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Netflix-Konkurrent aus Europa? : Streaming mit höherem Risiko

  • -Aktualisiert am

Der neue Streaming-Anbieter „Sooner“ will mit europäischen Produktionen und einem Schwerpunkt im Bereich Arthouse- und Independent-Film punkten. Bild: Sooner

Ein Stachel im Fleisch von Netflix? Die neue Start-up-Plattform „Sooner“ setzt auf Filme und Fernsehen aus Europa.

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          „Sooner“ heißt ein neuer Streamingdienst, der die Vielfalt des europäischen Films digital abbilden will. Ende Juli ist das Portal gestartet, es konzentriert sich auf Filme und Serien sowie Kurzfilme und Dokumentationen aus der Arthouse- und Independent-Szene; viele davon auf verschiedenen Festivals wie Cannes, Berlinale oder Sundance Film Festival prämiert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Musik, Tanz und Theater.

          „Wir wollen mit unserem Angebot den interessierten Usern eine Alternative zu den etablierten Streamingdiensten bieten“, sagt Andreas Wildfang, Geschäftsführer von Content-Scope, der deutsch-französischen Betreibergesellschaft von „Sooner“. Es gebe „wahnsinnig viel Talent in Europa und wahnsinnig viele Serien, die bis jetzt hier nicht zu sehen sind“, sagt er.

          Die will man mit dem neuen Angebot jetzt nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz bringen, Frankreich und die Benelux-Länder sollen bald folgen. In Konkurrenz zu Netflix, Amazon Prime Video oder Disney+ schreibt sich „Sooner“ „Stream beyond“ auf die Fahnen, was für Vielfalt, exklusive und europäische Angebote und besondere Qualität ausgewählter Filme und Serien stehen soll. „Man sieht da schon, dass da was fehlt, besonders im Hinblick auf europäische Produktionen“, stellt Wildfang mit Blick auf die Marktführer im Video-on-Demand-Bereich fest.

          Die Vielfalt Europas und seiner Filmkulturszenen in einem Streamingportal zu vereinen, das habe Potential, hofft man bei „Sooner“. „Diversität ist ein Vorteil“, sagt Andreas Wildfang. Deshalb setzt man unter anderem auch auf Produktionen aus der LGBTQ+-Community und Partnerschaften mit Filmhochschulen wie der Hochschule für bildende Künste Hamburg, der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin sowie mit dem Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm Dok Leipzig und dem Interfilm-Kurzfilmfestival.

          „Wir glauben, dass unsere Abonnenten neugierig und aufgeschlossen sind. Das erlaubt es uns, bei der Auswahl unseres Angebots ein höheres Risiko einzugehen und auch jene hochkarätigen Inhalte aufzunehmen, die für gewöhnlich unterrepräsentiert sind.“ Zum Start wartet „Sooner“ zum Beispiel mit der Dramaserie „The Bank“ auf, die sich um das Leben zweier Investmentbanker im Estland der 1990er Jahre dreht – nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und mitten in einem Finanzboom, der die Welt der Protagonisten auf den Kopf stellt. Ebenfalls zu sehen ist das amerikanische Drama „The Mountain“: Jeff Goldblum spielt den Arzt Dr. Wallace Fiennes, der in den fünfziger Jahren Lobotomie-Experimente durchführt, weil er glaubt, so psychische Erkrankungen heilen zu können. Seine Premiere feierte der Film auf der 75. Biennale und lief 2019 beim Sundance Film Festival. Über die Qualität des Dramas scherzt Hauptdarsteller Goldblum: „Ich wurde geboren, um einen Lobotomisten zu spielen.“

          Aufmachung und Inhalt von „Sooner“ wirken im Vergleich zu den Glitzerwelten der großen amerikanischen Anbieter weniger stereotyp und „organischer“. Ob „Sooner“ das Ziel, „Gegengewicht zu den großen Streamingplattformen“ zu sein, erreichen kann, wird sich zeigen. Aktuell startet der Dienst mit rund vierzig Serien und zweitausend Filmtiteln, bald sollen dann drei neue Serien alle zwei Wochen dazukommen. „Wir haben nicht den Anspruch, allumfassend zu sein“, sagt der Geschäftsführer Wildfang. „Relevanz“ sei das richtige Stichwort, also Filme und Serien, die über ihren Unterhaltungscharakter hinaus etwas beizutragen haben. Perspektivisch steht die Idee im Raum, selbst als Produktionsinkubator für junge Filmemacherinnen und Filmemacher unabhängigere Filmproduktion zu ermöglichen.

          Das Angebot ist von sofort an nach der Registrierung vierzehn Tage lang kostenlos zum Test zu haben, danach gibt es das Abo für 7,95 Euro im Monat. Mehrere Nutzer sollen das Portal gleichzeitig ansteuern können, die Kündigung sei jederzeit möglich. Wer für ein ganzes Jahr bucht, erhält das Abo zum Monatspreis von 4,99 Euro, einzelne Filme gibt es zur Leihe für 1,95 Euro. Eine App für den mobilen Zugang ist noch nicht erschienen, soll aber bald verfügbar sein.

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