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Reporter weltweit bedroht : 65 Tote

Gewalt gegen Journalisten: Im Mai dieses Jahres protestierten in Mexiko-Stadt Bürger gegen das mörderische Treiben der Mafia-Kartelle. Kurz zuvor war der Journalist Javier Valdez von der Zeitung „La Jornada“ ermordet worden. Bild: dpa

Die „Jahresbilanz der Pressefreiheit“ von „Reporter ohne Grenzen“ ist traurig: Mindestens 65 Journalisten und Medienmitarbeiter sind 2017 wegen ihrer Arbeit getötet worden, 326 Journalisten sind in Haft, 54 wurden entführt.

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          Mindestens 65 Journalisten und Mitarbeiter von Medien sind 2017 wegen ihrer Arbeit getötet worden, fast die Hälfte davon außerhalb von Kriegsgebieten. Viele Journalisten sitzen in Haft, bisweilen jahrelang ohne Anklage. Das hält die Organisation „Reporter ohne Grenzen“ in ihrer „Jahresbilanz der Pressefreiheit“ fest. 39 Journalisten seien gezielt wegen ihrer Tätigkeit ermordet worden, die übrigen 26 seien im Einsatz getötet worden, sie gerieten unter Beschuss oder starben bei einem Bombenangriff. Die weltweit gefährlichsten Länder für Journalisten, Bürgerjournalisten und Medienmitarbeiter waren nach Angaben von „Reporter ohne Grenzen“ Syrien (zwölf getötete Medienmitarbeiter), Mexiko (elf), Afghanistan (neun), Irak (acht) und die Philippinen (vier). Weltweit seien in den vergangenen fünfzehn Jahren 1035 professionelle Journalisten in direktem Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet worden.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Gerade dass so viele Journalisten außerhalb von Kriegsregionen ermordet werden, ist ein erschreckendes Zeichen“, sagte ROG-Vorstandssprecherin Katja Gloger. „In viel zu vielen Ländern können die Täter und ihre Auftraggeber damit rechnen, dass sie mit Gewalt gegen Medienschaffende ungeschoren davonkommen. Die Staatengemeinschaft muss endlich wirksame Mittel finden, um die skandalöse Straflosigkeit für solche Verbrechen zu beenden.“ In Ländern wie Mexiko oder den Philippinen gerieten Journalisten oft ins Visier ihrer Mörder, weil sie über Korruption oder Organisierte Kriminalität berichteten.

          Weltweit seien mindestens 326 Medienmitarbeiter in Haft, fast die Hälfte davon in fünf Ländern: in China, der Türkei, in Syrien, Iran und Vietnam. In der Türkei halte die Justiz Journalisten systematisch über lange Zeit in Untersuchungshaft. Gegen den „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel, der seit Februar in Haft sitzt, ist immer noch nicht Anklage erhoben worden. Verschärft habe sich die Lage der Medien auch in Vietnam, wo mindestens 25 Blogger verhaftet oder ausgewiesen wurden.

          Bis Ende 2017, so teilt „Reporter ohne Grenzen“ weiter mit, seien weltweit 54 Medienschaffende entführt worden, die meisten in Syrien, im Jemen und im Irak. Allein in Syrien seien mindestens 22 einheimische und sieben ausländische Medienschaffende in den Händen bewaffneter Gruppen, einige davon seit mehr als fünf Jahren. Im Jemen hielten die Houthi-Rebellen elf Journalisten gefangen. Von einigen der im Irak und in Syrien während der Herrschaft der Terrormiliz IS entführten Medienmitarbeiter gebe es keine Nachricht. Zwei Medienschaffende seien im Laufe des Jahres verschwunden: ein Blogger in Pakistan und ein Journalist in Bangladesch.

          Die Vereinten Nationen müssten endlich handeln, fordert „Reporter ohne Grenzen“. Es müsse ein UN-Sonderbeauftragter für den Schutz von Journalisten eingesetzt werden, der völkerrechtliche Vorschriften durchsetzen könne. Zwar habe die UN entsprechende Resolutionen verabschiedet. Sie hätten aber bislang kaum Auswirkungen.

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