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Schulz und Böhmermann : Die schlechtesten Moderatoren der Welt

Olli Schulz und Jan Böhmermann bei ihrer Show „Schulz und Böhmermann“ bei ZDFneo Bild: ZDF und Ben Knabe

Wer hartgesotten ist, lässt sich in die Show von Jan Böhmermann und Olli Schulz einladen. Die sieht zwar wie eine Talkshow aus, ist in Wahrheit aber etwas ganz anderes, auch wenn viel geredet wird.

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          „Wir wollen in dieser Sendung mit Menschen zusammensitzen, mit denen wir sonst in unseren Bubbles nichts zu tun haben. Wir versuchen, diese Bubbles zum Platzen zu bringen.“ Ein ausgeklügeltes Konzept haben Olli Schulz und Jan Böhmermann für ihre gemeinsame Show also immer noch nicht. Dafür aber eine zweite Staffel mit hochkarätigen oder zumindest interessanten Gästen, mit bitterbösen Einspielern der Schriftstellerin Sibylle Berg und mit schier endlosem Geplapper der beiden Talkmaster höchstpersönlich.

          Johanna Dürrholz
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Nach einer desaströsen Folge im März, in der eine Runde von fünf Herren und einer Dame über Sexismus und Rollenbilder diskutieren sollte und während der die einzige anwesende Frau dem Moderator Olli Schulz erst einmal den Unterschied zwischen Sex und Sexismus erklären musste, hat die Sendung nach inzwischen fünf neuen Episoden in ihr bewährtes Muster zurückgefunden: Siebzig Prozent des Redeanteils liegen bei den Moderatoren selbst, die ihre Sache als Entertainer sehr gut machen. Olli Schulz ist witzig, sympathisch und ein bisschen naiv. Jan Böhmermann ist höflich, clever und bügelt alle auch nur annähernd scharfen Fragen seines Kollegen ab. Gemeinsam sind sie das netteste Entertainer-Team Deutschlands. Und sie sind die schlechtesten Moderatoren der Welt.

          Frühere Fehler werden vermieden

          Schulz und Böhmermann kennen sich schon ewig. In ihrem Podcast „Fest & Flauschig“ (früher: „Sanft & Sorgfältig“) plaudern sie regelmäßig über Themen, die sie bewegen, und haben sich mit ihrem schlagfertigen Geschnatter eine solide Anhängerschaft aufgebaut. In ihrer Talkshow machen sie im Prinzip dasselbe, nur müssen obendrein vier arme Tröpfe neben ihnen hocken und sich lieblos konzipierte Fragen gefallen lassen, deren Antwort in der Regel nicht mehr abgewartet wird.

          Die Herren geben sich redlich Mühe, frühere Fehler zu vermeiden. Ein Novum der zweiten Staffel ist, dass nicht mehr einfach ins Blaue hineingeredet wird, sondern die Gäste meist aus einem breitgesteckten Umfeld stammen und sich zu einem ebenso großzügig gesetzten Thema äußern. Auf das Sexismus-Debakel folgte eine Sendung mit sage und schreibe drei weiblichen Gästen (Thema: „Hass“), wobei die selbst kaum zu zügelnden Moderatoren der Grünenpolitikerin Claudia Roth nach sechzehn Minuten schon ein Redeverbot erteilten.

          Eine echte Diskussion entsteht in dieser Sendung jedoch nie. Entweder wird der unsägliche Knopf betätigt, der die Mikrofone der Talkrunde stumm schaltet und eigentlich ein spielerischer Clou sein sollte – es könnte ja sein, dass ein Talkshow-Gast ein persönliches Geheimnis zwar nicht mit den Fernsehzuschauern, wohl aber mit einem Studio voll wildfremder Menschen teilen will. Inzwischen ist der Knopf jedoch zum nervigsten Utensil der Sendung avanciert. Oder Schulz und Böhmermann halten an Fragen fest, für deren Dreistigkeit sie zu nett sind. Ob Tim Bendzko schon mal an ein von der Norm abweichendes Lied gedacht habe, wird zum Beispiel gefragt. Als der Sänger erklärt, auf seinem Album befänden sich gleich zwei Lieder dieser Art, hält Böhmermann den ungläubigen Schulz von weiterem Nachhaken ab: „Wir wollen ja nicht unfair werden.“

          Es ist ein Umtänzeln des Gastes, ein Beschnuppern und Beäugen, das höchst oberflächlich bleibt und selten diskussionsfördernd wirkt. Die anderen Gäste schauen meist schweigend zu. Der Sänger Dirk von Lowtzow von der Band Tocotronic lächelt verschmitzt, die Autorin Margarete Stokowski schenkt sich den vierten Whisky ein. Die Gäste stellen einander selten Fragen, was auch damit zu tun haben mag, dass Schulz und Böhmermann meist einen Gast für fünf Minuten löchern, um dann unvermittelt zum nächsten zu springen. Das bremst am Ende die ganze Sendung aus, deren Gäste Randfiguren, bestenfalls Stichwortgeber sind und sich mitunter zu fragen scheinen, auf was sie sich da eingelassen haben – auf die große, bunte Schulz-und-Böhmermann-Show, bei der von Beginn an klar ist, dass am Ende alle Fragen offenbleiben.

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