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Inhaltsklau unter Online-Redaktionen : Abschreiber bei „Focus.de“

  • -Aktualisiert am

Verleger Hubert Burda (l.) und Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, im November 2012 in Berlin Bild: picture alliance / dpa

Ist das die Link-Ökonomie? „Focus.de“ beklaut „Bild.de“. Und ein Blick in die Zukunft zeigt: Einfach wird es das Bezahlmodell der „Bild“-Zeitung auch weiterhin nicht haben.

          Wer die Leistung anderer kommerziell nutzt, muss dafür bezahlen. Dieses ökonomische Grundprinzip muss auch im digitalen Zeitalter mit seiner ,Link-Ökonomie‘ gelten.“ So formulierte es Hubert Burda, der damalige und heutige Präsident des Verbandes deutscher Zeitschriftenverleger, vor vier Jahren in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Ausgerechnet die Online-Tochter seiner Zeitschrift „Focus“ muss sich nun den Vorwurf gefallen lassen, gegen dieses „Grundprinzip“ in besonders eklatanter Weise zu verstoßen. Das ausschließlich werbefinanzierte Angebot ist nicht zuletzt dadurch extrem erfolgreich, dass es sich umfangreich bei der Konkurrenz bedient.

          Permanente Bedrohung

          Mit wachsendem Zorn verfolgen die Leute von der „Bild“-Zeitung, wie ihre exklusiven Inhalte, die sie nur für zahlende Kunden online anbieten, frei verfügbar auf den Seiten von „Focus Online“ auftauchen. Die Redaktion übernimmt dabei regelmäßig nicht nur den nachrichtlichen Kern oder einzelne Aspekte eines Berichtes, sondern erzählt den Inhalt des Originalartikels vollständig nach, inklusive zahlreicher Zitate der Protagonisten, die dort zu Wort kommen. „Focus Online“ nennt zwar die Quelle und verlinkt sie sogar – aber einen Grund, sie aufzusuchen, gibt es nicht. Rechtlich ist gegen diese Praxis offenbar nach Ansicht der „Bild“-Leute nichts zu machen: Die Texte werden von „Focus Online“ nicht einfach kopiert, sondern leicht umgeschrieben. Dadurch greifen weder das Urheber- noch das neue Leistungsschutzrecht, für das unter anderem Hubert Burda so geworben hatte, um die „schleichende Enteignung der Inhalte-Produzenten“ zu verhindern.

          Mangels juristischer Möglichkeiten sucht die „Bild“-Führungsriege ihr Heil in wüsten öffentlichen Beschimpfungen. „Digitale Hehlerei“ wirft Bild.de-Chef Julian Reichelt im Branchendienst turi2 der Konkurrenz vor und verballhornt den alten „Focus“-Werbespruch zu: „Klauen, klauen, klauen und an die Reichweite denken.“ Beim „Focus“ mag er damit Erfolg haben. Doch wenn dessen Online-Angebot es nicht mehr macht, macht es womöglich das nächste, das nicht mit einem prominenten Verlegervertreter verbunden ist, der einen Ruf zu verlieren hat. Das Bezahlmodell von Bild.de wird permanent bedroht bleiben.

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