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Rezo bei Böhmermann : Der neue Sheriff heißt Zivilgesellschaft

Ey shit, das nennt man wohl direkte Demokratie, merken wir an dieser Stelle an. Die Politiker reden direkt mit den Menschen, bauen keine Scheiße mehr, wenn doch, dann entschuldigen sie sich dafür und alles ist gut. Dafür gibt es dann zehntausend Likes.

Und die Gefahr von „Meinungsmacht“, fragt Böhmermann? „Die Gefahr ist ja immer da“, sagt Rezo. „Die ist nicht nur bei den Leuten da, die eine Meinungsmacht auf der Plattform haben, sondern grundsätzlich: Alle Leute, die Meinungsmacht haben, die können die schlecht nutzen. Und das passiert auch bei Zeitungen schon nicht so optimal teilweise. Die Gefahr bei Meinungsmacht ist natürlich immer vorhanden, na klar.“

Mit diesen doch etwas unterkomplexen Ausführungen zum Wesen der Politik und der Demokratie und dem mal eben so lässig hingesagten „Lügenpresse“-Vorwurf à la Rezo gibt sich der ZDF-Moderator, von dem wir ein wenig mehr als Stirnrunzeln erwartet hätten, nicht nur zufrieden. Er feiert sie sogar: Es sei wohl ein neuer Cowboy in der Stadt. „Der neue Sheriff heißt Zivilgesellschaft. Und Du bist einer von denjenigen, die da mitsprechen.“

So sieht es also aus, das „Neuland“: Youtuber plus Politiker plus der Rest der Bevölkerung. Alles echt, alles menschlich, alles authentisch. Keine Presse, keine weiteren Fragen (zumindest im ZDF).

Nur leider gehört zu dieser vermeintlich heilen, neuen Welt auch, dass nicht alle Fragen zu Rezos Video „Die Zerstörung der CDU“ beantwortet werden, zumindest nicht von dem Werbeunternehmen Ströer, zu dem die Agentur Tube One gehört, die Youtuber wie Rezo vermarktet und diesen in einer Broschüre über ihr „Social Influencer Advertising“ als Top-Influencer mit im Schnitt 210 Millionen Views pro Monat auch nennt und ausführt, wie „relevante Influencer Konzepte, die Zuschauer konsumieren möchten“, entstehen. Da spielt Youtube als Plattform eine entscheidende Rolle, Reichweite wird garantiert. Das Mindestbuchungsvolumen für Influencer-Kampangnen beträgt 15.000 Euro.

Gesetzt den Fall, dass das alles mit dem Rezo-Video „Die Zerstörung der CDU“ nichts zu tun hat und wir dem Youtuber nur zu gerne glauben, wäre es für die Firma Ströer nicht ein Leichtes, dasselbe zu sagen? Damit nicht „rechte Verschwörungstheoretiker“ auf den Plan treten? Leider war es weder Tube One noch Ströer bis jetzt möglich, auf mehrfach schriftlich eingereichte Fragen zu antworten. Zu sprechen ist in der Sache auch niemand, was für ein Kommunikationsunternehmen, das mit Social Influencern für sich wirbt und rund 300.000 Außenwerbeflächen in Deutschland bespielt, auf denen im Rahmen der Debatte über die Urheberrechtsreform der EU wie zufällig Werbeclips für Youtuber liefen, die sich dazu kritisch äußerten, doch vielleicht etwas ungewöhnlich, um nicht zu sagen – intransparent ist.

Mit dem neuen „Sheriff“ namens Zivilgesellschaft ist das so eine Sache.

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