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Journalismus in Mexiko : Das Gift des Misstrauens

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So verhärtet die politischen Lager in Wahlkampfzeiten waren, so entzweit stehen sie sich auch acht Monate nach Beginn der Amtszeit des neuen Präsidenten gegenüber. AMLO und seine Anhänger pflegen das Freund-Feind-Denken später Sieger: Entweder ist man für López Obrador, oder man ist gegen ihn.

Flores Sobranes wurde von Unbekannten erschossen

Die Folgen des Umgangs des neuen Präsidenten mit Kritikern zeigte sich im Februar dieses Jahres, als AMLO ein geplantes Infrastrukturprojekt der mexikanischen Energiekommission (CFE) im Bundesstaat Morelos verteidigte (vor dem Amtsantritt war er ein entschiedener Gegner gewesen). Dabei griff er indirekt den indigenen oppositionellen Radiomoderator Samir Flores Soberanes an, der dem Protest gegen das Energieprojekt die maßgebliche Stimme gab. Dieser kritisierte wenige Tage später auf einer öffentlichen Veranstaltung mit einem Delegierten von López Obradors Partei „Morena“ abermals vehement den geplanten Bau. Tags darauf, am 20. Februar, wurde Flores Sobranes von Unbekannten erschossen. Der Ermordete war nicht nur Journalist und Umweltaktivist gewesen, er hatte auch dem Nationalen Kongress der Indigenen (CNI) angehört. Seit Amtsantritt von AMLO sind vierzehn CNI-Mitglieder, darunter drei Radiomoderatoren, ermordet wurden.

Trotz der andauernden Gewalt gegen Journalisten sei auf institutioneller Ebene dennoch ein politischer Wandel zu sehen, sagt Jenaro Villamil Rodríguez, Direktor des Öffentlichen Rundfunks des Mexikanischen Staates (Sistema Público de Radiodifusión del Estado Mexicano, abgekürzt SPR), im Gespräch mit dieser Zeitung. Mit seinem Amtsantritt habe Obrador ein Mediensystem geerbt, „das von öffentlichen Geldern bestimmt wurde und einem Erpressungsmodell entsprach“, sagt Villamil. Jahrzehntelang flossen staatliche Gelder in private und öffentliche Medienhäuser, und die Politik erkaufte sich damit Einfluss auf die Berichterstattung und machte die Medien von den Zahlungen abhängig.

Mexikanische Formel für das öffentliche Rundfunksystem

Geprägt wurde das System durch die Partei der Institutionalisierten Revolution, PRI (Partido Revolucionario Institucional), die das Land auf Bundesebene von 1929 bis 2000 durchgehend beherrscht hatte. Regiert wurde nicht selten mit einem Schulterschluss zwischen den Kabinetten der PRI (und ab dem Jahr 2000 auch der PAN, der konservativen Partei der Nationalen Aktion) und den Medienhäusern. Damit sei nun Schluss, sagt Villamil, der viele Jahre für das investigative Wochenmagazin „Proceso“ tätig war und nun für den Ausbau der öffentlichen Radiostationen zuständig ist. Als Vorlage dienen ihm dabei das britische und das deutsche Modell. Sie scheinen ihm „am geeignetsten“, um eine „mexikanische Formel für das öffentliche Rundfunksystem zu entwickeln“.

Tatsächlich hat sich auch die Kommunikationsstrategie des jetzigen Präsidenten im Vergleich zu den Vorgängerregierungen verändert. So beginnt in Mexiko nun jeder Tag um sieben Uhr mit einer Pressekonferenz des Präsidenten. Über einen Youtube-Kanal können die Konferenzen live mitverfolgt werden.

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