https://www.faz.net/-gqz-8xny7

Kommentar zu Albig-Interview : Augen auf bei der Bigotterie-Wahl!

Da war er geschlagen: Torsten Albig im Fernsehstudio am Abend der Schleswig-Holstein-Wahl. Bild: dpa

Nicht nur bei der SPD sollte man sich das mit der Kritik an Torsten Albigs „Bunte“-Interview lieber zweimal überlegen. Denn dahinter steckt eine gehörige Portion Heuchelei.

          1 Min.

          Von allen Erklärungen für die Wahlschlappe der Partei in Schleswig-Holstein scheint sich die SPD auf die peinlichste zu verständigen: Die Zeitschrift „Bunte“ ist schuld beziehungsweise das Interview, das der abgewählte Ministerpräsident Torsten Albig dort mit seiner neuen Lebensgefährtin Bärbel Boy gegeben hat.

          So wie einst dem Parteikollegen und Verteidigungsminister Rudolf Scharping, der für die „Bunte“ mit seiner damaligen neuen Liebe Kristina Gräfin Pilati in den Pool sprang, was eine fatale „Bin baden“-Welle auslöste, soll nun Torsten Albig zum Nachteil gereichen, dass er sich im Gespräch mit der Zeitschrift unter anderem offen und ehrlich zu den Gründen der Trennung von seiner Frau geäußert hat. Leider hätten sie „nicht genügend auf uns aufgepasst“, sein Leben habe sich „schneller als ihres“ entwickelt, sie hätten sich nur noch selten „auf Augenhöhe ausgetauscht“, er sei „beruflich ständig unterwegs“, seine Frau „in der Rolle als Mutter und Managerin unseres Haushaltes gefangen“ gewesen.

          Das Auseinanderleben rechnet sich Albig selbst zu, und man muss schon sehr böswillig sein, will man ihm dieses private Bekenntnis als herablassend oder als frauenfeindlich auslegen. Dass es im Sinne des Wahlkampfs nicht clever war, sich dergestalt im Rahmen einer Homestory zu präsentieren, ist etwas anderes. Doch sollten die Kollegen von Albigs eigener Partei und auch in den gegnerischen Reihen lieber zweimal darüber nachdenken, was aus dem Scherbengericht folgt, das sie gerade abhalten.

          Es ist für Politiker schwer genug, ihr Privatleben privat zu halten und gleichzeitig so ins Rampenlicht zu rücken, dass es den taktischen Erwägungen der Polit-PR genügt, die Neugier der Journalisten und der Wähler befriedigt und obendrein nicht komplett gelogen ist. Normalerweise regiert in diesem Land die Häme über die Happy-Family/Heile-Welt-Show, wie sie Politiker zum Beispiel in den Vereinigten Staaten veranstalten. Jetzt regiert, während sonst gerade von der Gerechtigkeits-SPD des Martin Schulz Toleranz, Vielfalt und Inklusion gepredigt werden, die Häme über Torsten Albig. Man könnte das für ein wenig bigott halten.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Weitere Themen

          Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

          Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

          Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

          Topmeldungen

          Der schottische Staatsphilosoph David Hume (1711 bis 1776) war einer der ersten, der sich zur Staatsverschuldung geäußert hat.

          Staatsverschuldung : Zerstörerischer Staatskredit

          Das Für und Wider von Staatsverschuldung ist ein wichtiges Thema unter bekannten Philosophen wie David Hume und Ökonomen wie Lorenz von Stein. Heutzutage geraten aber vor allem die Einwände in Vergessenheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.