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Italienische WM-Berichterstattung : Der italienische Fußball ist wirklich zum Fürchten

  • -Aktualisiert am

Um welches Thema ging es nochmal? Ilaria D’Amico setzt bei Sky Italia den Fußball nicht nur bei der WM in Szene. Bild: IMAGO

In Italien setzt das Fernsehen beim Fußball spezielle Akzente. Für die ist vor allem die Moderatorin Ilaria D’Amico zuständig. In ihrer „Mondiale Show“ macht sie den Herren Fußballverstehern Beine.

          Die Fußball-Weltmeisterschaft am Fernsehen zu verfolgen - das geht in Italien nicht so einfach wie in Deutschland. Während hierzulande die öffentlich-rechtlichen Sender den Kuchen komplett untereinander aufteilen und die Partien frei empfangbar sind, überträgt das italienische Pendant - die Rai - nur 25 von 64 Spielen dieser brasilianischen „Mondiali“ live. Die Mehrheit läuft im Bezahlfernsehen des Senders Sky, dort dann aber auch aufwendig ummantelt mit Dokumentationen, Diskussionen, Analysen, Wiederholungen und Talkshows. In Italien ist man nach einer unguten Epoche, die der Fernseh-Unternehmer Berlusconi prägte, die Dominanz kommerzieller Sender gewohnt - und oft genug froh, nach der Überweisung der Abo-Gebühr wenigstens nicht noch dem unangenehmen Dauerfeuer von Werbespots bis tief in die Nacht ausgesetzt zu sein.

          So gibt es zwar auch bei Sky Werbespots, aber doch deutlich weniger als in Berlusconis Sendern oder bei der Rai. Zudem hat sich das italienische Publikum an die Vermarktung des heißgeliebten Calcio gewöhnen müssen, sogar an Werbespots während Spielunterbrechungen wie Ecken oder Freistößen. Oder an grausige Mini-Trickfilmfiguren in Joghurtform oder Autoreifen, die während der Übertragung neben dem Ball herlaufen. Für echte Fußballfreunde, von denen es in Italien nicht gar wenige gibt, ist das ein Greuel. Aus dieser Konstellation heraus konnte sich der Ballbesitz durch kommerzielle Sender - und damit Fußball nur gegen Extrabezahlung - auch bei der heimischen Serie A bereits vor Jahren durchsetzen. Nachdem die eigene Liga bei der Rai bereits so gut wie nicht mehr vorkam (es gab dort sogar eine nachmittägliche Talkshow, bei der die unsichtbaren Spiele und der Jubel aus dem Off von Moderatoren lustig kommentiert wurden), kam jetzt auch kein großer Widerstand auf, wenn abseitige Partien von Iran, von Ecuador oder Australien nicht frei empfangbar sind.

          Beliebt trotz „Gießkannenstimme“

          Die Spiele der geliebten Squadra Azzurra, der meist blau gewandeten Nationalspieler, jedoch werden ebenso bei der Rai gezeigt wie die Matches von Titelfavoriten - zu denen tröstlicherweise sogar Deutschland zählt. Denn wer während einer Sky-Übertragung per Satellitenfernsehen ARD oder ZDF einschaltet, sieht sich in Italien düpiert: Aus lizenzrechtlichen Gründen und damit nicht halb Italien das Spiel mit deutschen Bildern gebührenfrei empfängt, wird da auf Spartenkanäle ohne Fußball umgeschaltet.

          Dass sich ein Großereignis wie eine Fußball-WM ganz aus dem durch Gebühren finanzierten Fernsehen verabschieden könnte, zeichnet sich nach der jüngsten Medienreform der Regierung Renzi ab. Danach wird ein ganzer Rai-Kanal werbefrei, und auch die anderen Sender müssen Abschläge bei den Spots machen. Ob wenigstens große Endspiele der Nationalmannschaft dann noch frei empfangbar sein sollen, darüber wird gerade diskutiert. Damit, gestützt durch die zunehmende Internetpräsenz des Fußballs, wäre der Weg frei für Fernsehfußball als komplettes Kommerz- (und nicht mehr gesellschaftliches) Phänomen.

          Wer ein Sky-Abonnement zahlt, wird allerdings bei dieser WM royal bedient. Während die Partien meist von einem bewährten Duo aus dem wortmächtigen Journalisten Fabio Caressa und dem sehr sachlichen Altnationalen Beppe Bergomi kundig kommentiert werden, gibt es allabendlich die „Sky Mondiale Show“. Hier erörtert die beliebte Moderatorin Ilaria D’Amico im Kreis geladener Fußballgrößen das Geschehen - und ist dabei längst zum Teil des Spektakels geworden. Seit im Frühjahr einige Klatschgazetten eine Affäre der dreiundvierzig Jahre alten Römerin mit dem sieben Jahre jüngeren Nationaltorhüter Gigi Buffon kolportierten und Buffons tschechische Ehefrau ihm den Laufpass gab, ist die Journalistin zum Ziel massiver Paparazzi-Attacken geworden. Dabei ist sie nicht das strandtaugliche Dummerchen, das einzig wegen ihres, zugegeben, attraktiven Aussehens für den Fußball gecastet wurde, sondern bestreitet die Moderation von Sportsendungen schon seit Jahren souverän - und ist dabei trotz ihrer Gießkannenstimme nicht nur beim Torhüter beliebt geworden.

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