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ZDF-Moderator mischt ORF auf : Böhmermann marschiert in Österreich ein

Jetzt auch in Österreich: Jan Böhmermann. Bild: dpa

Jan Böhmermann gibt dem ORF ein Interview, in dem er Österreichs Kanzler einen „Versicherungsvertreter“ nennt und meint, der FPÖ-Vizekanzler verbreite auf Facebook „volksverhetzende Scheiße“. Der ORF distanziert sich von Böhmermann, oder doch nicht?

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          Wenn das in Österreich zum Skandal taugt, ist dem Land wirklich nicht mehr zu helfen: Jan Böhmermann, der Haussatiriker des ZDF, hat dem Journal „Kulturmontag“ des Österreichischen Rundfunks (ORF) anlässlich seiner gerade in Graz eröffneten Ausstellung „Deuscthland Asnchluss Östereich“ ein Interview gegeben, in dem er der Regierung in Wien wie zu erwarten kein gutes Zeugnis ausstellt.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Er warnt darin vor einer „Normalisierung“ des Rechtspopulismus, wie sie in Österreich, in dem man ein „Versuchslabor“ erkennen könne, zu konstatieren sei. Er fragt sein Gegenüber, ob es beim ORF denn überhaupt noch etwas zu lachen gebe, ob der Sender bald durch Steuern statt durch Rundfunkgebühren finanziert, so stärker an den Staat gebunden und vielleicht in „FPÖ-TV“ umbenannt werde. Er befindet, es sei nicht „normal“, dass das Land von einem „zweiunddreißigjährigen Versicherungsvertreter“ mit „ein bisschen Haargel“ regiert werde: „Habt Ihr keinen Besseren?“ Normal sei auch nicht, dass der Vizekanzler auf Facebook „volksverhetzende Scheiße“ raushaue.

          Kanzler Sebastian Kurz von der ÖVP und sein Stellvertreter Heinz-Christian Strache von der FPÖ bekommen also ihr Fett weg, ein durchaus pathetisches Plädoyer für Europa gibt es auf der anderen Seite von Böhmermann auch, von dem man weiß, dass es ihm mit der Rolle des Clowns, der Witze reißt, um Wahrheiten zutage zu fördern, ernst ist.

          Ernst scheint es die „Kulturmontag“-Redaktion nach Ansicht von Beobachtern aber auch mit der Distanzierung zu meinen, mit der die Moderatorin Clarissa Stadler den Beitrag über und das Interview mit Böhmermann abschloss: „Soweit also die Ansichten des Satirikers Jan Böhmermann zu Österreich. Der ORF distanziert sich von den provokanten und politischen Aussagen Böhmermanns. Aber wie Sie wissen, darf Satire alles und der öffentlich-rechtliche Rundfunk künstlerische Meinung wiedergeben.“

          Böhmermanns Reaktion darauf bei Twitter könnte den Eindruck erwecken, dass er den Abspann beim Nennwert nimmt: „Köstlicher Witz/Satire beim Kulturmontag im ORF gerade, sich nach einem gesendeten Interview ausdrücklich vom Interviewten distanzieren und Wörter bzw. Satzteile wegpiepsen. War doch ein Witz/Satire, oder? Weil, befürchte: nein. Ohgottohgott Österreich, ey.“

          Wer die Distanzierung ernst nimmt und wer nicht, kann man auf Böhmermanns Twitter-Account nachlesen. Angesichts der tatsächlichen versuchten Einflussnahme der FPÖ auf den ORF anlässlich des Interviews, das der Nachrichtenmoderator Armin Wolf mit dem Spitzenkandidaten der FPÖ zur Europawahl, Harald Vilimsky, führte, wonach die FPÖ Wolfs Abgang forderte, möchte man aber hoffen, dass das Pingpong zwischen Böhmermann und dem „Kulturmontag“ den Auftritt des ZDF-Moderators und die Probe aufs Exempel abrunden soll. Andernfalls müsste man sich um den ORF, wie das österreichische Kollegen schon tun, tatsächlich Gedanken machen.

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