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Fake News aus Rom : Italien dreht durch

Wortführer: Beppe Grillo bei einer Kundgebung der Fünf-Sterne-Bewegung, Ende Oktober in Rom. Bild: Reuters

Wer hat die deutsche Einheit bezahlt? Die Italiener. Wer begleicht seine Schulden nicht? Die Deutschen. So tönt die Regierung in Rom. Sie verbreitet Fake News und Hass auf Deutschland. Und die Medien machen mit.

          6 Min.

          Das Verhältnis zwischen Italien und Deutschland ist zurzeit ein Minenfeld, auch und gerade in den Medien. Die Italiener echauffieren sich gerne über Titelseiten des „Spiegels“, zuletzt im Sommer über eine Nudel, die in der Grafik zum Galgenstrick wurde, oder vor wenigen Tagen über den Euro, der von Italiens Nationalfarben zerquetscht wird. Hinter den aufsehenerregenden Titeln steht aber jeweils eine Analyse der Fakten – die allerdings in Italien mangels Deutschkenntnissen nicht wahrgenommen wird. Umgekehrt fehlen in Italien zurzeit kreative Titelseiten über Deutschland, dafür wird umso mehr an den Fakten gedreht.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Zum aktuellen Zerrbild gehört, dass nur Deutschland vom Euro profitiert habe – wobei der Euro den Italienern jährlich dreißig bis fünfzig Milliarden Euro an Zinskosten erspart hat. Oder dass Italien sozusagen mit vorgehaltener Pistole in die Währungsunion gezwungen wurde, um dann von den Deutschen ausgebeutet zu werden – wer die europäische Szene 1997 und 1998 erlebte, der weiß, wie damals wichtige Italiener die Partner geradezu anflehten, um in die Währungsunion zu kommen und dem Absturz zu entgehen. Der damalige Schatzminister und spätere Staatspräsident Carlo Azeglio Ciampi gestand später, sein Land wäre sonst in der Pleite geendet wie Argentinien.

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