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Stalkerjagd bei RTL : Jeder wird deine Stimme kennen

  • -Aktualisiert am

Für RTL auf der Jagd: Leo Martin Bild: Eventpress MP

Leo Martin macht für RTL Jagd nach Stalkern. Den gestellten Tätern steht die Verzweiflung im Gesicht und ihre ehemaligen Opfer atmen auf. Behauptet der Sender.

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          Sie nennen ihn den deutschen James Bond“, behauptet RTL, aber sie könnten ihn auch den deutschen Sherlock Holmes nennen. Leo Martin braucht nur wenige Minuten, in denen er von einem Stalker am Telefon unflätigst beschimpft und bedroht wird („Ich mach dich kalt wie’n Kühlschrank“), um schon in die Kamera kombinieren zu können: „Meine Bewertung nach dem Gespräch: Er ist obszön, aggressiv; mit persönlicher Kritik zum Beispiel kann er gar nicht umgehen, da legt er lieber auf.“

          Sie würden ihn womöglich auch den deutschen Uri Geller nennen, aber beim Pro-Sieben-Zauberer-Casting „The Next Uri Geller“ war er 2008 vorzeitig ausgeschieden. Stattdessen schrieb der Mann, der angeblich zehn Jahre beim Verfassungsschutz gearbeitet hat, Bestseller über Menschenkenntnis und stalkt ab Montag um 20.15 Uhr wieder Stalker für RTL. Auch das grenzt manchmal an Zauberei, wenn der Stalker in dem von ihm terrorisierten Büro zufällig in dem Moment wieder anruft, in dem der RTL-Ermittler samt Kamerateam daneben sitzt. Oder die ins Stocken geratenen Recherchen dramaturgisch gerade noch rechtzeitig durch einen anonymen Anruf wieder in Schwung kommen, alles natürlich gefilmt von Kameras, die das Handy schon im Blick hatten. Oder er sich nur einmal mit einem Verdächtigen treffen muss und durch einen beiläufigen „Stresstest“ im Gespräch definitiv ausschließen kann, dass er der Täter ist.

          Verzweiflung im Antlitz des Täters

          „Ich mache Schluss mit Verfolgung und Nachstellung“, verspricht Leo Martin, aber für RTL ist so ein Stalkerstalker im Grunde auch nur ein Restauranttester oder ein Schuldenberater, und so beginnt die Arbeit damit, dass Leo Martin wie Christian Rach oder Peter Zwegat eine Straße hinunter auf die Kamera zuläuft und sagt: „Ich bin heute im Rheinland unterwegs, und das Besondere hier ist, dass die komplette Belegschaft einer Zahnklinik von einem Stalker bedroht ist, und was hier abgeht, das hör ich mir jetzt an.“

          Die größere Herausforderung als das Jagen von Stalkern scheint das fernsehgerechte In-Szene-Setzen des Jagens von Stalkern zu sein. Wesentliche Teile der Arbeit bestehen anscheinend doch darin, Briefumschläge aufzureißen, Akten durchzublättern und Menschen, die sich im Gegensatz zu ihm tatsächlich mit Stalkern auskennen, in irgendwelchen Büroräumen zu treffen. Wenn dann endlich ein Verdächtiger ins Visier gekommen ist, müssen sein Gesicht und alles, woran man ihn erkennen könnte, großflächig unkenntlich gemacht werden.

          Wir müssen dem Off-Sprecher trauen, der behauptet, wie sehr im Gesicht des angeblichen Täters Schock, Verzweiflung, Überraschung oder sonst eine befriedigende Reaktion zu lesen sei. Leo Martin, der Ex-Agent und Ex-zukünftige-neue-Uri-Geller sagt dem Bösen aber immerhin angemessen dramatische Sachen ins Gesicht wie: „Jeder in Deutschland wird deine Stimme kennen in Zukunft. Das heißt, du kannst dir sparen, solche Geschichten in Zukunft durchzuziehen.“ (Dass der Bedrängte sagt, sein Anwalt habe ihm geraten, nichts zu sagen, zählt als Schuldeingeständnis.)

          Wie hilfreich diese Konfrontationen tatsächlich sind - außer für die Selbstdarstellung von Leo Martin natürlich -, bleibt zweifelhaft. Am Ende von „Verfolgt - Stalkern auf der Spur“ ist alles holterdiepolter vorbei, die Polizei ermittelt doch noch, oder es ist etwas ganz anderes passiert, und die abschließenden Sätze, dass es der Stalkerjäger von RTL war, der für den Seelenfrieden der Opfer gesorgt hat, wirken sehr behauptet. „Er ist enttarnt und damit ungefährlich“, sagt Leo Martin, der Retter der Junge-Zahnklinik-Mitarbeiterinnen dann, „jetzt können sie endlich wieder aufatmen.“ Ein Sonnenuntergang, in den er reiten könnte, war RTL dann aber anscheinend für die Produktion doch zu teuer, vom Pferd ganz zu schweigen.

          Nur der tragische Fall eines früheren „Big Brother“-Kandidaten, der sich mit Berichten über eine langjährige Stalkerin in den Medien hält, endet am kommenden Montag mit einer ganz anderen Form von Konfrontation. Von der Stalkerin ist er danach befreit. Zu fürchten ist: vom Fernsehen nicht.

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