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Jeff Bezos : Gordon Gekko geht zur Post

  • -Aktualisiert am

Perfekte Besetzung für den Watergate-Skandal: Robert Redford und Dustin Hoffmann als Bob Woodward und Carl Bernstein Bild: AP

Im Internet halten manche Jeff Bezos für den lieben Gott: Zukunftsorientiert, unsentimental, durch und durch digital. Mehr scheint heute nicht mehr nötig, um die Sehnsüchte nach dem großen Mann auf sich zu ziehen.

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          Bisweilen lesen sich Porträts wie Nachrufe auf große Persönlichkeiten, auch wenn der Porträtierte noch gar nicht gestorben ist. Zu Ende gegangen ist allerdings am Montag die Herrschaft der Verlegerfamilie Graham über die „Washington Post“. Die „Post“ ist einem breiten Publikum in Deutschland 1976 durch den Hollywood-Film „Die Unbestechlichen“ („All the President’s Men“) bekannt geworden. Es ging um die Watergate-Affäre, mit Robert Redford und Dustin Hoffman in den Hauptrollen. Amerikanische Chefredakteure sehen seitdem so aus wie Jason Robards. Er verkörperte den ehemaligen Chefredakteur und amtierenden Vizepräsidenten der Washington Post Company, Ben Bradlee.

          Nun wissen wir nicht, ob der Chef von Amazon, Jeff Bezos, schon die Verfilmung seiner neuen Rolle als Verleger der „Post“ in Auftrag gegeben hat. Ein Tipp für die Besetzung seiner Rolle wäre Gordon Gekko alias Michael Douglas in „Wall Street“. Bis dahin kann man sich an Berichte aus jener Welt verlassen, die Bezos reich gemacht hat: das Internet. Dort sind Hymnen auf den Online-Händler zu lesen. Bezos gebe sich nicht mit „alten Offline-Sentimentalitäten“ ab. Er sei „durch und durch online und digital“. Von journalistischen Inhalten ist nicht die Rede, sondern nur von der Frage, wie man irgendeinen Inhalt an den Kunden bringt. Wenn die „Post“ künftig „mehr wie Amazon“ funktioniere, „wäre das eine gute Nachricht“, war zu lesen.

          Wer könnte ihn einmal spielen? Jeff Bezos an einem seiner Lieblingsspielzeuge, dem Lesegerät Kindle

          Leider fehlt Bezos das vertrauenerweckende lichte, graue Haar von Robards, wenn dieser im Film lautstark nach „Woodsteen“ ruft. Damit waren die Reporter Bob Woodward und Carl Bernstein gemeint. Sie hatten im wirklichen Leben nach Richard Nixons Klempnern recherchiert, die 1972 in das Hauptquartier der Demokraten im Watergate-Hotel eingebrochen waren. Im Film sahen beide genauso gut aus wie Jason Robards. Das ist heute nicht mehr nötig. Der Mann mit dem wenigen Haupthaar (und dem vielen Geld) wird von einem Internet-Mediendienst so charakterisiert: „Jeff Bezos. Multi-Milliardär, Amazon-Gründer, E-Commerce-Gott, Mr.Future.“

          Der Tonfall erinnert zwar an sowjetische Filme über Stalin bis 1953. Diese werden aber zu selten im deutschen Fernsehen gezeigt, als dass dies noch jemandem auffallen könnte. Immerhin ist angesichts solcher Elogen auf den „Großen Mann“ jener Kern freigelegt, den manche Leute heute unter Journalismus verstehen. Wer das einmal verfilmen will, sollte das Werk allerdings nicht „Die Unbestechlichen“ nennen. Der Titel wäre unpassend. Das Urheberrecht wäre in diesem Fall das geringste Problem.

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