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John Rabe : Der Oskar Schindler Chinas kommt ins Fernsehen

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Retter Abertausender: Siemens-Manager John Rabe, im Film gespielt von Ulrich Tukur Bild: Majestic / Jörg Gruber

Vor siebzig Jahren geschah das Massaker von Nanjing. Jetzt dreht das ZDF einen Film über John Rabe, der damals Abertausende Chinesen rettete. Ulrich Tukur und Daniel Brühl stehen in Schanghai mit internationalen Größen wie Steve Buscemi und Anne Consigny vor der Kamera.

          Hunderttausende niedergemetzelt, vergewaltigt, Frauen und Kinder, Leichenberge in den Straßen, aufgespießte Köpfe, zerbombte Straßenzüge - das „Massaker von Nanjing“ vom 13. Dezember 1937 hat sich in das Bewusstsein der Chinesen gegraben. Bis heute belastet es das Verhältnis zum einstigen Kriegsgegner Japan. Vor siebzig Jahren hatten die japanischen Truppen in der damaligen chinesischen Hauptstadt Nanjing schätzungsweise 300.000 Menschen ermordet, meist Zivilisten.

          Dass es nicht noch mehr wurden, verdankt die Stadt am Jangtse dem Mut eines Deutschen und seiner Helfer. Der damalige Siemens-Manager John Rabe hatte in und um das Gelände seiner Firma eine internationale Schutzzone eingerichtet, in die zeitweise mehr als 200.000 Chinesen flüchteten. Im Privathaus des gebürtigen Hamburgers drängten sich sechshundert Schutzsuchende. Immer wieder verhinderte Rabe das Vorrücken der Japaner in die Schutzzone, indem er sie an das Bündnis Japans mit dem NS-Regime erinnerte.

          Eine der größten deutschen Produktionen aller Zeiten

          „Das ist eine große Geschichte und trotzdem kaum bekannt, ein Stoff, den man erzählen muss und der auf die Leinwand gehört“, sagt Daniel Brühl. Der Schauspieler gehört zu einer dreihundertköpfigen deutsch-chinesischen Filmcrew, die diese Geschichte vor dem Vergessen retten will. Es könnte ein zweites „Schindlers Liste“ werden. Wie Oskar Schindler war John Rabe NSDAP-Mitglied. Während Schindler in Polen Tausende Juden vor dem Holocaust bewahrte, rettete Rabe mit beispielhafter Zivilcourage und Einfallsreichtum Chinesen vor der japanischen Armee. „Man möchte doch ein anständiger Kerl bleiben“, schrieb der damals Fünfundfünzigjährige in sein Tagebuch. „Man kann doch seine Untergebenen mit ihrem Anhang nicht im Stich lassen. Das ist doch selbstverständlich.“

          Dora Rabe (Dagmar Manzel) versucht, ihren Mann zur Abreise aus Nanking zu überreden

          Über Rabes Geschichte dreht der oscarprämierte Regisseur und Drehbuchautor Florian Gallenberger jetzt gerade eine der größten deutschen Produktionen aller Zeiten. Ulrich Tukur, Gottfried John und Dagmar Manzel stehen mit internationalen Größen wie Steve Buscemi und Anne Consigny sowie asiatischen Kollegen vor der Kamera. Der Film soll im nächsten Winter im Kino und im Fernsehen gezeigt werden. Koproduziert wird „John Rabe - eine wahre Geschichte“ vom ZDF und vom amerikanischen Bezahlsender HBO.

          Die Deutschen hier nehmen Urlaub, um mitzuwirken

          Ein einstiger Flugplatz dient als Kulisse für die Siemens-Fabrik. Über den zu einem Elektrizitätswerk umgestalteten Hangars weht die Hakenkreuzfahne, Fensterhöhlen sind rußgeschwärzt, in eine Mauer hat sich das Wrack eines japanischen Kampfflugzeugs gebohrt. Mit einem Budget von siebzehn Millionen Euro dreht Florian Gallenberger notgedrungen in Schanghai. Er habe so viel wie möglich in Nanjing drehen wollen. „Nur ist die Stadt während des Massakers zum großen Teil zerstört worden, so dass es in Nanjing das China von 1937 nicht mehr gibt. Das darzustellen ist schon in Schanghai schwierig genug, weil die Stadt ihre Vergangenheit rigoros ins Jenseits befördert hat.“

          So verwandelt sich die Aula einer früheren französischen Schule in einen prächtigen Ballsaal, ein Hotel wird zur deutschen Botschaft. Hunderte Komparsen erfüllen die Kulissen mit Leben. In Schanghai lebende Deutsche - Manager, Ingenieure und Banker - nehmen Urlaub, um mitzuwirken. Einheimische Laiendarsteller fühlen sich geehrt: Dass es einen Deutschen gab, „der uns Chinesen so geholfen hat, das bewegt uns sehr“, sagt einer. „Ich bin dankbar, in diesem Film zu spielen.“

          Hauptsache, der Film werde überhaupt gedreht, sagt Gallenberger

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