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Journalisten-Umfrage : Gedruckt wird unter Druck

  • -Aktualisiert am

Prekärer Arbeitsplatz: ein junger Journalist am Schreibtisch Bild: dpa

Die Redaktionen schrumpfen, die Repressionen nehmen zu, die Zeit läuft davon - den deutschen Redakteuren fällt es schwer, gegen das Diktat von Wirtschaft und Internet anzuschreiben. Eine Umfrage bringt ans Licht, wie stark sie unter Druck stehen.

          Sechzig Prozent der Journalisten aus Lokal-, Politik- und Wirtschaftsredaktionen haben schon Eingriffe von außen in ihre Berichterstattung erlebt - zwei Drittel davon sogar mehr als einmal. Das ergab eine Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach, deren Ergebnisse dessen Geschäftsführerin Renate Köcher am Dienstag in Berlin vorstellte. Das zentrale Thema sei dabei wirtschaftlicher Druck, sagte Köcher auf einer Veranstaltung des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Bundeszentrale für politische Bildung: „Die große Mehrheit vor allem der Lokaljournalisten hat dies schon selbst erfahren.“

          Beeinflussungsversuche gingen vor allem von Unternehmen, Lokalpolitikern, aber auch Bürgerinitiativen aus. Die mehr als 400 befragten Redakteure - viele davon in leitender Position - sähen die wirtschaftliche Lage der Branche und den Zeitmangel bei der Recherche in schrumpfenden Redaktionen als ihre größten Probleme, berichtete Köcher weiter. Das Internet habe außerdem zu einer Beschleunigung der Berichterstattung geführt. Die Meinungsforscherin forderte den Staat dazu auf, nicht nur Funk und Fernsehen durch Zwangsgebühren zu „alimentieren“, sondern auch Printmedien zu stärken.

          „Der Staat hat die Pflicht, sich schützend vor die Presse zu stellen“

          Besorgt über Einflüsse der elektronischen Medien auf Zeitungen und Zeitschriften zeigte sich auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Schnelligkeit gehe in der Presse mittlerweile oft vor Gründlichkeit, Unterhaltung vor Informationen, Personalisierung vor Sachverhalten, Schlagzeilen vor Analysen. Dabei benötige gerade eine demokratische Gesellschaft die Auswahl relevanter Meldungen aus dieser Informationsflut durch Redaktionen: „Das Internet kann vieles nicht, was Zeitungen können.“ Als größte Gefahr für die Pressefreiheit bezeichnete Astrid Frohloff, Vorstand von „Reporter ohne Grenzen“, die Überwachung durch den amerikanischen Geheimdienst NSA. Diese gefährde die Sicherheit von Informanten.

          Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) warnte zwar auch vor der „Datensammelwut“ mancher Behörden und verwies etwa auf Pläne des Bundesnachrichtendienstes, soziale Netzwerke wie Facebook in Echtzeit zu durchleuchten. Doch eher werde sich die Politik künftig mit Zugriffen von privaten Unternehmen wie dem Suchmaschinenbetreiber Google zu beschäftigen haben. Der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier unterstrich, dass die Richter die Pressefreiheit nicht nur als Abwehrrecht gegen die Obrigkeit verstünden: „Der Staat hat die Pflicht, sich schützend vor die Presse zu stellen.“ So müsse er mit dem Kartellrecht für publizistische Vielfalt sorgen. Einen Anspruch auf staatliche Förderung oder eine Bestandsgarantie gebe es für einzelne Presseorgane jedoch nicht.

          Matthias Koch, Chefredakteur des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ des Madsack-Konzerns, zog eine Parallele zwischen politischen und wirtschaftlichen Gefahren. „Schlechte Gesetze zur inneren Sicherheit können Zeitungen bei der Recherche stören, schlechte Gesetze zum Arbeitsrecht können Zeitungen in ländlichen Gegenden in den Ruin führen“, warnte er mit Blick auf Vorratsdatenspeicherung und den geplanten Mindestlohn.

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