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Mafia-Enthüller in Gefahr : Italiens Innenminister will Roberto Saviano den Polizeischutz streichen

  • Aktualisiert am

Die Mafia bedroht ihn mit dem Tod: Roberto Saviano. Bild: AFP

Seit Jahren wird Roberto Saviano von der Mafia bedroht. Jetzt denkt Innenminister Salvini von der rechtsextremen Lega darüber nach, den Schutz für den Schriftsteller einzustellen. Er gibt dem organisierten Verbrechen ein Zeichen.

          Die neue italienische Regierung stellt den Polizeischutz für den Mafia-Rechercheur Roberto Saviano in Frage. Innenminister Matteo Salvini, Chef der fremdenfeindlichen Lega, sagte, die zuständigen Stellen würden überprüfen, ob der Schutz für Saviano notwendig und angemessen sei.

          Der Journalist und Schriftsteller Roberto Saviano wurde mit seinem Buch „Gomorrha“ (2006) über die Mafia in Neapel international bekannt. Es machte ihn zum Feind Nummer eins für das organisierte Verbrechen in Italien. Er erhielt Morddrohungen, seither steht er rund um die Uhr unter Polizeischutz und muss im Verborgenen leben.

          Der in Neapel geborene Saviano schrieb über die Camorra, die `Ndrangheta, den internationalen Drogenhandel, über albanische Mafiosi und islamistische Terroristen in Molenbeek und über den kriminellen Kult der Todessehnsucht. Er war erste Mitte zwanzig, als „Gommorha“ erschien. In seinem Buch über die Camorra nannte er Namen, zeigte Zusammenhänge auf und prangerte die Bosse an.

          Italiens Innenminister Matteo Salvini bei einer Kundgebung.

          Seit die Drohungen gegen ihn ausgesprochen wurden, lebt Saviano an stetig wechselnden Orten. Aufgehört, zu publizieren, hat er nicht. Fünf Bücher über die Mafia hat er seinem ersten Werk folgen lassen. Das letzte, „La paranza dei bambini“, erschien Ende des vergangenen Jahres. Es ist ein Tatsachenroman über den Krieg der „Baby-Mafiosi“ in Neapel. Roberto Saviano schreibt für „L’Espresso“, „La Repubblica“ und hatte eine Talkshow im italienischen Fernsehen, „Gomorrha“ wurde fürs Kino verfilmt und zur vielbeachteten Fernsehserie, jeweils unter Mitarbeit des Autors. Auf diese Weise erreicht er Millionen Leser und Zuschauer weltweit. Saviano beschäftigt sich aber nicht nur mit dem organisierten Verbrechen. Er kritisiert die rechtextremen und fremdenfeindlichen Strömungen in Italien und setzt sich für Zuwanderer ein, die der Innenminister Salvini aus dem Land treiben will.

          „Statt gegen die Mafia vorzugehen, droht Innenminister Matteo Salvini denen, die von ihr erzählen, sie zum Schweigen zu bringen“, teilte Saviano auf Twitter und Facebook mit. Salvini sei ein „Trottel“ und der „Minister der Unterwelt“, der mit Lügen und Drohungen Propaganda mache.

          Salvini hatte in einer Fernsehshow gesagt, dass Saviano viel im Ausland sei und dass generell geprüft werden müsse, wofür das „Geld der Italiener“ ausgegeben werde. Der Minister hatte schon im Wahlkampf darüber gesprochen, dass man Saviano den Polizeischutz streichen könne.

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