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Zur Primetime auf ProSieben : Joko und Klaas machen Platz für ernste Botschaften

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Sendezeit für ernste Botschaften: Die Moderatoren Klaas Heufer-Umlauf (l.) und Joko Winterscheidt Bild: dpa

Die Moderatoren Joko und Klaas belustigen normalerweise die Zuschauer mit jugendlichen Späßen. Jetzt stellten sie Seenotrettung, Rechtsextremismus und Obdachlosigkeit in den Mittelpunkt.

          Die Comedy-Moderatoren Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf haben ernsten Botschaften 15 Minuten beste Sendezeit verschafft. Am Mittwochabend schilderten Seawatch-Kapitänin Pia Klemp, Sozialarbeit Dieter Puhl und Autorin Birgit Lohmeyer ihre Anliegen vor einem Millionenpublikum auf ProSieben. Nach Angaben des Senders wusste niemand vorab, was in der Live-Sendung passieren würde. Die beiden TV-Stars hatten am Vortag bei einer Spielshow eine Viertelstunde zur Hauptsendezeit gewonnen. „Wir wollen die Zeit den Menschen schenken, die mehr zu sagen haben als wir“, erklärte das Moderatoren-Duo und überließ das Rampenlicht und den drei Engagierten.

          Klempt schilderte die Situation auf ihrem Schiff „Iuventa 10“, das im Mittelmeer Flüchtlinge gerettet hatte und zunächst in keinen sicheren Hafen einlaufen durfte. Die Besatzung werde kriminalisiert, obwohl sie Leben retten wolle, beklagte sie. „Ich komme aus einer Generation, die damit aufwuchs, ihre Großeltern fragen zu müssen: ’Was habt ihr damals dagegen getan?’ Jetzt bin ich Teil einer Generation, die sich von ihren Enkeln die gleichen Fragen gefallen lassen muss“, sagte Klempt. Sie forderte „Solidarität mit Asylsuchenden und Migranten, Solidarität mit allen Helfern der Seenotrettung“. Wenn nicht sofort etwas passiere, dann „blicken wir bald wieder auf tausende Tote“.

          Puhl, der zehn Jahre lang die evangelische Bahnhofsmission am Bahnhof Zoo in Berlin leitete, berichtete von der Obdachlosenhilfe in der Hauptstadt. „Ich kenne keinen einzigen Obdachlosen in Berlin und im ganzen Bundesgebiet, dem es gut geht“, sagte der Sozialarbeiter.

          Demokratischer Gegenwind

          Lohmeyer kämpft im mecklenburgischen Jamel gegen rechtsextreme Gewalt. Sie wollte „in einem kleinen Dorf demokratischen Gegenwind“ bieten. An Betroffene appellierte sie: „Wehrt euch, lasst euch nicht einschüchtern.“ Nach Lohmeyers Worten blieb die Bühne leer; wenige Augenblicke später endete die Sendung.

          ProSieben kündigte an, die Sendung nachträglich zum Abruf bereitzustellen. Es liege dem Sender am Herzen, „dass diese Geschichten über die Live-Sendung hinaus gehört werden“, hieß es in einer Mitteilung. Sollten Joko und Klaas erneut 15 Minuten Sendezeit erspielen, sollten diese „einmalig und ausschließlich live auf ProSieben zu sehen sein“ – wie ursprünglich auch für die aktuelle Sendung vorgesehen.

          Die „Iuventa“ kreuzte bis 2017 auf dem Mittelmeer und nahm Flüchtlinge in Not auf.

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