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Journalisten in Ägypten : Mein Herz blutet für euch, sagte er

Symbolische Beerdigung für den getöten Journalisten Ahmed Mohammed Mahmud Bild: dpa

Wie gefährlich es ist, dieser Tage aus Kairo zu berichten, haben die Reporter Souad Mekhennet und Nicholas Kulish erfahren. Sie landeten beim Geheimdienst. Sie bezeugen, wie Menschen gefoltert werden.

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          Dass die Meinungs- und Pressefreiheit in Ägypten wenig gilt, hat die Welt in den vergangenen Tagen erfahren. Mit allen Mitteln sucht die Regierung die Opposition niederzuhalten, der Protest aber lässt sich nicht unterdrücken. Die Öffentlichkeit auszuschalten, hat das Regime mit drakonischem Vorgehen probiert, 72 festgenommene Journalisten hat die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ gezählt, 75 Medienleute seien angegriffen oder bedroht worden, der Verbleib von sieben Reportern ist ungewiss, Büros und Studios wurden überfallen und zerstört, ein ägyptischer Journalist der Zeitung „Al Taawun“ wurde beschossen und erlag seinen Verletzungen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Anhänger des Präsidenten Husni Mubarak machten „regelrecht Jagd auf Mitarbeiter internationaler Medien in Kairo“. Die Reporter Souad Mekhennet und Nicholas Kulish von der „New York Times“ können davon berichten, sie befanden sich am Mittwoch und Donnerstag der vergangenen Woche in der Hand des ägyptischen Geheimdienstes Mukhabarat. Bis zuletzt wussten sie nicht, ob sie wieder freikämen.

          Gestoppt worden waren die beiden Reporter, die im Konvoi mit einem Team des ZDF unterwegs waren, als sie sich auf dem Weg von Alexandria nach Kairo befanden. An einem Kontrollpunkt gab es große Aufregung, weil sich im Wagen der Reporter die Kameraausrüstung des Senders befand. Zwei Polizisten in Zivil stiegen zu und dirigierten den Fahrer zu einem geheimen Stützpunkt der Polizei. Nun begann eine Odyssee. Die Polizei übergab die Journalisten an die Armee. Doch in deren Gewahrsam blieben sie nicht lange, sie wurden dem Geheimdienst übergeben. Was das bedeuten konnte, vermochte Souad Mekhennet den Worten eines Soldaten zu entnehmen, der sagte: „Mein Herz blutet für euch.“

          Die Geheimdienstleute hätten ausgesehen wie Demonstranten

          In der Zentrale des Geheimdienstes wurden die „New York Times“-Reporter durchsucht, ihre Mobiltelefone wurden konfisziert. Getrennt wurden die beiden und ihr ägyptischer Fahrer verhört. „Aus den Nebenräumen“, sagte Souad Mekhennet im Gespräch mit dieser Zeitung, „konnte ich die Schreie von Menschen hören, die geschlagen wurden.“ Auf die Frage, wo sie sich befinde, bekam sie zur Antwort: „Ihr seid nirgendwo.“ Die Bitte, die Botschaft zu verständigen, wurde abgelehnt, stattdessen sollte die Reporterin ein auf Arabisch verfasstes Papier unterschreiben, was sie verweigerte. Mit verbundenen Augen führten die Geheimdienstleute die Reporter und ihren Fahrer in einen Raum, in dem sie die Nacht verbringen sollten. „Und wir bekamen mit, wie die ganze Nacht über Menschen geschlagen wurden“, sagt Souad Mekhennet. „,Du bist ein Verräter! Du arbeitest mit Ausländern zusammen', schrieen die verhörenden Beamten. In einem Fall gehe ich fest davon aus, dass es sich um einen Ägypter handelte, der - wahrscheinlich auf dem Tahrir-Platz - mit Journalisten gesprochen und die Regierung kritisiert hatte. Von anderen Kollegen haben wir gehört, dass ihre Mitarbeiter abgeführt worden waren.“

          Zwischenzeitlich wurde den Reportern erklärt, man wisse, dass sie „sauber“ seien, und behalte sie nur zu ihrem eigenen Schutz in Gewahrsam. Gehen durfte das Team aber noch lange nicht und auch nicht Kontakt zur deutschen oder amerikanischen Botschaft aufnehmen. Die Geheimdienstleute, erzählt Souad Mekhennet, hätten ausgesehen wie Demonstranten, sie trugen Jeans und T-Shirts. Bei den Demonstrationen sei aufgefallen, dass bei Interviewsituationen permanent Leute mit Handykameras mitfilmten, um so herauszufinden, wer mit Journalisten spricht.

          Zuerst würden die Ausländer freigelassen

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