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Urteil zu „Rabauken-Jäger“ : Der beleidigte Waidmann

  • -Aktualisiert am

Zum ersten Mal ist vor einem deutschen Gericht über das Wort „Rabauke“ verhandelt worden. Es gilt jetzt doch nicht als Beleidigung. Bild: dpa

Ist der Begriff „Rabauken-Jäger“ eine Beleidigung oder nicht? Das hatte das Oberlandesgericht Rostock zu entscheiden. Angeklagt war ein Redakteur des „Nordkurier“. Er kann aufatmen.

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          Thomas Krause kann aufatmen. Der Journalist des „Nordkurier“ wurde vom Oberlandesgericht Rostock freigesprochen. Seine Verurteilung wegen Beleidigung eines Jagdpächters wurde in der Revisionsinstanz aufgehoben. Krause muss nun nicht tausend Euro Strafe wegen des von ihm verwendeten Begriffs „Rabauken-Jäger“ zahlen. Damit hatte der Journalist einen CDU-Kommunalpolitiker charakterisiert, der ein totes Reh hinter seinem Auto, an einem Seil angebunden, über eine Straße geschleift hatte. Der Jäger gehört dem gleichen Kreisverband an wie die CDU-Justizministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Uta-Maria Kuder. Der Generalstaatsanwalt hatte die zuständige Staatsanwaltschaft zwei Mal angewiesen, das Strafverfahren gegen den Journalisten aufzunehmen – die Staatsanwälte vor Ort wollten es zuvor wegen Geringfügigkeit einstellen.

          Nun hat das Oberlandesgericht Rostock entschieden: Der Begriff „Rabauke“ stelle eher eine harmlose Herabsetzung dar. Er bezeichne in der Regel einen jungen ungestümen Mann. Da der Jagdpächter, wie in Krauses Artikel beschrieben, ein älterer Herr sei, zeige „aus Sicht des objektiven Betrachters eine feuilletonistisch-ironisierende Verwendung dieses Begriffs“. Zudem sei die Meinungsfreiheit in diesem Fall vorrangig, der Ehrschutz müsse zurücktreten. Die personale Würde des Jägers werde nicht in Zweifel gezogen. Es liege auch keine Schmähkritik vor, trotz der Berichterstattung „in überspitzer feuilletonistischer und zum Teil umgangssprachlicher Weise“. Dies geschehe jedoch jederzeit mit gewahrtem Sachbezug zum kritisierten Verhalten des Jägers.

          Verhalten des Jägers „durchaus kritikwürdig“

          Ein besonders kritischer Blick auf sein Verhalten sei dem früheren Kommunalpolitiker zuzumuten, da es sich bei ihm um eine gesellschaftlich herausgehobene Persönlichkeit handele. Das Verhalten des Jagdpächters sei – so das Gericht – „durchaus kritikwürdig“. Für den Journalisten spreche, dass er versucht habe, den Jäger zu erreichen. Auch die von Krause aus dem Internet zitierte Formulierung „Drecksjäger“ stelle keine Beleidigung dar, er habe sich den Begriff nicht zu eigen gemacht. Der Redakteur Thomas Krause sagte dieser Zeitung: „Ich bin erleichtert, aber ein anderes Urteil hätte es auch nicht geben dürfen. Das Oberlandesgericht hat einfach seriös entschieden.“

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