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Jörg Pilawa : Der Quizonkel

  • -Aktualisiert am

Ab Montag, 18 Uhr, ARD: Jörg Pilawa in „Quizduell“ Bild: NDR/Max Kohr

Der Moderator Jörg Pilawa ist Symbol für ein Unterhaltungsfernsehen, aus dem alles Überraschende, Anarchische, möglicherweise Anstößige verbannt wurde. Doch jetzt wagt er ein Experiment.

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          Ach, sagt der Showmaster, er betreibe zwar ein eigenes Mode-Label, aber er sei schon ganz froh, dass andere Leute für ihn die Anzüge aussuchen, die er in seinen Fernsehsendungen trägt. Viele mögliche Farbvarianten gebe es ja nicht: Dunkelblau, Schwarz, Anthrazit. Sowie, „wenn wir mal ganz verrückt sind“, eine Kombination daraus. Sobald er was anderes mache - „neulich hatte ich so einen knallig hellblauen Anzug an“ - habe er am nächsten Tag dann 150, 200 Zuschauerbriefe zu beantworten. Da schütze man sich auch selbst - zu schräg darf’s nicht sein.

          Das ist aus keinem Interview von vor dreißig Jahren, sondern aus dem vergangenen Jahr, erschienen im Männermagazin „GQ“. Es ist eine gute Mahnung, dass öffentlich-rechtliche Fernsehunterhaltung immer noch zu einem Großteil für Leute gemacht wird, die Beschwerdebriefe schreiben, wenn der Moderator ein Sakko trug, das ihnen zu schräg war. Auch deshalb wird öffentlich-rechtliches Unterhaltungsfernsehen von Leuten wie Jörg Pilawa gemacht.

          Der brave, fleißige Fernsehhandwerker

          Es ist natürlich ungerecht, sich an ihm abzuarbeiten, wenn er nur das tut, was von ihm erwartet wird, und das nicht einmal schlecht. Aber er ist eben auch ein Symbol für ein Unterhaltungsfernsehen, aus dem alles Überraschende, Anarchische, möglicherweise Anstößige verbannt wurde. Das Bild des braven, fleißigen Fernsehhandwerkers wird nur dadurch gestört, dass Pilawa über viele Jahre in jeden Journalistenblock diktierte, dass er eigentlich gerne weniger arbeiten würde.

          Er betont auch heute gerne noch, wie viele andere schöne und wichtige Sachen es im Leben gibt, die nichts mit Fernsehen zu tun haben, und dass er auf keinen Fall mehr eine große Sendung machen wolle, mit der er dann so gewaltig im Mittelpunkt der Öffentlichkeit steht, weshalb er auch froh sei, „Wetten dass . .?“ abgelehnt zu haben. Das ist alles wahr und sympathisch, aber dem Eindruck von Gelassenheit würde es vielleicht helfen, wenn er es nicht dauernd betonen würde.

          Nach seinem unglücklichen Wechsel von der ARD zum ZDF und zurück durfte er im Ersten eine Jubiläums-Wiederaufnahme von „Einer wird gewinnen“ moderieren, einer Show, die ein ganz besonderes Ärgernis war, weil sie den europäischen Gedanken, mit dem sie begründet wurde, verriet. Es war eine Europa-Show, die eine Gemeinschaft zeigte, die praktisch an den Ostgrenzen Deutschlands endete und in der Griechenland so wenig vorkam wie Rumänien; eine scheinbar moderne Unterhaltungswelt im Jahr 2014, die enger und kleiner, piefiger und desinteressierter war als vor 50 Jahren.

          Immerhin, ein Experiment

          Das war sicher nicht Pilawas Schuld, sondern von der ARD so gewollt. Aber Pilawa schien schon der passende Moderator dafür. Er hat einen Verbündeten: die „Bild“- Zeitung. Sie suchte schon für die EWG-Sendung öffentlichkeitswirksam eine Assistentin - die ARD betonte damals, dass das keine Kooperation des Senders mit dem Blatt war (die Beziehungen sind eher schwierig), sondern auf persönliche Kontakte Pilawas zurückzuführen sei. Auch für seine neue Show, das „Quizduell“, trommelt „Bild“ und darf eine eigene Leser-Mannschaft rekrutieren.

          Pilawa bedankt sich dafür: „Ich freue mich total auf das ,Bild‘-Team beim Quizduell. Damit bekommt das Wort BILDungsfernsehen eine völlig neue Bedeutung!“ Von Montag an moderiert er zunächst drei Wochen lang im Vorabendprogramm eine Variante des Mobiltelefonspiels. Er ist wieder der Quizonkel, was überhaupt kein ehrenrühriger Titel ist, wenn man nicht das Gefühl hätte, dass Pilawa selbst sich so oft aus dieser Nische hätte befreien wollen.

          Es ist, immerhin, ein Experiment: der Versuch, den Erfolg einer Mobilanwendung ins Fernsehen zu übertragen und Kandidaten im Studio auf diesem Weg live gegen das „Team Deutschland“ antreten zu lassen. Pilawa selbst beschreibt auch den Sendeplatz um 18 Uhr als ein Abenteuer: Wie der funktioniere, sei ihm im Gegensatz zur 19.20-Uhr-Schiene, die er früher bespielte, gar nicht klar. Bestimmt ist er nichts für einen hellblauen Anzug.

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