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Journalisten und Verlagsmanager : Das Regime der Flanellmännchen

  • -Aktualisiert am

Journalisten und Verlagsmanager waren sich noch nie ganz grün Bild: dpa

Die Frequenz mancher Sender ist höher als der IQ ihrer Betreiber, und bei vielen bunten Blättern sind die Redakteure dümmer als die Leser. Trotzdem glauben Journalisten notorisch, alles besser zu wissen. Doch zumindest in den Fällen, in denen das stimmt, sollten die Verlagsmanager auf sie hören.

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          Früher war nicht fast alles besser, aber fast alle. Die einen beäugten misstrauisch die anderen, weil sie Geld ausgaben, das von ihnen rangeschafft wurde; neidisch, weil sie die schöneren Mädchen abkriegten, die statt der Buchhalter lieber jene liebten, die ihnen ihr erstes Buch zu widmen versprachen; sprachlos, weil sie wortreich die Welt verändern wollten, in der das Wort Rendite nicht vorkam - kurzum: weil sie unberechenbar waren und sich nicht in morphologische Kästen zwängen ließen.

          Unberechenbares ist der natürliche Feind von Kaufleuten und Buchhaltern. Wir nannten deshalb Verlagsmanager abschätzig Erbsenzähler. Die wiederum drohten im Gegenzug mit Kürzung der Spesen. Es herrschten also klare Verhältnisse, denn nichts geht in dieser Branche über ein belebendes Feindbild, solange sich die Akteure im Fahrstuhl oder in der Tiefgarage auf Augenhöhe begegnen.

          Nun, da die letzten Vertreter dieser geliebt-verhassten Art auf der Roten Liste gefährdeter Spezies stehen, brauchen Journalisten, Fotografen, Grafiker in real existierenden Umständen Manager, Kaufleute, Buchhalter. Ohne die müssten wir unsere Texte, Fotos, Layouts in Fußgängerzonen oder Bierzelten vortragen und ausstellen, anschließend beim Volk um Zugaben bitten. Die Alternative, sich einen anständigen Beruf zu suchen, war nie recht prickelnd.

          Erstklassige Dramen

          Ohne die Betriebswirte hätten wir heute nämlich keine feste Bleibe. Sie sind die Baumeister. Errichten für uns den Betrieb, in dem wir wohnen dürfen. Sorgen dafür, dass die Statik des Gebäudes stimmt, die Mauern dick genug sind, das Dach nicht leckt und das Ganze auf festem Boden steht. Ohne sie wäre das, was wir am liebsten machen, nicht machbar. Aber ohne uns wären sie alle nichts als Macher - Manager, Kaufleute, Buchhalter, die Überwachungsvideos für Lidl entsorgen, bei der Bayerischen Landesbank die Kredite prüfen, eine Wurstfabrik von Hoeneß leiten oder eine Steuererklärung für Zumwinkel abgeben müssten. Alles wichtig. Aber eben nicht so glamourös und prestigeträchtig wie das aufregende Leben im zweitältesten Gewerbe der Welt.

          Für einen Neubau oder die Renovierung eines Altbaus in diesem Gewerbe braucht es beide, den Journalisten und den Kaufmann. Software und Hardware. Im Zusammenspiel entstehen erstklassige Dramen und Komödien. Falls die einen, wir also, jedoch versagen, schläft das Publikum ein, wechselt den Provider und begeistert sich für andere Software. Wahres ist, mag es noch so schön und gut sein, eine Ware, die sich letztlich verkaufen muss. Alle großen Nachkriegsverleger, berufene Journalisten, hatten solide Baumeister an ihrer Seite, als sie ihrer Phantasie Flügel verliehen, ihrem Instinkt vertrauten, Ideen unters Volk brachten, Herren der öffentlichen Meinung wurden, Blätter machten, vor vollen Kirchen predigten. Rudolf Augstein, Werner Friedmann, Henri Nannen, Axel Springer. Alle stets unterschiedlicher Meinung, aber einig, dass es im Zweifelsfall immer auf die Köche ankommt, nicht auf die Kellner.

          Kellner halten sich für Köche, Köche müssen kellnern

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