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John Cleese klärt auf : Cancel Culture in leichter Sprache

Die Erkenntnis, dass manche Leute einen ohnehin nie mögen werden, macht für Cleese vieles leichter. Bild: INTERTOPICS/MediaPunch

Der Komiker John Cleese hat mit seiner legendären Serie „Fawlty Towers“ selbst erlebt, was es heißt, gecancelt zu werden. In einer neuen Serie will er die „Cancel Culture“ ergründen. Das verspricht Aufklärung.

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          John Cleese weiß, was „Cancel Culture“ ist. Denn der Mitbegründer der legendären Komikertruppe Monty Python’s Flying Circus ist selbst schon gecancelt worden.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Eine Folge der von ihm und seiner damaligen Ehefrau Connie Booth in den Siebzigern konzipierten und seither unzählige Male wiederholten Serie „Fawlty Towers“, die auf der vom British Film Institute herausgegebenen Liste der beliebtesten britischen Fernsehsendungen auf Platz eins steht, wanderte im vergangenen Jahr bei dem zur öffentlich-rechtlichen BBC gehörenden Streamingdienst UKTV wegen angeblichen Rassismus zeitweilig in den Giftschrank.

          Das war die Folge, in der Cleese als Basil Fawlty, ziemlich durchgeknallter Chef des Hotels Fawlty Towers, seine deutschen Gäste mit Bemerkungen zum Zweiten Weltkrieg vor den Kopf stößt („Don’t mention the War!“ wurde zum geflügelten Wort) und schließlich im Stechschritt durch den Frühstückssaal marschiert.

          Doch nicht deswegen wurde „Fawlty Towers“ suspendiert, sondern wegen einer Be­merkung des Majors Gowen, Dauergast im Hotel, über das Cricketteam der Westindischen Inseln. Das Ganze ist feinste britische Comedy, die heute aber offenbar nicht mehr jeder versteht.

          Was ist „Canceln“ und wo führt es hin?

          John Cleese will nun, wie britische Medien berichten, in einer Serie für den Sender ITV ergründen, was es mit dem Canceln auf sich hat. In „Cancel Me“ geht Cleese, wie es heißt, der Frage nach, „warum eine neue, ,woke’ Generation versucht, die Regeln, was öffentlich gesagt werden darf und was nicht, neu zu schreiben“. Er werde mit Menschen sprechen, die gecancelt wurden, und mit solchen, die Cancel-Aktionen befeuert haben.

          „Ich freue mich“, sagt der inzwischen 81 Jahre alte Cleese, „dass ich die Chance habe, vor der Kamera alle Aspekte der sogenannten political correctness zu ergründen. Es gibt da so vieles, das ich nicht verstehe, etwa, warum die unübertroffene Idee ,Lasst uns freundlich zu Menschen sein’ in manchen Fällen ad absurdum geführt wurde.“

          Als die Fawlty-Towers-Folge „The Germans“ kassiert wurde (sie kehrte mit einem vorangestellten Warnhinweis schließlich zurück), hatte Cleese als Humorerklärer zu dem Thema in der australischen Presse eigentlich schon gesagt, was zu sagen ist: „Eines der Dinge, die ich in den vergangenen 180 Jahren gelernt habe, ist, dass Menschen ein sehr unterschiedliches Humorverständnis ha­ben. Manche verstehen, dass man, wenn man Figuren Unsinn von sich geben lässt, nicht deren Ansichten verbreitet, sondern sie veralbert. Der Major war ein Fossil aus vergangenen Zeiten. Wir haben nicht seine Ansichten unterstützt, sondern uns über sie lustig gemacht. Wenn sie das nicht erkennen – wenn die Leute zu dumm sind, das zu begreifen –, was soll man da sagen?“ In „Cancel Me“ wird John Cleese dazu bestimmt etwas einfallen.

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