnik und erneuerbare Energien“.

          Moritz Rödel aus Kaiserslautern schreib über die „Armenspeisung“.
          Moritz Rödel aus Kaiserslautern schreib über die „Armenspeisung“. : Bild: privat
          Pedro Liedo Echeberria wohnt in Bilbao.
          Pedro Liedo Echeberria wohnt in Bilbao. : Bild: Privat

          Ebenfalls ausgezeichnete Artikel hat David Bieber geschrieben, er besucht das Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium im unterfränkischen Münnerstadt und wird von seinem Lehrer Peter Rottmann betreut. David stellte eine Bestatterakademie vor und berichtete, was auf einem sogenannten „Lehrfriedhof“ so alles erlernt wird und warum junge Menschen sich einem Beruf mit dem Tod zuwenden.

          Das ist ein wichtiger Aspekt des Projekts: Die Schüler suchen sich ihre Themen selbst, und so gelingt es, dass die Leser immer wieder mit überraschenden und neuen Dingen konfrontiert werden. David berichtete über eine Reise unter Corona-Bedingungen, porträtierte eine Buchbindermeisterin und einen Ordensbruder. David interessiert sich für Sportkegeln, Krimis, Nachhaltigkeit und Plastikreduzierung im Alltag und beschäftigt sich mit der Transkription und Übersetzung von Songtexten zur Online-Publizierung. Er hofft auf einen dualen Studienplatz im Bereich International Business und auf eine Europareise.

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